Dienstag, 6. Juli 2010

Nackt Baden in Irland – ja, das gibt es!

Wo ist Spencer Tunick? Über 200 nackte Menschen stürzten sich gestern morgen um 11 Uhr am Dunmoran Strand im County Sligo komplett nackt – oder nur mit Ohrringen oder einer Federboa bekleidet – in die Kühlen Wellen des Atlantik. Komplett nackt. An einem Strand in Irland. Und nein - es handelte sich nicht um eine Gruppe verrückter Ausländer. Die weißen Hintern gehörten zweifelsfrei zu waschechten Irinnen und Iren. Tut sich da was im ober-prüden Irland, wo Traditionalisten noch heute bis zum Hals bedeckt ins Meer steigen?


"Dip in the Nip", übersetzt "Frostbad", nannte sich der Massenauflauf von nackten Menschen im County Sligo – und die vielen Frauen und wenigen Männer entblößten sich für einen guten Zweck: Das nackte Vergnügen fand zugunsten der  Irischen Krebsgesellschaft statt, bereits bei der Premiere im vergangenen Jahr hatten die "Naturalisten" über 50.000 Euro Spenden eingesammelt. Dass viele der Kurzzeit-FKK´ler die gute Sache aus voller Überzeugung unterstützten erkannte, wer genau hin schaute (oder die Reportage in der Irish Times las): Man sah Frauen mit zwei, mit einer und ohne Brust, viele auch mit Narben am Bauch. 


Die Veränderungen jedenfalls kommen oft auf leisen Sohlen. Nacktbaden in Irland galt lange als "schwarzer Schimmel", als "Sünde", als nicht existent. Nudist, Naturalist oder FKK´ler wollte in einer hochgradig verklemmten Gesellschaft niemand sein – galt das Nacktwandeln an Stränden doch als egozentrisch bis pädophil und pervers. Nur ein kleines Häufchen Aufrechter sammelt sich seit über 40 Jahren in Vereinen wie der "Irish Nudist Association" und versucht, den Iren auf dem Weg in eine freiere Gesellschaft auf die Sprünge zu helfen. Noch immer exisitieren zahlreiche einschlägige Gesetze auf der Insel, die das nackte Auftreten in der Öffentlichkeit einschließlich des Nacktbadens diskriminieren und kriminalisieren. Allerdings gilt in Irland mehr noch als anderswo in Europa: Gesetze sind geduldig, vor allem, wenn sie keinen kümmern? 


Als Wohltätigkeits-Geste ist das Nacktbaden nun also akzeptiert und etabliert. Es wird nicht lange dauern, bis die Nackten von Sligo Nachahmer in anderen Teilen des Landes finden – und bis die Freikörperkultur als solche mehr Akzeptanz findet. Die Zeit ist reif. Irland bewegt sich - auch ohne Kleider.


PS: Die irischen Naturalisten fröhnen ihrem Hobby bislang eher unauffällig. Die FKK-Freunde kennen die irischen Strände. Von diesen gibt es viele und viele schöne – und die meisten sind meistens einsam und verlassen. Vor allem, wenn der berühmte irische Regen sie vor zu vielen Besuchern schützt. Die Liste, die auch für Freunde des textilen Badens interessant ist, gibt es hier

Foto unten: Irish Cancer Society. Mehr zum Event "Dip in the Nip"

1 Kommentar:

  1. Warum den nicht! So kann man die Natur näher fühlen. Und für die Menschen, deren Körper verletzt sind, ist das eine noch tollere Möglichkeit, das Problem besser in den Griff zu bekommen.

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