Freitag, 9. Juli 2010

Hoffnung für den alten Baumpark von Ardnagashel

Lieblingsorte. Der alte anglo-irische Baumpark von Ardnagashel in West Cork, Irland, gilt bei Pflanzenliebhabern als Grünes Juweel. Die lebenden Zeitzeugen aus dem frühen 19. Jahrhundert, die im Arboretum der Familie Hutchins versammelt sind, sie könnten viele schöne und noch mehr tragische wahre Geschichten aus dem Leben der Iren, der Engländer und der Anglo-Iren in der Bantry Bay erzählen. Wenn sie denn reden könnten. Weil sie aber stumm sind,  können die alten Bäume sich auch nicht wehren  – auch nicht gegen die Ignoranz, Gier und Rücksichtlosigkeit ihrer Eigentümer.

Seit Jahren liegt das alte Arboretum, das nach Irlands erster Botanikern, Ellen Hutchins benannt ist, im Dornröschenschlaf und verwildert. Brombeeren, Efeu und tausende Myrten wuchern – der wertvolle alte Baumbestand wird Jahr um Jahr  unumkehrbar mehr beschädigt und zerstört. Die alten Spazierwege und Pfade sind längst verschwunden, prächtige Bäume, die zu den ältesten, schönsten und größten in Irland zählen und deshalb in den Rekordlisten von Baum-Gesellschaften als "Champion Trees" registriert sind, sterben langsam ab. Ihnen fehlt Luft und Licht zum Weiterleben. Wir haben die Geschichte von Ardnagashel auf einer eigenen Blog-Seite beschrieben, sie ist hier nachzulesen.


Das Arboretum mit Ferienhausanlage gehört heute zum Schuhschachtel-Imperium von "Rent an Irish Cottage" aus Limerick, das widerum eng mit Limericks größtem Immobilienmakler "O´Connor Murphy Gubbins" verbandelt ist. Diese Gesellschaft hat die Grüne Insel in den vergangenen 15 Jahren mit hunderten von immergleichen Ferienhäusern ("Shoe Boxes") überzogen. Im Jahr 2004, auf dem Höhepunkt des irischen Bau-Booms, beantragte "Rent an Irish Cottage" den Bau einer weiteren Ferienhausanlage im alten Arboretum – das ganze nach einem der üblichen Steuersparmodelle und ohne jegliche Rücksicht auf den wertvollen alten Baumbestand.

Die Baulöwen aus Limerick hatten die Rechnung ohne den Ur-Enkel von Gründervater Samuel, Richard Hutchins gemacht. Dieser führte im Alter von damals schon fast 90 Jahren einen erfolgreichen Kampf für den historischen Baumpark. Auf sein Betreiben kam ein Kompromiss zustande, der aus drei wesentlichen Punkten bestand:

1. Das alte Arboretum bleibt unbebaut und unberührt.
2. Die Ferienhausgesellschaft "Rent an Irish Cottage" darf auf der ehemaligen Pferdewiese in der Nachbarschaft acht weitere Ferienhäuser bauen.
3. Die Ferienhausgesellschaft stellt für das alte Arboretum einen Management-und Pflegeplan auf. Sie legt diesen der County-Regierung von Cork vor; sie unterhält und pflegt den alten Baumpark diesem Plan gemäß zunächst für zehn Jahre.


Die acht Häuser sind natürlich längst gebaut – auf Pflegeplan und tatsächliche Plege für das Ellen Hutchins Arboretum allerdings wartet man seit fünf Jahren vergebens. Nun endlich, und das ist die gute Nachricht, hat die Planungsbehörde vom Cork County Council auf anhaltenden Druck von verschiedenen Seiten die Nase ganz offiziell gestrichen voll: Die Regionalregierung schrieb den Eigentümern in Limerick einen "Warnbrief" und forderte sie auf, endlich ihren Pflichten nachzukommen. Und siehe da: Die Immobilien-Händler aus dem Westen haben einen Plan eingereicht. Der wird gerade vom Heritage Departement auf seine Tauglichkeit geprüft – und dann soll es endlich losgehen mit den Pflegearbeiten in Ardnagashel. Wir bleiben am Ball – genauer gesagt: am Baum.


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