Samstag, 21. August 2010

Irlands erster Buddha-Tempel entsteht am Atlantik


Die Schweiz verbietet Minarette, in der Türkei werden Kirchen zerstört, in Deutschland wird um die Größe von Moscheen gestritten, die Chinesen gehen gegen buddhistische Tempel in Tibet vor, Fundamentalisten in den USA zetern gegen eine Moschee, die zwei Blocks von "Ground Zero"  entfernt im Süden Manhattans entstehen soll. Die  Baubehörde im County Cork genehmigt derweil ohne großes Aufheben den Bau des ersten buddhistischen Tempels in Irland. Der fast 15 Meter hohe Tempel zu Ehren des Buddha wird  im tibetischen Retreat Dzogchenbeara bei Allihies auf der Beara-Halbinsel gebaut. Bald werden Seefahrer bei der Umfahrung der irischen Südwestküste also von einem Tempelgebäude (Skizzen) in der alten Bautradition der Tibeter begrüßt werden.
Das wirft die Frage auf: Sind die Irinnen und Iren einfach liberalere Zeitgenossen als Schweizer , Chinesen, Amerikaner und Deutsche – oder liegt es an der auf sanften Pfoten den Westen erobernden Trend-Religion Buddhismus, dass sich im konservativen West Cork überhaupt kein Widerstand regt? Europa darf stolz sein auf das garantierte Recht der freien Religionsausübung und die liberale Haltung nicht-christlichen Religionen gegenüber. Wahrscheinlich aber würde der Plan, westlich von Castletownbere, hoch über dem Atlantik ein muslimisches Gebetshaus zu bauen, nicht ähnlich geräuschlos über die Bühne gehen.

Die tibetischen und europäischen Buddhisten um den großen Lehrer Sogyal Rinpoche haben sich schon in den frühen 90-er Jahren auf Beara etabliert, und ihre Politik der Offenen Tür und des freundlichen Dialogs haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel Misstrauen abgebaut und Vertrauen geschaffen. Die Buddhisten pflegen immer den Eindruck, dass sie niemanden bekehren wollen und dass Katholizismus und Buddhismus gut ko-existieren. Nur manchmal scheint ganz zart eine Haltung durch, die andeuten könnte: "Eigentlich seid Ihr ja auch Buddhisten, Ihr wisst es nur noch nicht."

Wie auch immer: Die Spendenaktionen für den Tempel laufen auf Hochtouren, das Dzogchenbeara Retreat hat sich nach dem Spiritual Care Center und dem Bau eines Besucherzentrums einem neuen Großprojekt verschrieben. Seit Eingang der Baugenehmigung, die Mitte Juli erteilt wurde, konzentrieren sich die Aktivitäten auf den Tempelbau. Bis zur Jahreshälfte waren etwa 100.000 Euro Spenden eingegangen, eine Million Euro sind das Ziel.  Wer spenden möchte: Hier gehts lang.

Sogyal Rinpoche, unter dessen Regie in Lerab Ling in Südfrankreich bereits der größte Buddhistische Tempel Europas gebaut wurde, sagt über den ersten Buddha-Tempel in Irland: "Er wird gemütlich sein und recht klein - und er wird grenzenlose Kapazität haben."

Kommentare:

  1. Eigentlich eine schöne Nachricht. Schade nur, dass sich die Umstände, wie du sie in deinem Post vom 06.07.2009 geschildert hast, meines Wissens noch nicht weiter geklärt haben... Dadurch hält sich meine Begeisterung in Grenzen.

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  2. Sehe ich auch so. Die kulturelle Übersetzungskunst Rinpoches reicht offenbar nicht so weit zu begreifen, dass er in der westlichen Hemisphäre erklären sollte, was da genau war. Meine Gespräche mit ihm Nahestehenden haben ergeben, dass er seine herausragende Position ("Guru") wohl nicht missbraucht hat, um mit Frauen Sex zu haben. Aber hören würde auch ich es gerne von ihm selber. Trotz allem: Der Mann ist ein begnadeter Erklärer, und weiß vielleicht schon heute das, was wir verstehen werden wollen.

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