Donnerstag, 23. September 2010

Kirchen-Boykott: Eine Messe ohne Frauen

Wir aufgeklärten Menschen im Westen attackieren gerne den mittelalterlichen Islam und die rückständigen Mullahs der östlichen Welt. Wir vergessen dabei gerne: Unsere Mullahs sitzen in Rom, in Freiburg, in Dublin, in den katholischen Pfarrhäusern. Wie kann es sein, dass eine scheinbar aufgeklärte Welt, die die Gleichheit der Geschlechter für selbstverständlich hält, die absolutistische Herrschaft der alten Männer in Religionsfragen noch immer fraglos toleriert? Wie kann es sein, dass mehr als die Hälfte der Mitglieder der katholischen Kirche noch immer als Menschen zweiter Klasse behandelt werden? Wie kann es sein, dass Frauen in der katholischen Kirche kein Amt ausüben, keine Entscheidungen treffen - geschweige denn einen Pfarrer heiraten dürfen? Das ist tiefstes Mittelalter, an der Spitze der absolutistischen Theokratie der Papst, ein Diktator in Glaubens- und Lebensfragen.

Diese Gedanken bewegen viele katholische Frauen. Sie bewegten seit langem auch die 81-jährige Katholikin Jennifer Sleeman aus Clonakilty in West Cork, Irland. Jennifer belies es nicht beim Nachdenken und Lamentieren im Kreis der Freundinnen. Sie entwickelte einen Plan, und im August wandte sie sich an einen bekannten Journalisten bei der Irish Times und erzälte ihm, zu welchem Schluss sie gekommen war: Jennifer rief alle katholischen Frauen dazu auf, am 26, September, dem letzten Sonntag des Monats, den Besuch der Messe zu boykottieren und die leeren Kirchenbänke für sich sprechen zu lassen.

Die Idee ist so einfach wie genial: Frauen, stimmt mit den Füßen ab, erschüttert die sture männliche Kirchenhierarchie durch Eure Abwesenheit. Der Artikel in der Irish Times löste ein riesiges Echo aus: In Irland, in Europa, in den USA. So wird der kommende Sonntag nun zum ersten demokratischen Testfall für die katholischen Kirchengemeinden in Irland und anderswo. Weitere dürften folgen.

Die rebellische alte Frau aus Clonakilty, die so gar nicht dem stereotypen Bild von der Revolutionärin entspricht, freut sich über die weltweiten Reaktionen. Gleichzeitig hofft die gebürtige Schottin, die vor 54 Jahren zum Katholizismus konvertierte und seit 55 Jahren in West Cork lebt, dass die Aktion zur Gleichstellung der Frauen in der Kirche nun von anderen Köpfen und Schultern weiter getragen wird und dass in ihr Leben wieder Ruhe einkehrt.

Foto: St. Annes in Shandon, Cork (mab).

Kommentare:

  1. Toll !!!!
    Vorallem wenn man so bedenkt, dass es eigentlich am häufigsten Frauen sind, welche doch sehr regelmäßig den Gottesdienst besuchen .
    Wer ist den Sonntagfrüh als erstes im Gottesdienst ? Frauen !Ich sehe sie immer zur Kirche gehen, wenn ich von der Nachtschicht komme. Die Pfarrer würden ganz schön verblüfft sein, wenn ihnen mitmal die Frauen wegblieben. Wer schmückt ihnen den die Kirche , kümmert sich um Ordnung und Sauberkeit in der Kirche und auch im Pfarrhaus ?? Eben, wieder die Frauen !! Das sollte die katholische Kirche echt mal bedenken.

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  2. Das finde ich super ! Ich hoffe diesem Beispiel folgen noch viele Frauen, nicht nur in Irland und hoffentlich nicht nur an dem einen Sonntag.

    Wenn es die "Kirchenherren der Schöpfung" kapieren, dann nur auf diese Art.

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  3. Interessanter Artikel! Genau das hab ich mir auch schon oft gedacht. Bin aber zur Einschätzung gelangt, dass eine Dikatur ( von Männern rund um und jenseits der 80 ) sich in keinster Weise von so einer Aktion beeindruckt zeigen würde.
    Meiner Meinung nach hilft nur austreten und das von Vielen. Wenn es dann kein Geld mehr gibt, wird sich die Kirche vielleicht was überlegen, aber nicht einmal das halte ich für sicher.
    Die ganze Sache überlebt sich soundso in ein paar Jahren, wenn dann nämlich die letzten alten Frauen, die bisher in die Kirche gingen und sie brav putzten gestorben sind.
    Bei uns in Österreich, im städtischen Umfeld, und da lebt ein Großteil der Bevölkerung, geht sonst niemand mehr hinein.

    Bin natürlich trotzdem neugierig, was aus der ganzen Sache wird.

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  4. Zitat: Die ganze Sache überlebt sich soundso in ein paar Jahren, wenn dann nämlich die letzten alten Frauen, die bisher in die Kirche gingen und sie brav putzten gestorben sind.
    Schön wär's! Hier in Irland gehen auch genügend jüngere Frauen in die Kirche.

    Das Problem liegt im Erziehungssystem. Unsere Tochter war auf einer (katholischen) Mädchenschule. Dort werden die Schülerinnen so behandelt, dass sie nicht wiedersprechen, geschweige denn aufmucken dürfen. Das, was die Lehrer sagen ist heilig. Da ist es auch egal, ob man ungerecht behandelt wird. Wenn man so jahrelang erzogen wird, ist es natürlich selbstverständlich, dass eine Frau in ihrem späteren Leben diese Kirchenhirarchie mit einem Lächeln im Gesicht über sich ergehen läßt. Ausnahmen bestätigen die Regel.

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