Dienstag, 7. September 2010

The F***ing Dursey Island Experience

Dursey Island, der westliche Appendix der Beara Halbinsel im Südwesten Irlands, ist berühmt für seine Seilbahn (die einzige Seilbahn Irlands, in der Rindviecher und Schafe auch noch Beförderungspriorität haben). Der bergige Außenposten im Atlantik ist auch bekannt als einer der schönsten und spektakulärsten Orte Irlands – wenn das Wetter mitspielt. Wer ein Pub, ein B&B, einen Laden oder eine Post erwartet, sucht allerdings vergebens. Und wer Ausschau nach freundlichen Insulanern hält, mag einen der letzten Inselbewohner treffen. Freundlich ist der aber nicht.

Gestern auf Dursey Island: Ein Besucher fotografiert ganz harmlos ein pittoreskes weiß getünchtes Cottage, das direkt an der Straße liegt. Aus einem anhaltenden blauen Pickup springt ein Mann mit hochrotem Kopf. Er fuchtelt wild und schreit den Fotografierenden an: "F*** off, you f***ing bastard. I´m tired of people taking photos of my property and myself". Der Mann erregt sich, dass ein Foto von seinem Haus gemacht wurde. Dabei hat der vorsichtige Besucher aus vornehmer Distanz und vollkommen angemessen die Fassade im Straßenbild fotografiert. Versuche, den Insulaner zu beruhigen gelingen nicht, schließlich braust er wütend im Auto davon.

Anwohner des Dursey Sounds berichten später, dass der wilde Mann von Dursey regelmäßig Inselbesucher attackiert und beleidigt. Kürzlich soll er eine Wandergruppe mit einem Werkzeug in der Hand verfolgt haben. Vollends harmlos wirkt da der Zeitgenosse, der in seinem Land Rover grußlos und mürrisch an den Besuchern vorbei rauscht.

Derlei Auftritte erschüttern das schöne Bild vieler Irland-Urlauber von den allzeit freundlichen Iren ganz nachhaltig. Sie belegen: "There´s one in every crowd". Und sie machen nachdenklich: In den drei Dörfern von  Dursey Island lebten in guten Zeiten über 250 Menschen. Nach der großen Abwanderung in den 70er Jahren ist die Insel heute entvölkert, die Dorfgemeinschaften haben sich aufgelöst, nur in wenigen Häusern brennt der Herd noch das ganze Jahr über. Sechs ständige Bewohner zählt Dursey Island heute nach offiziellen Angaben noch, auf Beara selber spricht man von zwei oder drei.

Es kann schwer sein, einsam in einem Heimatmuseum zu leben. Es kann schwer erträglich sein, fast alleine auf einem entvölkerten Eiland zu leben. Es kann unerträglich sein, unfreiwillig den Hauptdarsteller im Inselmuseum abgeben zu müssen. Wir wissen nicht , was dem wilden Mann von Dursey in der Vergangenheit alles widerfahren ist. Wir ahnen, dass manche Nerven strapaziert werden, wenn Urlauber mit der Digitalkamera Jagd auf Motive macht und wir wissen, dass dabei Höflichkeit, Respekt und das Gefühl für Würde und Privatsphäre manchmal auf der Strecke bleiben.

Vielleicht hilft dem wilden Mann von Dursey ein Schild vor seinem Haus: "Bitte nicht fotografieren". Das würde seine Nerven und die der Insel-Besucher schonen.

Foto: mab 

Kommentare:

  1. Vielleicht würde es dem wilden Mann von Dursey besser gehen, wenn er die Insel auch verlässt ???

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  2. Es gibt sicher fünf Gründe an jeder Hand des einsamen wilden Mannes von Dursey Island, sich den Touristen so zu präsentieren.
    Mit ihm in ein Gespräch zu kommen, sein Vertrauen zu gewinnen, ihn erzählen zu lassen, dies alles auch niederzuschreiben, das würde mich sehr reizen.

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  3. Viel Glück, skelligs. Ruf mich an, wenn Du nicht weiter weißt.

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  4. Dein Beitrag erinnerte mich spontan an das reich recherchierte Buch von Roger Hutchinson " Eine Straße in Schottland". Hier wird neben der hinreißenden Geschichte um Calum MacLeod und seinen Kampf um den Bau einer Straße auf der kleinen Hebriden-Insel Raasay auch die Geschichte der Entvölkerung beweiskräftig hinterlegt.
    Ich verwende im ersten Kommentar den Konjunktiv bewusst, da ich im Rolli sitze und non-invasiv mich beatmen muss. Hier war der Wunsch der Vater der Gedanken. Dennoch bleibt die Sehnsucht nach Irland und seinen Menschen. :-)

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