Mittwoch, 6. Oktober 2010

Irlands größter Exportschlager: Die eigene Jugend

"Ich bin ja mal gespannt, wie lange Ihr es in Irland noch aushalten werdet", schrieb mir gestern ein guter Verwandter. Er hatte in einer deutschen Sonntagszeitung über den aktuell einzigen Boom in Irland gelesen: das Auswandern. Die Iren verlassen Ihre Insel wieder in Scharen, derzeit sind es Monat für Monat rund 10.000 überwiegend junge und jüngere Menschen, die ihr Land in Richtung Australien, Neuseeland oder Kanada verlassen, um dort eine bessere Zukunft zu suchen.

450.000 Menschen sind in der Republik im Jahr Drei der großen Rezession ohne Arbeit, das sind zehn Prozent der Bevölkerung oder fast 20 Prozent aller Republik-Iren im arbeitsfähigen Alter. Die jungen arbeitslosen Akademiker zählen bereits über 100.000. Die Wirtschaft liegt am Boden, so exportiert Irland wieder einmal seine Jugend. In diesen Monaten und Jahren entsteht die neue irische Diaspora in Nordamerika, in Ozeanien, in Großbritannien und Kontinental-Europa. Mehrere hunderdtausend Inselbürger haben sich bereits auf den Weg gemacht oder packen demnächst ihre Koffer.

Anders als Deutsche, Schweizer oder Österreicher trainierten die Irinnen und Iren schon seit  dem 19. Jahrhundert ihren Reise-Reflex: Während sich Mitteleuropäer bei drohender Arbeitslosigkeit auf den Weg zum Arbeitsamt machen, räumen die Iren ihr Hab und Gut in Umzugskartons und suchen das Weite. 

Die beliebtesten Veranstaltungen in Cork und Dublin sind in diesen Wochen die Auswanderungs-Seminare. Die "Working Abroad Expo" in Dublin besuchten am vergangenen Wochenende 5.000 Menschen – die meisten mit dem Ziel, Arbeit, Glück und Wohlstand in der Ferne zu finden. 

So stehen die Zeichen auf der Insel nach 20 Jahren Bevölkerungswachstum wieder eindeutig auf Rückgang. Denn die jungen Emigranten ( die man heute zeitbewusst als "eMigrants" bezeichnet) werden auf Dauer sichtbare Spuren in Irlands Bevölkerungspyramide hinerlassen. Im Jahr 2010 lebten sechs mal mehr Menschen auf der Erde als im Jahr 1840, das war fünf Jahre vor der großen Irischen Hungersnot, die einen Massen-Exodus auslöste. Auf dem Gebiet der Republik Irland leben heute, auch nach 20 Jahren Bevölkerungswachstum, noch ein Drittel weniger Menschen als im Jahr 1840 – Tendenz: fallend (bei derzeit 4,5 Millionen Bewohnern).

"Ich bin ja mal gespannt, wie lange Ihr es in Irland noch aushalten werdet", schrieb mir gestern ein guter Verwandter. Auch das ist eine Geschichte, allerdings eine andere, für ein andermal.

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