Freitag, 8. Oktober 2010

Zahlt Paddy die Millionen-Gagen des FC Chelsea?

Nun also doch: In Irland spitzt sich endlich die Frage zu, warum die Regierung geradezu versessen darauf ist, die Zockerbanken Anglo Irish und Irish Nationwide auf dem Rücken der irischen Steuerzahler zu sanieren. Qui bono? Wer profitiert von dieser Politik, und für wen macht die irische Regierung diese Politik? Kann sie einfach alte Fehler nicht korrigieren? Aus welchen Motiven heraus trifft sie die Entscheidungen? Wirklich, um das Land zu retten, um den Bürgern zu dienen? Oder aber, um europäische Interessen zu bedienen? Um deutsche Banken nicht hängen zu lassen? Um das Geld internationaler Investoren zu schützen?

Diese Investoren haben seit dieser Woche einen Namen; einen, den viele Menschen auf der Insel gar nicht mögen: Roman Abramovich. Der Russen-Oligarch, der mit dem Blutgeld des russischen Volkes Milliarden verdiente und sich damit aus Renommiersucht den englischen Spitzenverein Chelsea London kaufte, hat sich beachtliche Mengen irischer Schuld-Verschreibungen zu Schleuderpreisen gesichert, um damit Kasse zu machen. Im Stil der großen Finanzschurken will Abramovich mit den Schulden von Irish Nationwide Milliardengewinne erzielen – und die irischen Steuerzahler sollen dafür blechen.

In der irischen Öffentlichkeit werden deshalb nun diese griffigen Fragen gestellt: Warum verscherbelt die Regierung das Land an Schurken-Investoren? Warum haben die Aasgeier der Finanzwelt Vorfahrt vor dem eigenen Volk? Und warum sollen Paddy und Mary die Millionen-Gehälter von Frank Lampard oder John Terry bezahlen?

Der kritische Ökonom Karl Whelan hat das abstrakte Polit-Thema, das so konkrete Löcher in den Geldbeuteln der einfachen Leute hinterlässt, auf eine einfache – vielleicht zu einfache –Formel gebracht. Sollen die Irinnen und Iren glücklich darüber sein, dass sie die Millionen-Gagen von Fußball-Helden finanzieren dürfen?

Abgesehen davon, dass einige fußballverrückte Dumpfbacken auf der Insel "ihren" Verein Chelsea gerne auf diese Weise unterstützen wollen, riecht der aufkommende Konflikt ein wenig nach Klassenkampf – und der Wahlkampf wird sich thematisch zuspitzen.

Das Land steht vor dem Konflikt um den dritten Superspar-Haushalt in Folge, die Staatsleistungen werden auf ein Minimum heruntergefahren, die Steuern und Abgaben sollen noch einmal drastisch erhöht werden, um mit dem sagenhaften Einsatz von 50 Milliarden Euro Finanzinstitute zu retten und zweifelhafte Investoreninteressen zu bedienen. Es bleibt unklar, ob die K.O.-Regierung von Brian Cowen die Haushaltberatungen noch überstehen wird, oder ob sie erst im Frühjahr 2011 abdanken muss, klarer erscheint aber mittlerweile, dass das Wahlvolk zunehmend nach der Partei sucht, die sich der großen Geldvernichtung widersetzt und die Bankenrettung stoppt.

Warum eigentlich soll man verkommende Spekulationsbanken wie Anglo Irish, die die Interessen von einigen hundert Leuten befeuert haben, nicht einfach bankrott gehen lassen? Wer in der politischen Elite hat den Mut, die Verantwortung für monströse Wirtschaftsdelikte an die Investoren der Banken zurückzugeben und Millionen kleine Leute aus der Schusslinie zu nehmen?

Es wird spannend in Irland. Ein heißer Winter steht bevor.

Kommentare:

  1. Nicht "qui bono", lieber Wanderer, sondern "cui bono" - kommt aus dem Lateinischen.
    Viele Grüße vom Bildungsbürger aus Bayern ...

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  2. Auch Bildungsbürger können lebenslang dazu lernen, lieber Galahad.

    Groß-Lateiner zitiert Wikipedia, in diesem Fall korrekt: "Die Frage Cui bono? (Lateinisch: Wem zum Vorteil?) – gelegentlich auch als „Qui bono?“ (qui ist die vorklassische Form von cui) zitiert –, ist ein geflügeltes Wort, mit dem ausgedrückt wird, dass bei einem Verbrechen der Verdacht am ehesten auf denjenigen fällt, der daraus den größten Nutzen zieht."

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