Sonntag, 3. Oktober 2010

Von der Kunst, in Irland einen Brief aufzugeben

Oh ja, die guten alten Zeiten auf dem Land. Sie waren romantisch, behaglich und gemütlich – zumindest im stilvollen Nacherleben in einschlägigen Lifestyle-Zeitschriften á la  "Country Living."  Auch Im Irland der Gegenwart, auch nach 15 Jahren Keltentiger, gibt es sie noch, diese Relikte aus längst vergangenen Jahrzehnten. Man findet sie unterwegs als Straßen, bei Unwohlsein als Arztpraxis oder Krankenhaus, beim Wohnen als feucht-kaltes Cottage.

Manchmal hat sich die gute alte Zeit  auch im sehenswerten Detail in die irische Gegenwart gerettet. Zum Beispiel in Form von zugigen Fenstern aus der Georgian-Epoche (1714 bis 1830), schlecht schließenden Türen aus den Zeiten der Königin Victoria ("The Doors of Dublin", 1837 - 1901) oder aber: als Briefkästen.

Wer im ländlichen Irland schon einmal versucht hat, einen Briefumschlag auf die Reise zu schicken, der größer war als eine Postkarte, der weiß, wovon die Rede ist: Die kleinen eisernen Postkästen, die ganz in Grün bemalt oder in Fels eingelassen so hervorragend getarnt sind, dass man sie erst gar nicht findet, sie geben einem beim Brief-Aufgeben so manches Rätsel auf: Soll ich den A3-Umschlag jetzt zweimal knicken, um ihn in den Briefkasten zu zwängen? Kann ich es mir leisten, den dicken A5-Umschlag zu zusammen zu quetschen, dass er in der Höhe durch den dürftig bemessenen Briefschlitz passt, dann aber der Breite nach stecken bleibt? Zahlreiche Versuche, vergleichsweise bescheidene Postformate am Briefkasten loszuwerden, enden dann doch am Schalter auf der zwölf Kilometer entfernten Post – und mit der Erkenntnis, dass die Briefe früher deutlich kleiner waren.

Aber schön sind sie fast immer, die alten grünen Briefkästen Irlands. Sie stammen noch aus den Zeiten, als auch Irland nach der Pfeife der Weltherrscherin aus dem Hause Hannover tanzte und sie sind oft 150 Jahre alt. Die Königliche Chiffre "V R" über dem Briefschlitz (Foto) bedeutet "Victoria Regina", Königin Victoria. Oft ist die Britische Krone auf den alten Eisenkästen zu sehen, manchmal auch die Chiffre "E R" - Edward Rex. In diesem Fall stammen die noch heute benutzten Exponate aus dem Postmuseum aus der Regierungszeit von Edward VII, der nach dem Tod von Mutter Victoria und nach jahrzehntelangem Warten das Zepter von 1901 bis 1910 über das Empire schwang.


Für Urlauber jedenfalls sind die Briefkästen aus den Zeiten des Empires ideal: Eine Postkarte kann man darin ohne Probleme unterbringen – und ein schönes Fotomotiv gibt es gratis dazu.

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