Mittwoch, 24. November 2010

Der neue Trend: Irland sucht die Super-Sparer

Was tun, wenn Arbeit und Geld knapp werden? Irland schnallt derzeit den Gürtel enger. Ganz groß in Mode sind Reminiszensen an die guten (?) alten Tage, als Irland ein armes Land war, als aber die meisten Irinnen und Iren noch wussten, wie sie mit wenig Ertrag in Würde überleben konnten. Überlebens- und Spar-Rezepte nun die Renner in den Medien, und die irischen Radio-Shows haben ein neues Lieblings-Thema: Wie können wir Geld sparen? Welche Tricks habt Ihr drauf, liebe Landsleute, um die große Krise mit Stil zu überstehen?

Es ist in der Tat große Unterhaltung, was sich die Leute auf der Insel alles einfallen lassen, um das Geld zu sparen, das sie nicht mehr haben: Da werden die Eier im Teewasser mit gekocht, da werden Kinder wieder im Badewasser der Eltern gesäubert (wehe, wer in der Hackordnung zuletzt in die lauwarme gräuliche Badelauge steigen muss),  da wird der Teebeutel schon mal zweimal aufgebrüht.

Andere führen beim Tanken ein Kännchen mit sich, um die letzten Tropfen aus dem Zapfschlauch zu schütteln. Beliebt ist an der Tanke auch, den runden Betrag um zwei oder drei Cents zu übertreffen und auf die irische Großzügigkeit zu hoffen, dass die Cents nicht einkassiert werden. Wieder andere kaufen zwei Liter Vollmilch und strecken sie mit einem Liter zu fettarmer Milch. Natürlich kennten die irischen Erawchsenen von den Altvorderen noch all die Rezepte aus den Zeiten, als in den Küchen der Insel Schmalhans regierte.

Urplötzlich wird nun im Land der Individual-Motoristen das Car-Sharing populär, nicht zu reden vom lange als assozial stigmatisierten Busfahren. Und tatsächlich vergleichen Paddy und Mary jetzt Preise, bevor sie kaufen. Das galt viele Jahre als verpönt. Man hatte es nicht nötig, nach Preisen zu fragen, man kaufte einfach im erstbesten Geschäft und hielt sich nicht lange an den lästigen Preisen auf. Dass in irischen Haushalten neuerdings auch die Küche wieder vermehrt zum Kochen benutzt wird, dass nicht täglich Fleisch satt auf dem Teller liegen muss, dass die Nahrung wieder verstärkt aus dem eigenen Garten kommt und dass der gute alte Holzofen wieder in Betrieb genommen wird: Das sind die weniger bizarren Seiten der Sparwelle.


The times they are a changing. Warum auch nicht. In vielerlei Hinsicht kehrt in der irischen Gesellschaft wieder die Vernunft ein, die ein Jahrzehnt lang völlig abgetaucht war. Eine ökonomische Vernunft, die auch nach dem Morgen fragt. Es stimmt schon: Die Krise ist immer auch eine Chance.

Kommentare:

  1. ... und wenn jetzt auch noch die Preise um 50% fallen, sind wir alle happy.

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  2. Interessanter und toller Bericht.
    Bei allem Verständnis dass jeder einzelne sparen will oder zwangsweise muss, wenn jetzt auch noch der innerländische Handel schwächelt wird es für das Land sicherlich kaum einfacher werden.
    Irland hat im Gegensatz zu Deutschland und anderen europäischen Ländern kaum Ware zu exportieren und kann somit auch nicht in dem Maße wie wir vom derzeit schwachen Euro profitieren.
    Kann man nur hoffen, dass der Tourismus weiterhin seinen Beitrag leisten kann.
    Ich freu mich jedenfalls auf ein Wiedersehen auf der grünen Insel.
    Heiko

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