Sonntag, 28. November 2010

Diese Woche in Irland: Auflösungserscheinungen



Das Wichtigste auf einen Blick: Was in der vergangenen Woche in Irland geschah, steht heute in unserem Wochenrückblick. Irland Blog-Autor Dirk Huck berichtet aus Dublin über politisch und menschlich schwere Tage auf der Insel.





Irland offiziell pleite

Nach Griechenland nun auch Irland: Am Sonntag bat Irlands Regierung offiziell um finanzielle Hilfe. Es geht um ein etwa 80 bis 95 Mrd. Euro schweres Rettungspaket, das EU und der Internationale Währungsfond bereitstellen sollen. Damit begibt sich Irland in die finanzielle Abhängigkeit von EU und IWF. Mit den Folgen der Schuldenkrise wird das Land noch über Jahre hinweg zu kämpfen haben.

Auflösungserscheinungen der Regierung

Der finanziellen Bankrott-Erklärung folgte die politische Bankrott-Erklärung: Unmittelbar nach dem Eingeständnis der Zahlungsunfähigkeit der Regierung kündigte die Green Party, der kleine Koalitionspartner von Regierungspartei Fianna Fáil, an, sich aus der Koalition zurückzuziehen. Damit verliert die Regierung ihre ohnehin knappe Mehrheit im Parlament. Premier Brian Cowen kündigte daraufhin an, Anfang nächsten Jahres die Regierung aufzulösen und vorgezogene Neuwahlen abzuhalten.

Austritt mit Baby-Geschrei

Bei der Pressekonferenz der Green Party, auf der sie ihren Austritt aus der Koalition verkündete, sorgte der Abgeordnete Paul Gogarty für einen Eklat. Er brachte seine achtzehn Monate alte Tochter mit zur Konferenz. Gogarty rechtfertigte sich damit, dass die Pressekonferenz kurzfristig einberufen wurde und er keinen Babysitter mehr auftreiben konnte. Kritiker warfen ihm ein der Bedeutung der Pressekonferenz und der Tragweite der verkündeten Entscheidung unangemessenes Verhalten vor. Zudem habe er für sich ein Sonderrecht in Anspruch genommen, das viele Eltern mit kleinen Kindern nicht haben.

Sparprogramm vorgestellt

Mitte der Woche stellte die Regierung ihr Programm vor, mit dem sie in den nächsten vier Jahren die Deckungslücke im Haushalt schließen will. Ausgabenkürzungen bei der Sozialhilfe, Stellenabbau im Öffentlichen Dienst und Steuererhöhungen sind die wesentlichen Punkte. Die Einschnitte gehen tief. Im Schnitt muss jeder Haushalt mit jährlich etwa 4.600 Euro weniger auskommen. Das Sparprogramm muss noch von EU und Parlament abgesegnet werden, bevor es am 7. Dezember offiziell verabschiedet werden kann.

Irlands Schattengesellschaft meldet sich zurück

Am Mittwoch meldete sich das organisierte Verbrechen eindrucksvoll zurück. Im Dubliner Stadtteil Finglas wurden am späten Abend zwei junge Männer an einer Tankstelle mit mehreren Schüssen regelrecht hingerichtet. Die Täter waren zehn Minuten vor ihren Opfern an der Tankstelle eingetroffen und eröffneten sofort das Feuer, als diese ihren Wagen betankten. Anschließend entkamen die Täter in ihrem Fluchtfahrzeug. Die Polizei rätselt über das Motiv des Anschlags. Unklar ist noch, ob die beiden Opfer Kontakte zur Drogenszene hatten. Der Vorfall zeigte einmal mehr, dass Irland außer einer Schuldenkrise noch andere große Probleme hat.

O' Switched Is

Mit einem kleinen Festakt vor dem General Post Office in Dublin wurde am Sonntag offiziell die Weihnachtssaison eröffnet. In den Einkaufsstraßen wurde die Weihnachtsbeleuchtung angeschaltet, einfallsreich dekorierte Schaufenster sollen die Käufer animieren. Der Einzelhandel erzielt ein Drittel seines Umsatzes über das Weihnachtsgeschäft.



80 days frost, 30 days snow

Irland steht ein langer Winter bevor. Der Wetterdienst sagt achtzig Tage Frost mit dreißig Tagen Schnee voraus. Zum Ende der Woche hin fielen die Temperaturen deutlich. Am Sonntagmorgen erwachte Irland tatsächlich unter einer weißen Decke - es war der früheste Wintereinbruch seit siebzehn Jahren. Anders als im Vorjahr, als "The Big Freeze" das Land fast lahm legte, zeigte sich Irland diesmal besser vorbereitet: Auf den meisten Straßen war rechtzeitig gestreut worden. Verkehrsminister Noel Dempsey betont, dass man diesmal genügend Vorräte an Streusalz hat.
Die Regierung zeigt, dass sie durchaus lernfähig ist. Schade nur, dass es bald schon eine neue Regierung gibt und alles wieder von vorne anfängt.






Der Autor: Dirk Huck. Wer mehr von Dirk lesen will:
Hier schreibt er seinen Blog.

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