Montag, 15. November 2010

Irland fördert Absahner: So plündert man den Staat

In den vergangenen Tagen wurde heftig spekuliert, ob Irland schon in dieser Woche Hilfe von Europa und/oder vom Internationalen Währungsfond annehmen muss, wird oder kann. Die öffentliche Dauererregung verlängert sich in die neue Woche – und ein Argument, warum Irland nicht dem Beispiel Griechenlands folgen will, gibt besonders zu denken: Irland sei doch ein ehrenwertes, modernes Land mit eigentlich soliden Finanzen - sieht man einmal von den Banken ab.

Stimmt natürlich überhaupt nicht. Die Verkommenheit und Korrumpiertheit des Staates in Irland kann es mit dem in Griechenland problemlos aufnehmen: Der aufgeblähte und völlig ineffiziente Staatsapparat auf der Insel ist vor allem dazu da, abgeschöpft, geschröpft und ausgenutzt zu werden. Viele Behörden und Staatsagenturen dienen nur einem Zweck: dem, die Beschäftigten angenehmst zu versorgen; und wenn von Zeit zu Zeit ein eklatanter Fall von Patronage und Veruntreuung im Staatssystem bekannt wird, dann handelt es sich meist um einen "Einzelfall".


Leider summieren sich die Einzelfälle bei genauem Nachzählen auf einige hundert. Die staatliche Arbeits- und Weiterbildungs-Behörde FÁS beispielsweise muss gerade geschlossen werden, weil sie von Skandal zu Skandal stolpert, ihren eigentlichen Aufgaben aber überhaupt nicht nachkommt. FÁS ist überall. Der öffentliche Dienst arbeitet nach dem 80:20-Prinzip. Wer einmal eine staatliche Baustelle beobachtet hat, erkennt schnell: Zwei Leute arbeiten wirklich und acht weitere stehen herum und tragen die Verantwortung.

Vor einigen Tagen wurde nun bekannt, das die Wirtschaftsförderungsbehörde "Enterprise Ireland" es besonders bunt trieb. Die staatliche Agentur, die für Irland Wirtschaftsförderung im Ausland betreiben soll,  hat in den beiden vergangenen Jahren den größten Teil der Fördermittel einfach selber aufgebraucht. Laut Irish Times versenkte Enterprise Ireland im Jahr 2009 100 Millionen Euro, um sich selber zu verwalten und die Reisespesen der Mitarbeiter zu ersetzen, nur 94 Millionen Euro wurden tatsächlich für Förderprojekte ausgegeben. Noch schlimmer die Zahlen für das Jahr 2008: Mit 100 Millionen Euro förderte sich die Agentur selber, nur 56 Millionen Euro flossen in Industrie-Förderprojekte.

Das Gute an der Staats-Pleite in Irland ist, dass nun auch die vielen Krebsgeschwüre im Staatsapparat entfernt werden müssen und dass kein Geld verschwendet und veruntreut werden kann, wo keines mehr ist. Ein schwacher Trost.

Kommentare:

  1. Darauf - das Verschwinden der Krebsgeschwüre - würde ich nicht wetten. Auch eigentlich nicht vorhandenes Geld lässt sich verschwenden, die Verschwender müssen nur kreativer vorgehen.

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  2. Starker Tobak...was sagen die Iren denn selber dazu? Oder profitieren einfach zu viele selber davon?

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  3. Hallo Markus,
    das glaubst du doch selber nicht, das sich das NimmMit-System abschafft, oder?
    Brian denkt jetzt schon darüber nach die Löcher der Banken von der EU stopfen zu lassen.
    Hätte ja auch den angenehmen Nebeneffekt, das man selbst in der Regierungsverantwortung bleibt.
    Zumindest bis zum Frühjahr 2011. Dann sieht man dann mal weiter..

    Viele Grüße

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  4. "Der öffentliche Dienst arbeitet nach dem 80:20-Prinzip. Wer einmal eine staatliche Baustelle beobachtet hat, erkennt schnell: Zwei Leute arbeiten wirklich und acht weitere stehen herum und tragen die Verantwortung."

    Warum bloß, lieber Wanderer, erinnert mich das so fatal an die ehemalige DDR? Mit dem Unterschied, dass auch die Herumstehenden damals alles andere getragen haben, nur keine Verantwortung.

    Nun, die Geschichte mahnt: Die Älteren unter uns erinnern sich noch einigermaßen, wie das geendet hat mit der DDR ...

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