Montag, 27. Dezember 2010

Weihnachts-Schwimmen – nichts für Memmen



Der Christmas Swim 2010 in Glengarriff, Irland. Gesehen von Eliane Zimmermann.


Wer öffentlich zur Schau stellen will, wie mutig, abgehärtet und taff er (oder sie) ist, kann das jedes Jahr über Weihnachten an den Stränden Irlands tun, wenn es zum berühmt-berüchtigten Christmas Swim geht. Heroische Frauen und Männer stürzen sich dann bei kühlen Außentemperaturen ins noch kältere Meerwasser, um dort vor Augenzeugen ein, zwei Runden zu schwimmen. 


Aufgrund der arktischen Temperaturen weit unter null Grad und weil das Meerwasser nur knapp über 2 Grad kalt war, warnten Wetterdienst, Ärzte und Gesundheitsbehörden und Medien in diesem Jahr vor der Mutprobe und drängten darauf, dass die Weihnachtsschwimmen landauf landab abgesagt würden. 


In Glengarriff West Cork, nahm man diese Warnungen gelassen bis gleichgültig hin und traf sich unbeirrt nach der Kirche, um 12:30 Uhr am Pier. Ärztlicher Beistand war gegeben, denn Doktor Jeremy und Doktorin Aisling schwammen selber mit.Der "Christmas Swim" gehört in Glengarriff mittlerweile zu Weihnachten wie die Bescherung für die Kinder. Gut 15 kälteunempfindliche Iren, unterstützt von ein bis zwei Deutschen und genauso vielen Engländern stürzen sich jedes Jahr unter dem johlenden Beifall des vielköpfigen Publikums von der Kaimauer – hinunter ins eiskalte Wasser. 

Der Christmas Swim von Glengarriff, der eigentlich ein Kurz-Triathlon ist (Jump, Swim and wieder Rausklettern), wurde vor mehr bald zwei Jahrzehnten von einem Mann namens Long John O´Sullivan ins Leben gerufen und zieht mittlerweile Jahr für Jahr 100 bis 150 Schaulustige an. Warum sich Leute im Winter in kaltes Wasser stürzen? Viel Geld zum Unterhalt von Schulen, Sporthallen oder Gemeindehäusern, wird in Irland bei Charity-Veranstaltungen gesammelt. Die einen schwimmen und lassen sich feiern, die anderen schauen zu, zahlen für die Gaudi und bekommen noch einen heißen Whiskey obendrauf. Die Einnahmen in Glengarriff fließen auf das Konto zum Unterhalt der Gemeindehalle, von der fast jeder im Ort profitiert, oder wird für die Jugendarbeit im Gaelic Football Club verwendet. Auch das ist Weihnachten in Irland - am Ende gibt es nur Gewinner.

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