Mittwoch, 31. März 2010

"Moderne Wikinger" greifen nach der Küste Irlands


Sie heißen "Marine Harvest" und "Cermaq". Sie sind gefürchtet als die modernen Raubritter der Weltmeere: Die mächtigen Lachszucht-Konzerne Norwegens. Schottlands Loughs, Chiles Fjorde, British Columbias Buchten: Diese Konzerne überziehen die schönsten und saubersten Gewässer der Welt mit Lachszucht-Anlagen, sie ziehen die Profite des Multi-Milliardengeschäfts in die Taschen ihrer Aktionäre ab und sie hinterlassen vor Ort nicht viel mehr als Schmutz, Krankheiten und Zerstörung.  


Seit einigen Monaten sondiert "Marine Harvest" die Südwest-Küste Irlands, um neue Standorte für ihre riesigen Zuchtanlagen zu finden. Erst wurde bekannt, dass das Tochterunternehmen Silver King Seafoods in der Dunmanus Bay, einer der schönsten und ursprünglichsten Buchten Irland, eine Lachszuchtanlage aufbauen will. Nun wird allmählich klar: Die Dunmanus Bay ist nur einer von zahlreichen neuen Standorten, den der Fischereikonzern im Auge hat: Auch in den benachbarten Buchten, in der Kenmare und der Bantry Bay, glaubt Marine Harvest sich festsetzen zu können. 


Während sich andernorts auf der Welt - beispielsweise in Kanda - massiver Widerstand organisiert hat, um die norwegischen "Neo-Wikinger" zum Rückzug zu zwingen, muss der Kampf in Irland erst noch geführt werden. Gute Argumente haben die Gegner der Lachszucht-Industrie viele: Die Zuchtanlagen verschmutzen das Wasser, die Küsten, den Meeresboden. Schlimmer noch: Von den Zuchttieren gehen tödliche Krankheiten für die Wildlachs-Bestände aus. Und für ein Kilo Zuchtlachs wandern bis zu fünf Kilo Fischmehl in die riesigen Wimmelbecken. Dass der oft mit Medikamenten vollgepumpte Farm-Lachs am Ende, wenn er auf den Teller kommt, nicht zu den reinsten und besten Lebensmitteln zählt, hat viele Köche dazu veranlasst,  Zuchtlachs auf die schwarze Liste zu setzen.   



Aus der Dunmanus Bay hat Marine Harvest bislang rund 200 ablehnende Stellungnahmen von Fischern, Anwohnern, Unternehmen und Organisationen erhalten. Die Bevölkerung auf dem Sheep's Head und dem nördlichen Mizen Head rechnen sich von der am Dooneen Point (Foto oben) geplanten 300.000 Quadratmeter großen Anlage keinerlei Vorteile und viele Nachteile aus. Ob der örtliche Widerstand groß genug sein wird, um die in Umweltbelangen eher unsensible irische Regierung für sich zu gewinnen, muss sich zeigen. Der Kampf jedenfalls hat begonnen.


Mit diesem Film informiert die Umweltinitiative "Pure Salmon" über das Thema der globalen Zuchtlachs-Industrie. Sehenswert!




Fotos: Wikipedia ; mab (oben)

Dienstag, 30. März 2010

Das alt-irische Alphabet: Verstehen Sie Ogham?

Ein kleiner Nachtrag zum Baum-Alphabet und zum Baumkalender, mit dessen Vorstellung wir gestern im Irland Blog begonnen haben: Das alt-irische Ogham-Alphabet (auch Ogam) besteht aus drei Gruppen von je fünf Konsonanten und einer Gruppe von fünf Vokalen. Insgesamt sind es 20 Buchstaben, jeder wird mit einem einfachen Zeichen aus einem vertikalen und mehreren (mehr oder weniger) horizontalen Strichen beschrieben. 


Die Zeichen findet man noch heute in einigen hundert Steinen in Irland eingraviert. Die Markierungen stammen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Die Wissenschaft diskutiert bis heute die heidnische Herkunft der Zeichen und die spätere Überlagerung mit frühen christlichen Umdeutungen. Den Zusammenhang zwischen Baumnamen und Ogham-Buchstaben schuf der Schriftsteller Robert Graves mit Deutungen der keltischen Mythologie im 20. Jahrhundert. Manche Anhänger von Graves sagen, der genialische Schriftsteller, der überwiegend auf Mallorca lebte, hätte sein Wissen aus tiefen, alten Quellen geschöpft oder "gechannelt".  


Die Entschlüsselung des Ogham- (oder Ogam-) Alphabets jedenfalls gelang anhand von Manuskripten aus dem 14. Jahrhundert, in denen Ogham und Latein parallel benutzt wurden. Bei Ogham handelt es sich streng genommen um kein eigenes Alphabet, zumal den Zeichen keine eigene Sprache zugrunde liegt. Bei den bekannten Ogham-Steininschriften, die vor allem aus den Counteis  Kerry und Cork stammen, handelt es vor allem um Namen in alt-irisch. Möglicherweise ist das Ogham-System eine Codierung des lateinischen Alphabets. Der Name Ogham stammt vom Namen des keltischen Gottes für Redekunst und Dichtung, Ogma.




Noch heute lernen die irischen Kinder in der Grundschule neben Englisch auch die irische Sprache und das alt-irische Alphabet ihrer Vorfahren. Das alte keltische Wort für „Eiche“ beispielsweise (Duir) und auch die Begriffe Derwydd oder Duirwydd (der Eichenseher) hängen mit dem Wort „Druide“ zusammen. Der Druide war der Priester, Seher und Heiler der Kelten.

Montag, 29. März 2010

Der Keltische Baumkalender :: 1 :: Der Monat der Weide

Erster Arbeitstag nach der Zeitumstellung, ein verregneter Tag, Land unter, genau richtig, sich einer Betrachtung des aktuellen Baumes des keltischen Baumkalenders zu widmen. Die Kelten, viel besungene und legendäre Vorfahren der Iren, die 600 Jahre vor Christus auf die Insel kamen, um dort rund 1000 Jahre lang den Ton anzugeben, gelten als ein Volk, das in Einklang mit der Natur lebte. Der Baum stand im Zentrum ihres Weltbilds. Aus dem Baum entwickelten sich die Ogham-Schrift und der keltische Kalender. So zumindest interpretierte es der "Erfinder" des keltischen Baumkalenders, der Schriftsteller Robert Graves, der im 20. Jahrhundert lebte. Graves förderte mit seinen Werken ganz maßgeblich den bis heute faszinierenden Kelten-Mythos.

Zwar gibt es bis heute leicht unterschiedliche Betrachtungen des keltischen Baumjahres, doch die Kardinalpunkte stimmen überein. Insider berufen sich oft auf den Autor von "Die weiße Göttin" , Robert Graves (1895 - 1985), dessen Nachfahren ganz in unserer Nähe in Ballylickey ein prächtiges Anwesen bewohnen. Der Literat der mit vollem Namen Robert von Ranke-Graves hieß, hat sich in diesem 1948 erschienenen Buch über "eine historische Grammatik poetischer Mythen" mit dem Thema des keltischen Baumalphabets Ogham intensiv auseinander gesetzt. Dieses Alphabet - je nach Quelle "Beth-Luis" oder "Beth-Luis-Fearn" genannt, besteht aus dreizehn Konsonanten, welche wiederum jeweils den dreizehn Mond-Monaten und auch dreizehn Bäumen und Sträuchern zugeordnet werden. Die Monate der einen Zählart erstrecken sich von Neumond zu Neumond und beginnen nach der Wintersonnenwende (längste Nacht des Jahres am 21. Dezember), bei der zweiten werden die Monate ab Samhain (die Nacht vom 31. Oktober zum 1. November) von Vollmond zu Vollmond gezählt.

Laut Robert Graves, der britisch-deutscher Herkunft war, wird der vierte Monat, vom 18. März bis zum 14.  April mit F für Fearn oder Fearnóg bezeichnet, das ist die Erle, Alnus glutinosa. Laut moderner Betrachtung des Autors des wunderbaren Buches "Irish Trees - Myth, Legends, & Folklore" Niall Mac Coitir gehört der aktuelle Monat vom 21. März bis zum 17. April jedoch der hier überall wuchernden Sal-Weide, Salix caprea. Ihr irischer Name lautet Saileach (englisch Sally) und sie gibt dem vierten Buchstaben des Ogham-Alphabets, dem "S" den Namen (Foto unten). Es gibt bis heute allerdings keine eindeutigen Beweise, dass die von Robert Graves vorgenommene Zuordnung der Ogham-Zeichen zu bestimmten Bäumen aus keltischer Zeit überliefert ist.


In der Tat halten unsere Erlen noch immer Winterschlaf, wohingegen die Weiden bereits das Bienenvolk beglücken. Iren, die einen Weidenzweig mit auf Reisen nehmen, werden laut altem Volksglauben vom Glück begleitet,  eine biegsame Weidenrute über dem Türrahmen soll zu einer schier unkontrollierten Fähigkeit und Freude am Tanzen führen.

Ein geschälter Weidenzweig um die Milchkanne gewickelt verhilft zubesserer Butter. Der alte walisische Brauch, Bestandteile der Weide gegen Schüttelfrost/Wechselfieber einzusetzen, kann heutzutage wissenschaftlich begründet werden, denn der Baum ist Lieferant des schmerzstillenden und fiebersenkenden Salicin, der Vorstufe zu Acetylsalicylsäure ("Aspirin").

Die Harfe, das Staat-Symbol Irlands, das auch auf den Euromünzen zu sehen ist, wird traditionell aus Weidenholz gefertigt; die stark biegsamen Weidentriebe werden seit Menschengedenken zum Flechten von Körben, zur Herstellung von kleinen Haushaltsgegenständen und sogar zum Anfertigen von ganzen Behausungen verwendet. Weidenzweige werden in der katholischen Kirche am Palmsonntag als Ersatz für Palmenwedel benutzt.

Wir werden Ihnen ab jetzt jeden Monat einen Baum und den dazu gehörigen Buchstaben aus dem Keltischen Baumkalender vorstellen. Unser Foto zeigt übrigens ein männliches Weidenkätzchen, vorgestern fotografiert, die reich beladenen Staubgefäße sind eine der ersten Nahrungsquellen für Bienen. Weidenkätzchen gehören demzufolge in diesen für die wichtigen Pflanzenbestäuber schweren Zeiten nicht in die Wohnzimmervase.

Earth Hour 2010: Auch Irland schaltete (einige) Lichter aus

 Die globale Umweltaktion "Earth Hour" findet langsam auch in Irland mehr Anhänger. Zum vierten Mal schalteten am Samstagabend um 20.30 Uhr Menschen weltweit für eine Stunde das Licht aus. Bis zu eine Milliarde Erdbewohner haben sich der symbolischen Aktion des World Wide Fund for Nature, WWF, angeschlossen, um auszudrücken, dass ihnen der Kampf gegen den Klimawandel ein Anliegen ist. 

In Irland schlossen sich erstmals mehrere Behörden und Schulen der Earth Hour an: So wurde die Beleuchtung des Rock of Cashel, des Trim Castle, des Parlaments, des Custom House in Dublin und zahlreicher anderer öffentlicher Gebäude ausgeschaltet. Dublins Docklands - ohnehin ein schwarzer Fleck im Land – blieben am Samstagabend komplett dunkel.

Die Aktion der globalen Umweltstiftung WWF wurde vor drei Jahren in Sydney ins Leben gerufen und findet seitdem Unterstützung rund um den Globus. Dass der einstündige Verzicht auf Licht weder dazu dient, das Gewissen der Teilnehmer zu beruhigen, noch nennenswert Energie zu sparen, will nur ewigen Zynikern nicht einleuchten. Earth Hour-Erfinder Andy Ridley hat den Sinn des Events, der Ende März 2011hoffentlich auch in Irland noch mehr Unterstützung findet, gut beschrieben:

"Earth Hour is absolutely symbolic ... symbolism is an important stage of dealing with a major problem, so I don't think we are ashamed to say that in any way". 

Earth Hour Ireland wurde von den "Friends of the Irish Environment" (FIE) organisiert. Die "Friends" wiesen bei ihren öffentlichen Auftritten gleichzeitig auf das Phänomen der Lichtverschmutzung hin. DIe künstliche Erhellung der Nacht hat vielfältige negative Auswirkungen auf lebende Organismen. Einige Hinweise, was "Light Pollution" bewirkt, erklärt dieses Dokument von FIE.

Sonntag, 28. März 2010

Kein Frieden auf fremden irischen Friedhöfen


Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen, die Pläne schmieden – und dank unserer Vorstellungskraft tun wir das sogar über den eigenen Tod hinaus. Erst stellen wir uns vor, wo wir unseren höchst geruhsamen Lebensabend gerne verbringen wollen, dann wollen wir möglichst auch noch ein nettes Plätzchen gesichert wissen, wo wir "die letzte Ruhe" finden.

Der eine möchte seine Asche auf dem Meer verstreut sehen, der andere sieht sein Gebeine am Rand des Krüger Nationalparks verrotten, die dritte findet Frieden im Wald unter einem Baum. Nur hartgesottene Materialisten weisen jede Vorstellung von der Existenz nach dem Tod weit von sich und zeigen sich gleichgültig, wenn es um den Verbleib ihrer sterblichen Reste geht.

 Die meisten Menschen wollen gerne "in der Nähe der Lieben", "im Kreis der Familie" und natürlich in der heimatlichen Erde begraben sein. Was immer "Heimat" im Zeitalter globaler Mobilität bedeutet: Vielen Menschen ist die Vorstellung ein Greuel, einst "in der Fremde"  begraben zu sein. Die Leute im irischen West Cork haben deshalb in diesen Tagen ein ganz emotionales Thema zu bewältigen: Viele Friedhöfe im Südwesten Irlands sind mittlerweile voll, es gibt fast keine Gräber mehr in Schull, Drimoleague, Castlehaven, Skibbereen oder Glengarriff. Nun hat das Cork County Council angekündigt, dass die Toten der nahen Zukunft tatsächlich einige Kilometer weiter, eben "in der Fremde" begraben werden müssen, fernab der eigenen Gemeinde, in fremdem Acker. Wo die Karos klein, die Stirn eng und der Horizont nah sind, machen bisweilen schon drei Kilometer den entscheidenden Unterschied zwischen "Meins" und "Seins".

Dass sie nun drei, fünf oder zehn Kilometer weiter, jenseits der eigenen Gemeindegrenzen ihre ewige Unruhe fristen sollen, ist eine grauenvolle Vorstellung für viele Land-Iren. Es regt sich deshalb Protest. Und die Älteren in den Dörfern stellen sich die Frage,  warum die Verwaltungsbehörde sich nun plötzlich um den Gräbervorrat auf den örtlichen Friedhöfen kümmert. Bislang war dies ein Thema, was zumeist gemeinde-intern und mit der üblichen irischen Improvisationskunst geregelt wurde. Wer einmal einen irischen Landfriedhof besucht hat, der weiß, wovon die Rede ist.

Der irische "Graveyard" hat wenig mit einem aufgeräumten und bis in den letzten Zentimeter durchgeplanten deutschen Friedhof zu tun - außer, dass auch er die Gebeine von Toten versammelt. Die Gräber wirken meist willkürlich gewählt und verteilt, neue Gräber werden auf alte gesetzt, meist liegen die Gebeine in mehreren Schichten – und die Vegetation deckt schnell ihren grünen Mantel über die Ruhestätten. Wer über den Friedhof spaziert - was in Irland übrigens als Freizeitbetätigung noch wenig bekannt ist – findet leicht einmal ein paar Wirbelsäulenknochen, eine Schädeldecke oder einen einsamen Unterkiefer. Und dennoch hat auch jeder irische Friedhof seine geheime innere Ordnung und übt auf Besucher aus dem Ausland eine ganz eigene Faszination aus.

Kein Frieden auf fremden Friedhöfen: Die Einheimischen in West Cork jedenfalls wollen sich nicht gefallen lassen, dass sie ihre Angehörigen künftig in Nachbars Scholle legen sollen. Mit interessanten Diskussionen darf gerechnet werden.

Samstag, 27. März 2010

Heute ist schreib-frei:
Warum ist Irland das Ziel der Sehnsucht?


Es ist in den vergangenen 50 Jahren viel darüber geschrieben worden, warum sich Menschen aus Deutschland aufmachen, um 2000 Kilometer entfernt, auf einer Insel im Atlantik, ein neues Kapitel in ihrem Leben zu beginnen. Warum sie die Zelte in der alten Heimat abbrechen und in Irland neu aufschlagen.

Regelmäßig erhalten wir Anfragen von Menschen, die ihren Traum vom "Auswandern" verwirklichen wollen, deren Sehnsuchtsort Irland ist, die aus Deutschland unbedingt weg wollen, und die am westlichen Rand Europas das bessere Leben wähnen. Der Wanderer muss gestehen: Er ist kein Experte für das Auswandern und kann keine Ratschläge für die Lebenslagen anderer geben. Statt dessen einige rein persönliche Anmerkungen.  

1. Auf der anderen Seite des Zauns ist das Gras immer grüner - zumindest solange man auf dieser Seite steht. Und wann tut man das nicht?

2. Wir sind nach Irland gezogen, weil wir es für eine gute Alternative hielten. Unsere Vermutung wurde und wird bestätigt. Wir haben uns nicht von Deutschland abgewandt. Deutschland ist eine Option wie die Vogesen und das Tessin. Wir leben als Europäer in einem anderen Teil Europas – und wir genießen es. Auswandern aber ist ein Begriff aus einer anderen Zeit, der dies nicht angemessen beschreibt.

3. Die Probleme, die ein Mensch in sich trägt, lösen sich nicht durch den Wechsel des Wohnorts in Wohlgefallen auf. Tomi Ungerer sagt in diesem Fall: "Don´t hope cope".

4. Wir wandern statt ein- und auszu-wandern.


Da der Wanderer heute eigentlich schreib-frei hat, will er die Frage an die Leserinnen und Leser weitergeben. Was macht Irland zum Ziel der Sehnsucht?


Im folgenden beschreibt Thomas, warum er von Irland nachhaltig fasziniert ist und warum ihm die Grüne Insel längst zur "inneren Heimat" geworden ist. Thomas lebt in Deutschland.


"Als täglicher und begeisterter Leser der Seite "Irland-Berichte vom Wanderer" , möchte ich mich allgemein mal zu Wort melden . Ich finde die Berichte toll, gut recherchiert, kurz und bündig, auf dem neuesten Stand. Auch viele Kommentare zu den einzelnen Themen sind gut, aber leider nicht alle.
Ich als "Irlandgeschädigter" habe leider noch nicht das Privileg, auf dieser Insel leben und arbeiten zu können. Mittlerweile kenne ich Irland besser als mein Heimatland, good old Germany. Das ist für einen Deutschen eigentlich frevelhaft! Ich habe aber langsam den persönlichen Eindruck , dass mir mein Vaterland,  in dem ich lebe und aufgewachsen bin, langsam immer unsympathischer, kälter, falscher und kleinkarierter wird.
 Privat kann ich nicht klagen. Guter Job , Top-Wohnung, Wunschauto und Urlaub. Wenn ich sehe, wie auf Arbeit und im privatem Bereich,selbst im Urlaub an allem "rumgenörgelt" wird (und das bei gutem Verdienst), wie der Neid beim Nachbarn wächst, entwickelt sich bei mir der Eindruck: "Das ist Klagen auf hohem Niveau" (obwohl ich eigentlich nicht klagen kann).
 Das ist eben Deutschland mit seiner "Piefke-"Mentalität. Immer erst auf Andere zeigen, den Berg vor meiner Haustür mach ich später weg. Jedes Land, jeder Mensch hat seine Probleme. Aber in Deutschland habe ich langsam den Eindruck , wir "nörgeln" lauter und der erhobene Zeigefinger, anderen gegenüber,  ist schnell erhoben.
Ich war bereits 9 mal in Irland, habe es wachsen sehen, ob gut oder schlecht . Aber die Menschen, die ich traf , die ihren "Celtic Tiger " (damals jedenfalls noch ) bewunderten , sehe ich heute noch. Der irische Lebensstandard musste weit mehr als aufholen gegenüber Westeuropa . In manchen Gegenden hat man als Besucher aber den Eindruck - überholen , an statt einzuholen - und ich glaube, das rächt sich jetzt . 
Aber alles in allem muß ich sagen, dass ich zu "meinem Irland" jederzeit zurückkehre, mich mit den Bewohnern unterhalte , ihre Mentalität genieße , die deutsche Stoppuhr ausschalte und mich der Landschaft, der Kultur einfach ergebe. Ich vermisse in Deutschland den freundlichen Gruß hinterm Lenkrad , den Plausch am Straßenrand und den total ungezwungenen Talk im Pub . Ich, für mich, habe jedenfalls meine "innere Heimat" gefunden. Besuche dieses Land, entdecke es, lass dich anstecken und du wirst die Stille hören . Slan agan und bis später, Thomas ."


Leserin Elke Auler meint dazu:
"Was macht dieses Irland mit seinen Besuchern, bzw. warum verfällt man dieser Sehnsucht?  Also abgesehen von mir, ist es so mit den Urlaubern: es gefällt ihnen im Urlaub, alles ist rosarot angehaucht, also möchten sie dieses Wohlfühlpaket für immer, sprich auch für den Alltag. So funktioniert es aber nicht, denn der Alltag hat sie schnell eingeholt mit allen Problemen die da vielleicht auch vorher schon waren. Man muss sich (oder besser gesagt, sollte sich) einen neuen Freundeskreis" erarbeiten", was nur gelingt, wenn man auf die Menschen zugeht, oder noch jung genug dazu ist.
Auch in Irland braucht man Geld um leben zu können. Die wenigsten bringen es mit - also arbeiten und weiß man schon wo und was?! Wo wohnt man, mieten oder kaufen? Beides sehr teuer! Sollte man den rigorosen Schritt erst im Rentenalter tun, sind die Probleme schon vorprogrammiert. Wie ich von Freunden und Bekannten erfahren habe, kommen dann die Sehnsucht nach der Familie und den alten Freunden, die ja in Deutschland zurückgeblieben sind. Die versprochenen Besuche werden mit der Zeit immer dürftiger, der Kontakt mit dem alten Daheim schläft immer mehr ein. 
Dann kommt die Zeit, da vielleicht ein Ehepartner verstirbt und man ist plötzlich alleine. Irgendwann muss man eventuell ins Altersheim, mit fortgeschrittener Demenz fehlen plötzlich die Englischkenntnisse, die man vielleicht nur dürftig hatte oder man vergisst sie. Das ist nun keine Schwarzmalerei, sondern einfach Tatsachen, die man bedenken muss und auch genauso leider schon geschehen sind.
Nachdem wir aus Irland zurückgekommen waren, wohnten wir für einige Jahre in Berchtesgaden. Dort kamen wir mit einer alten Dame ins Gespräch, die immer Urlaub mit ihrem Mann in Berchtesgaden machte. Beide hatten beschlossen, nach der Pensionierung ihren Wohnsitz dorthin zu verlegen und es kamen genau die Probleme - wie Sehnsucht nach den Kindern und Enkelkindern. Die Situation verschlimmerte sich nach dem Tod des Mannes derart, dass die Dame mit Depressionen zu kämpfen hatte. Sie hatte auch keinen Führerschein und saß nun abgeschnitten in der "Einöde", denn sie wollten ja eine ganz ruhige Wohnung haben.
Leider haben wir die Dame nie wieder getroffen, sie wird wohl Bayern Richtung Heimat verlassen haben,nehme ich an. Also, wie ich schon neulich sagte, jedes Ding hat seine 2 Seiten, aber diesmal ist es leider die deutsche, nicht die irische Version, die ja eine viel positivere Aussage hat. Deshalb sollte man mit der Erfüllung seiner Sehnsüchte vorsichtig umgehen! Ich hatte ja auch schon beschrieben, dass selbst ich mit meiner starken Bindung zu Irland nicht IMMER in Irland sein möchte (zumindest heute nicht mehr) und ich habe immerhin in Irland gelebt und gearbeitet.
Ich brauche zwischendurch auch mal mein Deutschland, in dem ich in der Stadt einen Einkaufbummel machen kann - wo mich allerdings nach nicht allzu langer Zeit die vielen Menschen nerven!! Ich brauche meinen Quark (den man notfalls mit guter irischer Frischmilch selber machen kann), Matjesheringe, deutsches Brot. - Alles nicht unbedingt LEBENSNOTWENDIG, aber...! Allerdings möchte ich die meisten Monate des Jahres lieber irische Luft atmen, nur mal wieder eine Stipvisite während des Winters in Deutschland machen. Vielleicht würde mir auch ein Besuch alle 2 Jahre reichen! So ist es nur leider nicht gekommen, nur das Heimweh und MEINE Sehnsucht nach Irland.
Hätten wir damals geahnt, dass Irland goldenen Zeiten entgegen geht, wären wir geblieben. Allerdings hätte mein Mann nicht in seinem Beruf arbeiten können, er war Werkzeugmacher-Meister und die dazu nötige Industrie war damals nur sehr, sehr spärlich vorhanden. Hätte mein Mann aber auch die gute medizinsiche Versorgung wie in Deutschland gehabt, als er 1998 so schwer erkrankte? Aber so wie es gekommen ist, das ist eben Leben - unser Leben! Und ich will zufrieden sein, wenn ich Irland besuchen kann, solange es noch möglich ist. Ich bin dann froh, dass es in Irland nicht diese vielen Menschen gibt wie in Deutschland und ich die Weite und Ruhe irischer Strände und Landschaften genießen kann.
Wenn Björn das lesen würde müsste ich mich für mein Verständnis von "Weite" bei ihm entschuldigen. Denn was ist schon Irland im Vergleich mit Patagonien und der Wüste!!! Aber in die Wüste möchte ich nie im Leben: tagsüber zu heiß und in der Nacht zu kalt - da lob ich mir doch den irischen Regen! Übrigens, in Irland regnet es nur immer zwischen den Schauern, sonst nie!! In diesem Sinne, ein warmer Frühlingsregen ist doch schön! Elke"

PS: Das heutige Irland-Photo stammt von Thomas. 

Freitag, 26. März 2010

Der irische Frühling hat 40 Tage Verspätung

40 Tage hat sich der Vegetationszyklus in Irland in diesem Jahr nach einem harten langen Winter verspätet. Gegenüber einem klimatisch "normalen"  Jahr haben sich Pflanzen-Wachstum und Blüte laut MET Eireann um eine komplette Fastenzeit in Richtung März verschoben. Das ist so beachtlich wie  folgenlos: Die Natur wird den Rückstand im Lauf der kommenden Wochen einholen.

Immerhin blühen nun die ersten Schwarzdörner am Straßenrand: Der stachelige Schwarzdorn-Busch (Foto) mit dem schwarzen Holz entwickelt zahlreiche kleine weiße Blüten noch bevor die Blätter erscheinen. Im Herbst reifen dann kleine blaue Beeren an den Zweigen, die Schlehen ("Sloe"). Auch wenn der irische Frühling 2010 spät dran ist - Rückkehrer vom Kontinent sind dennoch erstaunt, wie weit er im Vergleich zum noch sehr verhaltenen deutschen Frühling fortgeschritten ist. Alles ist eben relativ.

Earth Hour 2010: Am Samstag heißt es wieder "Licht aus weltweit"

Wer denkt dran? Am Samstag (27.März) ist wieder Earth Hour. Weltweit. Auch in Irland.

Zwischen 20.30 Uhr und 21.30 Uhr Ortszeit gehen weltweit die Lichter aus. Auch in Irland. Zumindest stellenweise. Menschen werden global die  Dunkelheit symbolisch sprechen lassen. Was vor drei Jahren als lokale Aktion vom WWF in Australien ins Leben gerufen wurde, um gegen die globale Erwärmung und unsen gedankenlosen Umgang mit Energiereserven aufmerksam zu machen, ist längst zu einer weltweiten Kampagne angewachsen, die auch von den Vereinten Nationen unterstützt wird. Im vergangenen Jahr machten mehrere 100 Millionen Menschen, Firmen und Institutionen weltweit mit.

An diesem Samstag, so hoffen die Initiatoren vom WWF, sollen sich eine Milliarde Menschen an der symbolischen licht-freien Stunde beteiligen: Die Aktion steht unter dem Motto "Vote Earth" . Von ihr soll abermals ein mächtiges Signal an die politischen Führer ausgehen. Die  Botschaft des Votums mit dem Lichtschalter soll sein, den Klimawandel und die Erderwärmung mit allen Mitteln zu  bekämpfen. Aber auch, dass wir alle uns für die Zukunft unseres blauen Planeten verantwortlich erklären.



Wer wo in großem Stil mitmacht und das Licht symbolisch ausschaltet, werden die Satellitenbilder zeigen. In manchen irischen Gemeinden ist mit "Business as usual" , also "Hell wie immer" zu rechnen. Dort löste die Earth Hour bislang nur das übliche Krisengeschwafel aus: Man könne doch nicht einfach das Licht ausschalten, eine Sicherheitslücke schaffen und schadensersatz-geiernde Mitbürger auffordern, massenweise umzufallen um dann die Gerichte zu bemühen. "No insurance" – "Wir sind nicht versichert": Das ist das Standard-Totschlagargument auf der Insel, um etwas Neues, Anderes, Ungewünschtes im Keim zu ersticken. Das hat sich zum Vorjahr leider wenig geändert. So wird denn in manchen irischen Gemeinden die Weltrettung aus Sicherheitsgründen erst einmal ausfallen. 
Kritiker der Earth Hour haben wohl recht, dass mit dem einstündigen symbolischen Ausknipsen der Lampen noch nichts erreicht werde außer der Beruhigung des Gewissens - aber: Wer erst einmal im Dunkeln sitzt und mitmacht, beschäftigt sich vielleicht dann doch gedanklich etwas eingehender mit dem Thema "Energie und Sparen". Für mehr Information zur Earth Hour bitte das folgende Banner anklicken, oder hier nachlesen.

Donnerstag, 25. März 2010

Neues aus dem Irlandforum . . .

Jamiri, Haus-Cartoonist des SPIEGEL, muss unter dem Namen "Irlin Soderbabe" im Irlandforum unterwegs gewesen sein. Seine gezeichnete Selbstbezichtigung "Nennt mich T(r)oll" beschreibt einen bestimmten Typus des Forums-Bewohners auf köstlichste Weise. Trollig. Hier geht´s zum Jamiri-Web-Comic.

Ist der "unzüchtige" Bischof Casey am Ende doch ein Held der Befreiung?

So viel darf man knapp eine Woche danach schon sagen: Der Hirtenbrief des Papstes an die Iren hat zur Befriedung der gedemüdigten Schafe nicht viel beitragen können. Das Thema "Klerikale Pädophilie" wird die politische Agenda auf der Insel noch lange beherrschen (und auch dem alle Verantwortung von sich weisenden Herrn Ratzinger noch viel Ärger bescheren).

In diesen Tagen dachte der Wanderer unter dem Eindruck der wütenden Missbrauchs-Debatte immer wieder einmal an den Sommer 1992 zurück: In jenem fabelhaften irischen Sommer erschütterte ein Riesenskandal die Insel – ein Skandal, der in der Rückschau den Anfang vom Ende der uneingeschränkten Macht der katholischen Kirche markiert. Im Sommer 1992 wurde bekannt, dass der beliebte Bischof von Galway, Eamon Casey, seit den frühen 70er Jahren ein Verhältnis und einen Sohn mit einer geschiedenenen Amerikanerin hatte. Bis in die 90er Jahre hinein predigte der  eigentlich liberale Geistliche Wasser und trank heimlich seinen süßen Wein. Sohn Peter hatte bereits 1974 das Licht der Welt erblickt.

Irland wurde in jenem Sommer in seinen Grundfesten erschüttert. Die einfachen Leute, denen die Katholische Kirche so lange und kompromisslos bedeutet hatte, wie sie zu leben hatten, was richtig und was falsch war, verstanden tatsächlich die Welt nicht mehr, viele fielen buchstäblich vom Glauben ab. Der diskreditierte Bischof Casey, der sich immerhin im Jahr 1984 aus politischen Gründen mutig geweigert hatte, den amerikanischen Präsidenten Ronald Regan auf Heimatbesuch in Irland zu empfangen, hatte eine Lawine losgetreten, die seitdem die Machtbastion der katholischen Kirche in Irland mehr und mehr unter sich begräbt.

Heute, fast 18 Jahre nach Bekanntwerden des ersten großen irischen Katholiken-Sex-Skandals, erinnern sich manche Iren angesichts der widerwärtigen pädophilen Vergehen von Priestern fast wehmütig der "Untaten" des Bischofs Casey. Dass die amerikanische Ex-Partnerin Casey damals mit einem Enthüllungsbuch ungehindert der Öffentlichkeit zum Fraß vorwerfen konnte, erweckte bald einen äußert zwiespältigen Eindruck: Die homo- und pädophilen Aktivitäten katholischer Priester verdienten offensichtlich zuverlässig den diskreten Schutz des Jahrtausende alten Herrenclubs, ein sexuelles Verhältnis mit einer Frau konnte aber ganz schnell zum Stolperstein für allzu progressive Hirten werden. Man hatte und hat eben seine Prioritäten.

Bischof Eamon Casey aber, der nach Fron- und Wanderjahren in Südamerika und England nun seinen Lebensabend in der alten Heimat Irland verbringt, könnte irgendwann doch noch als "Held der Befreiung" in die irische Geschichte eingehen: Lange sah es so aus, als verkörpere der Priester aus Kerry nur auf besonders prominente Weise die abstoßende klerikale Doppelmoral.  Vielleicht aber wird die Causa Casey in einigen Jahrzehnten auch anders interpretiert: als ersten spektakulären Schritt zur allmählichen Abschaffung des Zölibats in Irland und als Beginn der Aussöhnung der katholischen Kirche mit der menschlichen Sexualität (Träumen zumindest sollte erlaubt sein).

Mittwoch, 24. März 2010

Wanderer müssen draußen bleiben

Wanderer, kommst Du nach Malle – halt ein und kehre um: Auf Mallorca, der Lieblingsinsel der Deutschen spitzt sich der Konflikt zwischen Wandersleuten und Grundbesitzern bedrohlich zu. Vielerorts, so steht es heute in SPIEGEL online, sind alte Wander- und Spazierwege auf der Baleareninsel nun abgesperrt. Wanderer finden die Aufstiege in die Tramuntana verbarrikadiert und verriegelt, alte Wegerechte außer kraft gesetzt:


"Und plötzlich ist da ein gitterversperrtes Tor. Rechts davon ein Zaun, links eine massive Mauer, darauf ebenfalls einen Zaun, zum Teil bewehrt mit Stacheldraht. Hier geht es nicht weiter."


Der spanische Konflikt zwischen Freizeitlern und Landbesitzern, zwischen Privateigentum und Gemeingut, erinnert ein wenig an irische Verhältnisse,  wo die Wegerechte für Wanderer vielerorts ebenfalls ungeklärt sind. Die Massivität der balearischen Absperrungen allerdings deutet auf große Entschlossenheit, die irische Variante des "No Go" kommt in der Regel gelassener daher: als mit Plastikschnur zugebundenes Feld-Tor, als geduldiges Schild, als tiefe, schwer umgehbare Pfütze, als bedrohlich wirkende Kuhherde.


Eamon O Cuiv jedenfalls, der Minister, der die Lösung der irischen Wegerechtsproblematik im vergangenen Jahr leidenschaftlich versprochen hatte, darf als endgültig gescheitert gelten: Im Rahmen der gestrigen Kabinettumbildung wechselte er an die Spitze des Sozialministeriums, das nun "Ministerium für Sozialen Schutz" heißt. Das Thema Zugang der Wanderwege und Öffnung der Landschaft für die Öffentlichkeit hinterlässt O Cuiv seinem Nachfolger Pat Carey.


Mehr Informationen zum Thema gibt es hier:
Tipps zum Wandern in Irland (9):Über Zäune klettern und politisch werden!

Dienstag, 23. März 2010

Das ist Irland: Cork-Fähre, Bummelstreik, Fischer kämpfen für die Dunmanus Bay.


Wir berichteten darüber. Wie ging es dann aber weiter mit . . .

. . . der Swansea-Cork Fähre:  Wir haben über den Fehlstart und die Verzögerungen der Autofähre Julia durch den Süd-Kanal zwischen Wales und Süd-Irland berichtet. Inzwischen scheinen die technischen Mängel behoben und die anderen Probleme fürs Erste geregelt. Die Julia segelt nun dreimal die Woche von Swansea auf die Grüne Insel und dreimal zurück. Nach Firmenangaben ist die Freude über die gute Buchungslage groß. Auch die vielen Anteilseigner der Volks-Fähre in West Cork, die die Rückkehr des Services nach drei Jahren Pause mit einer Einlage erst möglich gemacht haben, freuen sich.

. . . dem "Dienst nach Vorschrift" in irischen Behörden: Die Lage hat sich weiter verschärft. Gestern sah man vor dem Passamt in Dublin eine etwa 100 Meter lange Schlange aus ungehaltenen und empörten Menschen. Im zentralen Passamt des Landes wird "Work to Rule", Dienst nach Vorschrift, geschoben, um gegen die Gehaltskürzungen und Steuermehrbelastungen der vergangenen Monate zu protestieren. Zigtausende Passanträge ruhen sanft und unbearbeitet in der Behörde. Viele Iren können ihren Osteraufenthalt im Ausland mangels Pass nun vergessen. Der aufgeblähte und überbezahlte öffentliche Dienst spaltet das Land mittlerweile. Wer im sicheren Boot des "Public Service" sitzt, hat natürlich Verständnis für die Bummelstreiks, wer die Beamten mit seinen Steuerzahlungen aber finanzieren muss, hat Grund zum Schimpfen. Nun wollen sogar die Polizisten des Landes Dienst nach Vorschrift machen und sich unter anderem weigern, die eigenen Kameras, Laptops und Mobiltelefone bei der Arbeit einzusetzen.

. . . der gescheiterten Regierung des Landes: Die erschöpfte Regierung des irischen Ministerpräsidenten Brian Cowen versucht sich mit einem Austausch besonders erfolgloser Minister über die 12. Runde im Ring zu retten. Es herrscht Endzeitstimmung bei Fianna Fail, der Partei der ewig Regierenden. Heute wird Taoiseach Cowen die Regierungsumbildung im Parlament bekannt geben. Fine Gael Oppositionsführer Enda Kenny spricht derweil schon beständig von sich als künftigem Regierungschef – und kündigte für den Fall der Fälle eine tiefgreifende Reform des politischen Systems Irlands an. Unter anderem soll endlich der Senat abgeschafft werden. Die Honoratiorenkammer des irischen Parlamants gilt als Versorgungsstation für "verdiente" Politicos mit begrenzten Befugnissen.

. . .  der idyllischen Dunmanus Bay: Der Widerstand gegen die Pläne, die Dunmanus Bay im Südwesten der Insel mit einer über 300.000 Quadratmeter großen Lachszuchtanlage zugrunde zu richten, hat sich formiert: Die 29 Fischer, die ihren Lebensunterhalt bis heute mit dem Fischfang in der weitgehend ursprünglichen Bucht zwischen dem Mizen Head und dem Sheeps Head verdienen, haben energisch gegen das Vorhaben von Silverking Seafoods, einer Firma des norwegischen Marine Harvest Fischer-imperiums protestiert. Ihren Standpunkt machen die Fischer auch schriftlich klar: "In unserer Bucht hat es nie eine Lachszucht gegeben, und wenn es nach uns geht, wird es auch niemals eine geben".

Der Gegner ist allerdings ein schwerer und großer. 80 Bürger der Bucht, die sich in Kilcrohane versammelten, um eine Petition gegen das Projekt zu verabschieden, bemühten für das norwegische Fischerunternehmen sogar den historischen Vergleich mit der Invasion Irlands durch die Wikinger vor 1200 Jahren. Die "Norsemen", wie sie hier heißen, müssen sich also in Acht nehmen – gerade weil von einem Kampf "David gegen Goliath" die Rede ist. Wir wissen wie dieser Kampf endete. Mehr Informationen veröffentlicht die Initiative zur Rettung der Dunmanus Bay nun regelmäßig auf ihrer kampfeslustigen Website: "SAVE DUNMANUS BAY".

Montag, 22. März 2010

Ein Knigge für irische Strände – na und?

Ja ist denn schon Sommer? Hat die Strand- und Picknickzeit schon begonnen? Während oben in den Bergen der letzte Schnee schmolz, traf der Wanderer im Sand von Derrymore Beach bei Tralee kürzlich die ersten Steak bratenden Sonnenanbeter – dick eingemummelt, samt Babies und Lumpis. Es sollte sich herausstellen, dass die wenig irisch anmutende Strandsause von einer Gruppe polnischer Freunde veranstaltet wurde. Wenig irisch? Klar doch. Ein Ire zieht beim ersten Sonnenstrahl und Temperaturen über 5 Grad plus ein kurzärmliges Hemd an, um aller Welt zu zeigen, wie warm es ist.

Beim Anblick der Strandidylle fragte sich der Wanderer, ob die irische Strandpolizei eine solche Demonstration der Lebensfreude künftig überhaupt noch dulden kann. Das Cork County Council zumindest hat für die Strände des Südwestens gerade einen ober-ernsten Gesetzesentwurf vorgelegt: Die "Beach Bye-Laws" beschwören in einer regulatorischen Dichte, wie wir sie bislang nur für schwäbische Kehrwochen kennen, das richtige Verhalten des guten Bürgers am Strand.

Die Strandgesetze regeln genau, was Lumpi, Fury, der Land Cruiser und alle ihre Besitzer nun an den Stränden nicht mehr tun dürfen. Demnach ist Schluss mit Bogenschießen, Golfen, sogar lautem Ballspielen am Strand, Schluss mit Joggen und Lieben in den Dünen. Selbst das äußerst beliebte "Entsorgen" von Müll am Strand kann nun teuer werden. 75 bis 1500 Euro soll Fehlverhalten an Corks Stränden künftig wert sein.


Während Corks schwäbische Strandgesetze in diesen Tagen die letzte Hürde im County-Parlament nehmen müssen, rechnet der Wanderer schon einmal hoch, wieviele Strandsünder die Behörden in den kommenden fünf Jahren wohl dingfest machen werden: Keinen, gar keinen, oder einen Exemplarischen vielleicht? Das Papier, auf das derlei Gesetze in Irland gedruckt werden, ist nämlich besonders geduldig, und meist fehlt der politische Wille, die Einhaltung der formulierten Regeln auch zu kontrollieren. Die bestehenden Gesetze zum Schutz des Wassers und der Küste vor Umweltverschmutzern sind beispielsweise klar und eindeutig. Wer allerdings einmal am Strand entlang spaziert . . . Doch das ist ein anderes Thema.

PS: Heute ist Internationaler Tag des Wassers. Statistisch ist in Irland jeder dritte Liter Trinkwasser für den Konsum nicht geeignet. Gesetze?

Sonntag, 21. März 2010

Irland – das Land der Schafe


Irland Land der Schafe. Etwa 8 Millionen Schafe grasen, wenn alle Lämmer geboren sind, auf der Grünen Insel –  deutlich mehr, als Menschen hier leben. Das alte Klischee "Irland gleich Schafland" stimmt; zumindest, wenn man akzeptiert, dass in Großbritannien, in Spanien, in der Türkei oder in Rumänien mehr Schafe leben (und jährlich von Schlachterhand sterben).

Und wenn man weiß, dass die Zahlen sinken: Die große Zeit der Schafhaltung in Irland waren die 80er und frühen 90er Jahre – mit gewaltigen Schäden für die Umwelt durch Überweidung. Seitdem geht die Zahl der Mutterschafe und der überwiegend nebenberuflich tätigen Schaf-Farmer beständig zurück. Immer größere Teile des grünen Schaflandes Irland wachsen mittlerweile mit Ginster, Farn und Gagelstrauch zu.

Und dennoch: Irland ist ein Land der Schafe. Allerdings erwecken die Souvenirshops mit ihren Bergen von Schaffellen einen falschen Eindruck: Nur das Fleisch der Tiere ist heute wirtschaftlich noch interessant. Vor allem das irische Lammfleisch wird zu 70 Prozent in andere Länder ausgeführt. Die Schafwolle erzielt im Zeitalter der Kunstfaser allzu mickrige Erlöse, schon die Kosten für das Scheren der Tiere sind höher. Der Schaf-Friseur kann deshalb oft nur noch mittels Subventionen bezahlt werden, und viele Schafe werden ihren Pelz nicht mehr regelmäßig los.

Weil die Lämmer in Irland durch extensive Beweidung von Grasland kostengünstig aufgezogen werden können und das Zufüttern von teurem Spezialfutter weitgehend vermieden werden kann, hat die Schafzucht auf der Insel trotz aller Probleme ganz gute Zukunftsperspektiven. Wünschenswert wäre, die grasenden Vierbeiner noch gezielter als Landschaftsgärtner zu nutzen, Subentionen an das Offenhalten der Landschaft zu koppeln und großflächig ein gesundes Gleichgewicht zwischen Überweidung (mit dem Effekt der Verkarstung) und Aufgabe von Farmland zu finden.

Unser Foto entstand am Connor Pass, Dingle, County Kerry.

Samstag, 20. März 2010

Da staunt Irland: Soo billig ist Laidl


Was haben die Deutschen vor 15 und 20 Jahren gestaunt, als die Aldis, Lidls und Tchibos sich mit Preisen knapp über den Einstandskosten Stück um Stück des Einzelhandelskuchens einverleibten. Der ruinöse Martkanteils-Kampf der Discounter ist mittlerweile Geschichte, die Leute haben sich an die Leimspur-Strategie der Billigheimer längst gewöhnt.


In Irland darf derweil noch gestaunt werden. In dem kleinen Inselmarkt, der die örtlichen Einzelhandelsmonopole bis vor kurzem bedingungslos vor Konkurrenz schützte, spielen gerade die deutschen "Eindringlinge" Lidl und Aldi eine wichtige Rolle. Mit einem generell um zehn bis 20 Prozent niedrigeren Preisniveau als die Platzhirsche aus Irland und Großbritannien haben sie sich im Lauf der vergangenen zehn Jahre gegen manche ideologischen und geschmacklichen Vorbehalte durchgesetzt und Marktanteile gewonnen – und sie lassen die Irinnen und Iren gerade in Zeiten, wo der Geldbeutel leerer ist als früher, richtig staunen. Vor einiger Zeit war es der Herren-Businessanzug von Lidl für 29,90 Euro, der für das Tagesgespräch sorgte und es bis in die Spalten der "Qualitätszeitungen" schaffte. 


Jetzt schlägt Lidl (Der Ire sagt "Laidl" oder "Liddl") erneut gnadenlos die Publicity-Pauke: Der Discounter verkauft erstmals "Hotel Breaks". Hotelübernachtungen in zahlreichen Drei- bis Fünfsterne-Hotels der Insel gehen in einer befristeten Aktion bis zum 30. April für 49 Euro über den Counter - inklusive Mahlzeiten. Da staunt die Insel, und das Image der Blau-Gelben als Rezessions-Marke und "billigster Supermarkt Irlands" wird weiter gestärkt. 



Viele Iren lieben es, sich einfach mal für zwei, drei Tage aus dem Alltag auszuklinken und in einem Hotel irgendwo anders auszuspannen. Eine Nacht im Doppelzimmer im Carlton Hotel in Kinsale (Fotos) oder Kildare kostet 49 Euro – Frühstück und ein Zwei-Gänge-Menü inklusive. Die in der Vorsaison ohnedies schlecht belegten Hotel minimieren so zumindest ihre Tages-Verluste – und wenn die Gäste dann noch eine dritte Mahlzeit, einen Saunagang oder einige Pints konumieren, dann lohnt es sich sogar für die Partner. Dass Lidl und Partner ungenutzte Restposten absetzen und dafür viel Aufmerksamkeit einheimsen, wird niemanden stören.

Zwölfeinhalb Dinge, die wir in Irland lieben

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
»Mensch Wanderer, wo bleibt das Positive?«
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.
Sehr frei nach unserem Haus-Heiligen Erich Kästner


Die Briefe sind heute E-Mails oder Blog-Kommentare – und auch wenn der Teufel das Positive scheuen mag wie das Weihwasser: Wir wissen es auch nach zehn Jahren Irland. Alle paar Monate wird der Wanderer aufgeschreckt von besorgten Irland-Enthusiasten, Irland-Träumern, Irland-Eskapisten, Irland-Fans oder Irland-Freunden: Wo bleibt das Positive? Gerade heute morgen schreibt Petra:

Ich glaube, ich lese bei euch lieber nicht mehr mit. Ihr schafft es noch, mir die seit Jahrzehnten angestaute Vorfreude auf meinen ersten Irlandbesuch zu verhageln... ;o)

Dieser Weckruf aus der lähmenden Rezessions-Depression :-)) des Irland-Residenten veranlasste mich sofort, meine guten Gründe für Irland einer Revision zu unterziehen. Für alle, die die Grüne Insel im Herzen tragen wie wir, unsere zwölfeinhalb Dinge, die wir in Irland lieben:

1. Das Wetter: Es schützt dieses Land vor allerlei – vor allem aber vor mittelmeerischem Massentourismus.

2. Das Vorurteil über das Wetter: Die Wirklichkeit ist immer besser als der Ruf.

3. Die Natur: Die Schönheit der Berge, des Meeres, der Wiesen und Wälder.

4. Die Weite der Landschaft: Der Raum, dieses unglaubliche Privileg, viel Bewegungsfreiheit zu haben.

4.1. Die Stille - Man kann sie hören, die Stille, diese völlige Abwesenheit von Zivilisationslärm.  

5. Seafood Chowder: Die Fischsuppe ist fast überall in Irland gut genießbar. Im Gegensatz zu manch anderen landestypisch zubereiteten Gerichten.

6. Die behütete Sphäre, in der Kinder aufwachsen können (sofern sie sich von Kirchen fernhalten . . .)

7. Die beste Luft Europas, die jederzeit frisch vom Atlantik geliefert wird. Kein Sommer-Smog, kein Winter-Smog.

8. Das Wesen der Iren: Das Prinzip "Leben und leben lassen" und ihr bisweilen pragmatischer Anarchismus.

9. Die Sammelwut der Engländer: Sie hat uns die herrlichen Landschaftsgärten mit Pflanzen aus aller Welt direkt vor der Haustür beschert.

10. Die Farben des Landes: Die Farben des Meeres, des Himmels, der Häuser, der Wiesen, der Pflanzen. Farbigkeit abseits der betonfarbenen Menschenfelsen.

11. Die Offenheit der Zukunft Irlands: Nach dem Irrweg des Celtic Tigers sortiert das Land seine Optionen. Vieles scheint möglich.

12. Die Geschichten aus dem alten Irland: Das Irland, das Heinrich Böll einst  beschwor und das Hugo Hamilton 50 Jahre später einer Revision unterzog, lebt in alten Geschichten, in Nischen und Liedern fort.

Wie sieht es bei Euch aus? Ergänzungen und Erweiterungen sind ausdrücklich erwünscht!

Photo: Peter Zoeller. www.peterzoeller-photo.com

Freitag, 19. März 2010

Dienst nach Vorschrift in irischen Amtsstuben – Stillstand regiert.

Es war schon immer etwas Besonderes, von einer Behörde in Irland eine schnelle Antwort zu bekommen. Wer in die Verlegenheit geriet, die Baubehörde oder das Kindergeldamt anrufen zu müssen, war traditionell auf dem richtigen Weg, wenn er sich für das Projekt einen halben Tag frei nahm.

Jetzt aber will der ebenso aufgeblähte wie ineffiziente öffentliche Dienst des Landes beweisen, dass alles noch schlimmer geht. In vielen Amtsstuben wird angesichts der anhaltenden Tarifkonflikte mittlerweile "Dienst nach Vorschrift" geschoben. "Work to Rule" ist ein Verfahren, sich peinlich genau an die Dienstvorschriften zu halten und keinen Deut mehr (als verlangt) zu erledigen. Während man sich fragen kann, ob das nicht der Normalität definierende Maßstab in Irlands Behörden ist, treibt die öffentlich-dienstliche Quälerei immer neue bunte Blüten: Die Sprechzeiten werden noch mehr eingeschränkt, die Erreichbarkeit einzelner Abteilungen sinkt gegen Null.

Selbst die politische Kaste des Landes beginnt sich nun über den Staatsapparat zu beklagen. Parlamentarier im County Cork beispielsweise haben seit kurzem keinen direkten Zugang mehr zu den Behörden. Es ist Ihnen auch nicht erlaubt, eine Fachabteilung des County Councils zu besuchen oder anzurufen, um dringende Angelegenheiten für die Bürger zu regeln. Alle Eingaben müssen nun schriftlich per E-Mail erfolgen, und auf eine Antwort darf allenfalls gehofft werden.

Ein mehr als frustrierter County Councillor klagte gestern dem Wanderer: "Dieses Land ist total zum Stillstand gekommen. Hier geht nichts mehr. Es ist alarmierend". Auf die Frage, wer das zu verantworten habe, die knappe Antwort: "Die Regierung natürlich". Warum übernimmt die Opposition dann nicht endlich, will der Wanderer wissen und erfährt aus berufenem Politikermund die nackte Wahrheit: "Wer will schon diesen Sauladen übernehmen?"

Die Politikerkaste auf der Grünen Insel scheint ausgedient zu haben.  

Donnerstag, 18. März 2010

100 Jahre

Garinish Island: Die Geschichte einer Insel, einer Frau und eines irischen Farmers

Geschichtsschreibung ist immer ein Abbild der herrschenden Verhältnisse, das offizielle Geschichtsbild das Ergebnis der vorherrschenden Deutung.


Garinish Island, die weltberühmte Garteninsel in der Bucht von Glengarriff in Irlands Südwesten, feiert in diesem Jahr den 100. Geburtstag. Im Jahr 1910 kaufte John Annan Bryce, ein wohlhabender schottischer Geschäftsmann, das 15 Hektar große Inselchen, das nur ein paar Steinwürfe von Glengarriff entfernt liegt. Eineinhalb Jahrzehnte vor der Unabhängigkeit Irlands hatten der in Belfast geborene Brite Bryce und seine Frau Violet L' Estrange große Pläne für Garinish. Sie begannen, einen großen repräsentativen italienischen Garten anzulegen, die Konstruktionszeichnungen für ein herrschaftliches Wohnhaus waren fertig: Da ging den Bryces nach dem 1. Weltkrieg das Geld aus. Annan hatte sich in Russland verspekuliert. 


Das Wohnhaus wurde nie gebaut, der mehrteilige Garten mit Gebäuden, Casita und Glockenturm, präsentiert sich heute als prächtige Parklandschaft. Heute besuchen bis zu 80.000 Menschen im Jahr die Garteninsel, um die Bäume, Sträucher und Blütenpflanzen aus aller Welt zu bewundern. Bryce-Sohn Roland, ein Junggeselle, hatte die Insel im Jahr 1953 dem irischen Staat vermacht, Vater Annan war bereits 1923 gestorben. Die offizielle Geschichte von Garinish Island jedenfalls errichtet John Annan Bryce und seinen genialen Gartenarchitekten Harold Peto ein Denkmal. Wenig Aufmerksamkeit in der bis heute patriarchalischen Welt im ländlichen Irland gibt es bislang für Frau Violet Bryce (unser Foto).

Violet übernahm die Insel nach dem Tod ihres Mannes, sie war wohl auch die treibende Kraft für den Kauf gewesen. Violet galt als moderate Frauenrechtlerin und war eine Fürsprecherin der republikanischen Sache für eine selbstbestimmtes Irland. Sie wurde wegen ihrer Ansichten sogar von der britischen Polizei verhaftet und machte zweifellos nicht immer das, was ihrem Gemahl politisch opportun erschien. In der von Männern formulierten Ortsgeschichte hatte eine Frau dieses Kalibers jedenfalls wenig zu suchen.




Der 100. Geburtstag von Garinish Island könnte deshalb ein guter Anlass sein, die Rolle der Violet Bryce in der Geschichte der Insel und Gegend von Glengarriff, gebührend zu würdigen. Ja, es gab sie, die Frauen, die in der Geschichte Irlands eine wichtige Rolle gespielt haben, allerdings fanden sie bis heute wenig Erwähnung und keine gebührende Würdigung: von der irischen Piraten-Königin Grace O'Malley (1530-1603), die wohl auf eigene Weise bis hin zum Musical gefeiert wird, zur Botanikerin Ellen Hutchins (1785-1815) bis zur Revolutionärin Baronesse Constance Markievicz (1868-1927).


In einer Zeit, da sich Irland längst auf den Weg in eine egalitäre und offene Gesellschaft gemacht hat, bietet das nur auf den ersten Blick harmlose Insel-Jubiläum sogar die Chance, dass sich Iren, Briten, Anglo-Iren, und vor allem die Iren untereinander mit der eigenen Vergangenheit aussöhnen können. Während die offizielle Geschichte von Garinish Island seit Jahrzehnten in bunten Hochglanzbroschüren und Reiseführern den früheren britischen Eigentümern Respekt zollt, existiert eine andere Geschichte bis heute nur in der mündlichen Überlieferung der irischen Bevölkerung: Noch immer erzählt man sich in der Bantry Bay die Geschichte von Mike Garinish. Der Farmer soll im frühen 20. Jahrhundert auf Garinish Island gelebt haben und soll dann von der Insel vertrieben worden sein. 


Um für eine anderweitige Nutzung Platz zu schaffen? Man weiß es (noch) nicht. Die Geschichten der Alten bestehen auf alle Fälle darauf, dass Bauer Mike Garinish in seiner Verzweiflung keinen Ausweg mehr sah und sich das Leben nahm. Diese Geschichte steht bis heute in keinem Inselführer. Sie erklärt aber, auch wenn sie streng wissenschaftlich nicht gesichert ist, warum viele Iren bis heute ein ambivalentes Verhältnis zu Garinish Island pflegen.


Here is a version for our English speaking friends:


It is time to honour Mike Garinish


What we call history is one version of truth. The version of those in power of interpretation.
Garinish Island, world famous garden island in Glengarriff harbour, is celebrating 100 years in existence. In 1910 Scottish businessman John Annan Bryce bought the island to turn it into one of the great gardens of Western Europe. Bryce was driven by the idea of building a substantial residence on top of the island - and he was driven by his wife Violet L'Estrange - a woman who sympathised with the ideas of womens liberation and of an independant Ireland. While Annan Bryce and his genious garden architect Harold Peto have been praised in brochures and travel guides over and over again, very little is known about the highly interesting wife, Violet Bryce. Due to the fact that mainly men have written and interpreted the history of Ireland so far, women were mostly left in the dark of past times. The Centenary Celebrations for Garinish Island would therefore be a great opportunity to honour those, who have not been honoured until this very day.


To honour Mike Garinish: In times, as Ireland has long been on the way into an egalitarian and open society, this island anniversary offers another great opportunity.Irish, British and Anglo-Irish could in a true way reconcile with a part of their own common history. While the official history of Garinish Island is well known and accessible from every computer screen, another version of this history is only shared between local people:


According to oral tradition Garinish Island has been the home of a farmer known as Mike Garinish. Irish people have learned from their grandparents, that Mike Garinish was expelled from the island in the first years of the 20th century and that he lost his livelyhood. Lore knows the poor farmer took his life when chased away from his island home. This story cannot be read in any guidebook so far. Anyhow: Although there is no strict scientific proof, Mike Garinish´s story explains, why some local Irish people until this very day feel ambivalent about the famous garden island. 


We feel: It is time to honour Mike Garinish – as a symbol in a symbolic gesture; and more than that, it is time to honour the hard working Irish people who created Garinish Island with their own hands. 1oo years on is the time.     

Mittwoch, 17. März 2010

Happy Saint Patrick´s Day!


May you always have
Walls for the winds,
A roof for the rain,
Tea beside the fire,
Laughter to cheer you,
Those you love near you,
And all your heart might desire!


May your blessings outnumber
The shamrocks that grow,
And may trouble avoid you
Wherever you go.


May the best day of your past
Be the worst day of your future.

For each petal on the shamrock
This brings a wish your way-
Good health, good luck, and happiness
For today and every day.



May your home always be too small to hold all your friends.
God is good, but never dance in a small boat.

May you live as long as you want,
And never want as long as you live.

Dance as if no one were watching,
Sing as if no one were listening,
And live every day as if it were your last.

Dienstag, 16. März 2010

In eigener Sache. 50.000 Besuche. Ein Dank an die Leser

Heute, kurz nach High Noon, sprang der Besucherzähler auf 50.000: Der 50.000 Besuch und über 100.000 Seitenaufrufe auf dem Irland Blog, das ist ein Grund zur Freude  – und Anlass genug, unseren treuen Leserinnen und Lesern der "Berichte aus Irland" einmal danke zu sagen. Wir haben im November 2008 ganz klein begonnen und waren monatelang über 5 oder zehn Besuche am Tag glücklich. Nun, nach 16 Monaten, hat der Irland Blog gut Fahrt aufgenommen – zählt regelmäßig über 3000 Nutzer und 6000 Besuche pro Monat.  Also: Danke. Das spornt uns an. Der Wanderer.

PS: Wir sind hier nun auch über die einfache Webadresse www.irlandnews.com zu erreichen. Für alle, die sich die komplizierte Blogspot-Adresse nicht merken wollen.

Die Krise Irlands - eine spirituelle Krise?

Derryclare Lough, County Galway ©Peter Zoeller
Die aktuelle Krise Irlands ist vornehmlich eine spirituelle Krise, meinen manche. Das Inselvolk findet nach den wüsten Celtic-Tiger-Jahren seine Zugänge zu den inneren Quellen, zu Glück, zu Fürsorglichkeit, Veantwortlichkeit und achtsamer Behutsamkeit völlig verschüttet. Blockiert vom Geröll der Gier, der Ichbezogenheit ("Me-feinism") und Rücksichtslosigkeit.

Einer, der auch so denkt, ist der irische Sänger Damien Rice. Der Meister der melancholischen Ballade schreibt heute in einem Gastbeitrag für die Irish Times, wie er sich eine Erneuerung des Landes vorstellt; Rice meint, dass der Anfang im Inneren der Menschen liegt, sie müssen sich mit der Magie des Landes wieder verbinden. Im Wechsel der Perspektive hin zu positiver Kreativität und mütterlicher Fürsorge sieht der singende Poet Chancen für die Heilung der gerissenene Wunden.
"The question is, do we care enough? If not for ourselves, can we at least find the motivation to do it for our kids? We can clean up our rivers and beaches and bring back the salmon. We can replant the forests we’ve torn down. We can become leaders in green energy production, and boost our economy like we did with computer chips. We can open our eyes and see that petrochemical fertilisers and genetically engineered products are damaging our natural habitat and poisoning people, and instead invest in large-scale organic growing and permaculture like they have in the Netherlands."
Rice erntet in Leser-Reaktionen natürlich prompt Spott und Hohn, wird gar der "Hirnlosigkeit" bezichtigt. Der morgige Patrick's Day, eigentlich ein "Gedenktag", ist vielleicht dennoch ein guter Anlass, über das Verhältnis von innerer und äußerer Welt nachzudenken. Dazu muss man sich nicht grölend in eine Parade einreihen. Die Symbolfigur Patrick verkörperte für Irland immer auch etwas anderes als nur Party. Was der gute, alte Paddy denken würde, wenn er in diesen Tagen noch einmal von England auf die Nachbar-Insel übersetzen würde, wie damals im 5. Jahrhundert?


Dazu die Karikatur der Irish Times: St. Patrick wird im heutigen Irland von den Schlangen "Gier" " Korruption" und "Me-Feinism" (eine wunderbare Wortschöpfung für den Ich-ismus, in Abwandlung von Feminismus) empfangen. "Die Briten kommen, um uns zu sagen, wie wir leben sollen."


Das heutige Titelfoto stammt vom Fotografen Peter Zoeller. Er hat gerade seine neue Website mit zahlreichen faszinierenden Irland-Motiven gestartet. Hier geht es zu Peters Photo-Galerie.

IMPRESSUM

Dieser Blog wird geschrieben und editiert von: Good News Media Markus Bäuchle, Eliane Zimmermann, Starlight House, Ardaturrish Beg, IRL-Glengarriff, Co. Cork. mbaeuchle (at) mac.com Haftungsausschluss: Die Texte in diesem Blog wurden von den Verfassern nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen und regelmäßiger Aktualisierungen dieses Blogs übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sowie für die Inhalte von Kommentaren sind ausschließlich deren Betreiber/AutorInnen verantwortlich.