Freitag, 30. April 2010

Die Leute von Dunmanus Bay ziehen in den Kampf gegen den Lachsgiganten

Was ist los im kleinen und stillen Durrus in Irlands Südwesten, wenn sich 100 Küstenbewohner zu erregten Diskussionen in der Gemeindehalle treffen? Wenn Petitionen kursieren, Kamera-Teams auftauchen und die Schaufenster lokaler Geschäfte zu viel frequentierten Schwarzen Brettern mutieren? 

Durrus liegt am Ende der Dunmanus Bay  in Irlands Südwesten zwischen dem Sheeps Head im Norden und dem Mizen Head im Süden. Die Dunmanus Bay gilt als eine der schönsten Buchten Irlands. Die wirtschaftliche Nutzung und die Ausbeutung der natürlichen Resourcen hält sich bis heute in Grenzen. Doch nun droht ein skandinavischer Fischereigigant die Idylle zu zerstören: Er heißt "Marine Harvest" und ist gefürchtet als moderner Raubritter der Weltmeere. Der Konzern überzieht die schönsten und saubersten Gewässer der Welt mit Lachszucht-Anlagen, er zieht die Profite des Multi-Milliardengeschäfts in die Taschen der Aktionäre ab und hinterlässt vor Ort nicht viel mehr als Schmutz, Krankheiten und Zerstörung.  

Seit einigen Monaten sondiert "Marine Harvest" die Südwest-Küste Irlands, um neue Standorte für ihre riesigen Zuchtanlagen zu finden. Erst wurde bekannt, dass das Tochterunternehmen Silver King Seafoods in der Dunmanus Bay, einer der schönsten und ursprünglichsten Buchten Irland, eine Lachszuchtanlage aufbauen will. Nun wird allmählich klar: Die Dunmanus Bay ist nur einer von zahlreichen neuen Standorten, den der Fischereikonzern im Auge hat: Auch in den benachbarten Buchten, in der Kenmare und der Bantry Bay, glaubt Marine Harvest sich festsetzen zu können. 

Ein Auge hat der Fischereiriese  auch auf einen Standort bei Adrigole in der Bantry Bay, westlich des Fleming-Steinbruchs geworfen. Die ohnehin von rieisigen Muschelzuchtanlagen ökologisch überstrapazierte Bucht würde von einer weiteren Lachsfarm zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen - doch anders als in der Dunmanus Bay hat sich relevanter Widerstand zwischen Glengarriff und Castletownbere bislang nicht organisiert. Das Harbour Board in Bantry zeigt sich uneinig – nicht wenige unterstützen dort die Sache der Lachsfarmer. Doch entschieden ist nichts.

Während sich andernorts auf der Welt - beispielsweise in Kanada - massiver Widerstand organisiert hat, um die norwegischen "Neo-Wikinger" zum Rückzug zu zwingen, muss der Kampf in Irland erst noch geführt werden. Gute Argumente haben die Gegner der Lachszucht-Industrie viele: Die Lachsfarmen verschmutzen das Wasser, die Küsten, den Meeresboden. Schlimmer noch: Von den Zuchttieren gehen tödliche Krankheiten für die Wildlachs-Bestände aus. Und für ein Kilo Zuchtlachs wandern bis zu fünf Kilo Fischmehl in die riesigen Wimmelbecken. Dass der oft mit Medikamenten vollgepumpte Farm-Lachs am Ende, wenn er auf den Teller kommt, nicht zu den reinsten und besten Lebensmitteln zählt, hat viele Köche dazu veranlasst,  Zuchtlachs auf die schwarze Liste zu setzen.   


Aus der Dunmanus Bay hat Marine Harvest bislang rund 200 ablehnende Stellungnahmen von Fischern, Anwohnern, Unternehmen und Organisationen erhalten. Die Bevölkerung auf dem Sheep's Head und dem nördlichen Mizen Head rechnen sich von der am Dooneen Point (Foto oben) geplanten 300.000 Quadratmeter großen Anlage keinerlei Vorteile und viele Nachteile aus. Der Kampf hat dort jedenfalls begonnen.


Auf dem Sheeps Head sprechen die Menschen von "Eindringlingen", die aus fremdem Eigentum Profit schlagen wollen. Es heißt, das Geld fließe dann nicht in die Bucht zurück, sondern in die Taschen von Geschäftsleuten, die der Region nicht verpflichtet fühlten. Es heißt auch, die Farmzuchtanlage würde in der Dunmanus Bay kaum Arbeitsplätze schaffen.

Statt dessen befürchten die Menschen in Ahakista, Durrus, Kilcrohane, Dunbeacon, Dunmanus und Goleen, dass die geplante Anlage die traditionellen Fischgründe zerstört, das Wasser verunreinigt, die Umwelt schwer schädigt, die örtlichen Immobilienpreise in den Keller zieht, die Landschaft verschandelt und das Tourismus-Business schwer in Mitleidenschaft zieht. Der Betreiber einer Pferde- und Rinderzucht und einer Ferienhausanlage in Durrus hat bereits seine Anwälte in Gang gesetzt, um die Lachsfischer mit rechtlichen mitteln zu stoppen: Er argumentiert vor allem mit gravierenden wirtschaftlichen und ökologischen Schäden und warnt vor einer Verletzung der europäischen Umweltgesetze (die in Irland weit ab von Brüssel bis heute nicht ihre volle Durchschlagskraft entfaltet haben). 

Während sich der Widerstand gegen das Lachszuchtprojekt formiert, ziehen beide Seiten kräftig an den Fäden nach Dublin, wo die Regierung sitzt, und nach Clonakilty, dem Hauptquartier der Fischereibehörde. Was ist von der irischen Regierung zu erwarten? Sie steht bislang voll hinter dem Kurs, aus dem Meer herauszuholen, was herauszuholen ist und die Fisch- und Muschel-Fördermengen kräftig zu steigern. Die Umwelt an sich hat bis heute wenig Kredit in der Politik des Landes. Einhalt kann nur Widerstand vor Ort gebieten. 


Die Dunmanus Bay jedenfalls hätte den Schutz der heimischen Menschen nötig. Bislang, so sagt ein Engländer in Kilcrohane hinter vorgehaltener Hand, waren es vor allem die "Zugereisten" ("Blow-ins"), die sich für die Natur in der Dunmanus Bay stark gemacht haben. Dieses Mal aber habe er das Gefühl, dass das Lachszucht-Projekt vielen "Locals" unter die Haut gehe. Und tatsächlich ziehen Einheimische schwer über "die Eindringlinge" her, die "den armen Fischern im Dorf" die Lebensgrundlagen zerstören wollen. 

Es wird nicht zuletzt darauf ankommen, ob sich der von verschiedenen Interessen motivierte Widerstand gegen die Lachsfarmen zu einer Bewegung zusammenschließen kann: Die heimischen Fischer, die ausländischen Betreiber von Ferienlanlagen, die Eigentümer von Ferienhäusern, die sich nicht immer "grünen" Bewohner der verschiedenen Orte in Dunmanus Bay – sie alle werden die gemeinsame Sache in den Vordergrund stellen müssen und das Trennende hintenan – sonst wird ein Konzern mit viel Geld und Einfluss am Ende leichtes Spiel haben.

Die Fragen aller Fragen sind diese: Wer profitiert von den geplanten Lachsfarmen – und wer verliert? Es ist nicht erkennbar, dass die Leute in der Dunmanus Bay außer Schmutz und Zerstörung viel erwarten können. Vielleicht bekommt der eine und die andere das eigene Häuschen für einen hohen politischen Preis abgekauft. Doch entstehen tatsächlich neue Arbeitsplätze? Mehr als alte zerstört werden? Profitiert die Infrastruktur? Wo fließen die Profite hin, wieviel davon bleibt in der Gegend und wer bezahlt für die Umweltschäden? Wer profitiert in den politischen Kreisen Dublins von einer Genehmigung der Lachsfarmen? Die Zeit ist reif, um klare Antworten auf diese Fragen einzufordern. 

Die Leute von Dunmanus Bay betreiben zur Aufklärung und Mobilisierung zwei sich ergänzende Webseiten (– und eine gemeinsame wäre die bessere Alternative): Die Dunmanus Bay Association betreibt www.savedunmanusbay.org.  Karin Steinbrenner, selbst Mitglied in der Association und Anwohnerin am Dooneen Point dokumentiert die Protestkampagne basisdemokratisch offen und unter Nutzung der kommunikativen Möglichkeiten auf der Plattform "Keep it Free, Keep it Clean, Keep it Wild".

Die Petition der Lachsfarm-Gegner hat folgenden Wortlaut:

SilverKing Seefoods Ltd, a subsidiary of Marine Harvest a global aquaculture corporation, is planning to apply for a license to install a 70 acre salmon farm in Dunmanus Bay at Dooneen Point that would be visible from many points. It would impose major environmental damage to the whole natural feeding chain, especially to the wild fish stock which feed on the excrement and detritus of the farmed fish. The water in the area would be polluted and become unfit for swimming, boating, and fishing. Commercial use of the Dooneen pier would prevent residents and visitors from using it for recreation.
We, the undersigned, recognize the long-term environmental and economic damage the proposed fish farm in Dunmanus Bay would do the area's environment and its economy, and hereby register our opposition to such a development.  
Fotos: Wikipedia ; mab (oben); Dooneen Point, Kilcrohane, County Cork.


Here an English version of the story:
People stand up against Salmon Farm Intruders
Do you know the Dunmanus Bay? It is located in the southwest of Ireland between the Sheeps Head in the north and the Mizen Head in the south. Main towns in the bay are Durrus and Kilcrohane. The Dunmanus Bay is one of the most beautiful bays in Ireland. The economic exploitation and the destruction of natural resources to this day is limited. 


Well, "Trouble in Paradise”  is coming. The fishing company "Silver King Seafoods “ a subsidiary of the global aquaculture company “Marine Harvest”  plans to install a 70-acre salmon farm in the middle of the bay, next to the scenic Doneen Point. Taking up 280,000 square feet to the southwest of Kilcrohane, soon 18 large breeding tanks are supposed to be swimming in the sea – this prospect is creating resistance even in the most patient communities along the coast.

In the window of Frank O'Mahony's shop in Kilcrohane a photo of Dooneen Pier asks innocently, "Can you believe that someone wants to destroy this?" and calls upon the people of the area to get organized to "save our bay”.

The people living around the Bay have protested in recent years and have successfully opposed the extension of mussel farms: Now they have to deal with a larger opponent: Marine Harvest operates a large number of fish farms around the world, has offices in Castletownbere on the Beara peninsula and takes pride in having the best relations to the State Fisheries Board.

Meanwhile the Sheeps Head, people talk of "intruders" who want to profit from other people's property. The profit will not flow back to people in the bay, but into the pockets of business people who have no connection to and feel no responsibility for the region. Despite their claims, there will be no new jobs in the Bay Dunmanus but many fishermen will loose their livelihood.

People in Ahakista, Durrus, Kilcrohane, Dunbeacon, Dunmanus and Goleen fear that the proposed system will destroy the traditional fishing grounds, pollute the water, litter the landscape, and damage the environment.  It will cause the local real estate prices to plummet, and will have a negative impact on the tourism 
Business.

While the protest against the salmon farming project is being organized, both sides try to influence politicians in Dublin, and Clonakilty, the headquarters of SFA. What to expect from the Irish government? It is currently fully supporting  most aquaculture initiatives to get as much out of the sea as possible and increase the fish and shellfish export. To date, environmental consideration have not been a priority in the politics of the country. Only local protests may be able to change the political system and generate actions against the project.

The Dunmanus Bay will need the protection of the local residents. In the past
, it was mainly the "newcomers" ("Blow-ins") who have made a strong case for preserving the prestine nature of the Dunmanus Bay. But this time, the salmon farm project  goes many "locals" under the skin. And, indeed, both local residents and Blow-ins can now take on "the invaders" who want to destroy the fishermen in the area  as well as the natural beauty of the bay . (Translation: Karin Steinbrenner)

Donnerstag, 29. April 2010

Warum die Iren die Beichte und den Safe lieben

Irland analysiert sich: "Wir haben uns benommen wie die Kinder, denen man zuviele Süßigkeiten gibt". Oder: "Wir sind egoistisch, selbstsüchtig und rücksichtslos geworden". Oder: "Der plötzliche Wohlstand hat die schlechtesten Seiten in uns geweckt". So sprechen Irinnen und Iren heute gerne beim gemütlichen Bier über sich und die ihren.

Eine katholische Gesinnung hat auch ihre Vorteile. Richtig angewendet wirkt eine Beichte bekanntlich wie eine Sitzung beim Psychotherapeuten, und auch deren zivile Form, die eifernde Selbstbezichtigung verfehlt ihre Wirkung zumeist nicht. Wenn Padraig und Mary  sich heute für ihr merk-würdiges Verhalten während der rauschhaften Celtic-Tiger-Jahre selber "geiseln" , dann erfüllt diese Beichte ihren katholischen Zweck: Das "Mea Culpa" verschafft dem Selbstankläger Entlastung und Seelenfrieden. Warum auch nicht.

Derweil hat sich Irland im neuen Alltag des kargen Wohlstands längst bestens eingerichtet. Man besinnt sich auf die alten Tugenden der Väter und Großväter: Während die einen protestieren und mit Lastwagen Dublins Verkehr lahmlegen, reaktivieren die anderen die Kartoffelfurchen der Großeltern und lernen das Gärtnern und Farmen. Die Selbstversorgung hat Konjunktur auf der Insel. Es wird gespart, was das Zeug hält – und das Ersparte ist vielen Menschen auf der Insel so wertvoll, dass sie es nicht mehr den Lumpen und Absahnern, den Bankstern von den Banken anvertrauen wollen. Auch "wenn´s um Geld geht", kehren viele Insulaner zu den bewährten alten Methoden der Selbstversorgung zurück und meiden den Weg zur Sparkasse.

Der Sparstrumpf ist wieder "in". Es ist tatsächlich (nicht nur in Irland) eine Überlegung wert, ob man in diesen welt-finanziell so turbulenten Wochen nicht doch den finalen Gang zu seiner Bankfiliale antritt und das Konto räumt – bevor es zu spät ist. Viele Iren verfahren so, erinnern sie sich doch noch bestens an die Zeiten, als Banken in ihrem Leben überhaupt keine Rolle spielten. Ein funktionierendes Banken- und Kreditwesen für alle Bürger gibt es auf der Insel schließlich gerade einmal 25 Jahre. Davor regierte die Methode "Cash unter der Matratze."

Das Sicherheitsbedürfnis, wenn´s um Geld geht, scheint allerdings gewachsen. Der Trend zum Goldbarren paart sich mit dem zum Haus-Safe. Man weiß ja nie. Zwei Nachbarn spielten das Thema Nummer eins gerade für sich durch: "Pat, Du musst Dir irgendwo im Wohnzimmer ein Loch in den Boden graben und einen kleinen Safe einbauen." Pat hatte das Thema für sich auch schon entdeckt: "Tja, Jim, ich habe schon die Golden Pages nach einer geeigneten Firma durchgeblättert, bin aber nicht fündig geworden." – "Um Himmels willen, Pat – da musst Du selber ran, das Versteck darf doch niemand kennen. Sonst kannst du Dein Geld gleich vor die Haustür legen."

Alles klar? Spaten raus, Beton angerührt und "Vamos a la Banca" – bevor auch Spanien (und Irland) auf Ramsch (BB+/B) "geratet" wird.

Mittwoch, 28. April 2010

Das ist die neue inoffizielle Hymne von Cork, Irland

Im größten von Irlands 26 Counties, im County Cork, im Südwesten der Insel, kursiert seit Wochen ein YouTube-Link, der zu einem musikalischen Tribute an das Rebel County führt: Der populäre 2FM-Radio-Moderator Jim-Jim Nugent hat die musikalische Parodie "Rebel State of Mind" im Stil von Jay-Z´s Hip-Hop-Hymne "Empire-State of Mind" produziert.

Wer demnächst nach Cork reist, sollte sich das mittlerweile hit-verdächtige Song-Video als kleine Einführung nicht entgehen lassen. "Rebel State of Mind" zeigt Bilder von Orten, Promis und Institutionen des County Cork ("The People's Republic") - und wird im typischen lässigen Corkonian Slang und Accent ("a cuppa tea") vorgetragen. Damit auch Nicht-Corkonians alles verstehen, wird der Text in propperen englischen Untertiteln eingeblendet:

Dienstag, 27. April 2010

Sterben hat (auch) in Irland immer Konjunktur


Was müssen wir? Wir müssen eigentlich gar nichts. Wir müssen noch nicht einmal essen, schlafen oder atmen. Wenn wir nicht wollen, hören wir eben auf zu atmen. Eines aber müssen wir alle doch: Wir müssen am Ende eines noch so langen oder noch so kurzen Lebens sterben. Deswegen heißt es zu Recht, das Sterbe-Business, das Bestattungsgeschäft, hat immer Konjunktur.

Wen wundert es vor diesem ernsten Hintergrund, dass die Bestattungsunternehmen in Irland, die Sargschreiner und die Grabsteinhauer die einzigen Professionen im rezessions-geschüttelten Irland sind, die ihre Preise unerschütterlich stabil halten. Während Hauspreise und Immobilienwerte zusammenschrumpfen, während die Lebenshaltungskosten auf der Insel spürbar gesunken sind, die Preise für Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs unter dem Druck der wirtschaftlichen Krise deutlich billiger geworden sind: Sterben ist und bleibt teuer in Irland.

Die Irish Times hat einmal nachgerechnet und fand heraus, dass sich die Preise für eine durchschnittliche Beerdigung in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht haben – und dass die Kosten nun auf hohem Niveau stabil bleiben: Eine "schöne Leich" in der Hauptstadt Dublin kostet aktuell mit allem Drum und Dran rund 6.500 Euro. Auf dem Land stirbt es sich erwartungsgemäß deutlich günstiger: Die ländliche Beerdigung kostet insgesamt rund 3000 Euro.

Dass die irischen Bestattungskosten so stabil sind, wie sie sind, hat neben der Tatsache, dass immer gestorben wird, einen zweiten Grund: Das Business mit dem Tod teilen auf der Insel einige wenige Familien unter sich auf. Lokale Monopole ohne Alternativen haben es leicht, die Preise zu diktieren – es gibt keinen Markt.

Auch das Produkt "Bestattung" gibt es auf der Insel fast ausschließlich in der althergebrachten Qualität in Holz und Erde. Krematorien existieren bislang nur in Cork und Dublin, Ausstattungs-Alternativen wie Öko-Särge oder neuartige Ruhestätten wie Fried-Wälder sind gerade erst im Entstehen. Man stirbt noch immer sehr traditionell in Irland, und doch: die neuen Zeiten deuten sich zart an. Das Undertaker-Geschäft steht vor der Liberalisierung.

Montag, 26. April 2010

Sommeranfang? Der Kuckuck ist zurück in Irland


Gerade vor einigen Minuten war es soweit: Der Ruf des Kuckucks erklang zum ersten Mal in diesem Jahr in Glengarriff, West Cork. Es war ein kräftiges, munteres und ausdauerndes "Kuck-Kuck". Immer im April kehrt der Kuckuck aus dem Winterlager nach Irland zurück und sein erster Ruf wird von der Landbevölkerung aufmerksam verfolgt. Denn die Ankunft des Kuckucks (Bild) gilt auf der Insel als Beginn des Sommers, und als frühester überlieferter Ankunfttermin ist der 2. April bekannt.  

Noch am Wochenende trafen wir auf der "Großen Weide" einen alten Farmer, der andächtig in der Sonne stand und lauschte. Dann schüttelte er sorgenvoll den Kopf und murmelte uns zu: "Nein, der Kuckuck ist noch nicht hier", das ist keine gute Sache". Kommt der faule Vogel spät, so rechnen die Alten mit einem schlechten Sommer.  Im vergangenen Jahr zumindest hat die gefiederte Prognose gestimmt. Der Kuckuck kam erst Ende April und der Sommer war ein selten schlechter.

Die späte Ankunftszeit des Vogels, der auf den Bau eines Nests verzichtet und seine Eier in die Nester von Singvögeln legt, kann mit dem langen, harten Winter zusammenhängen. Der gesamte Vegetationszyklus hat sich in diesem Jahr um mehrere Wochen verspätet. In normalen Jahren erklingt der Ruf des Kuckucks etwa zur Monatsmitte um den 15. April. Bis zu 6000 Kuckucks-Paare leben in der warmen Jahreszeit in Irland und ihr Ruf ist keine Seltenheit, nur zu Gesicht zu bekommen sind die scheuen Vögel äußerst selten. 

Die Ornithologen Irlands wollen übrigens wissen, dass der Kuckuck in schweren Nöten steckt: Viele Singvögel brüten in den letzten Jahren offenbar deutlich früher im Jahr als bisher. Weil der Kuckuck aber an seinem traditionellen Reise- und Zeitplan festhalte, verpasse er nun oft den richtigen Zeitpunkt, um den Wirtsvögeln seine Eier unterzuschieben. Nach dem härtesten irischen Winter seit einem halben Jahrhundert könnte es nun aber sein, dass sich die insgesamt verpätete Natur wieder richtig synchronisiert. Wir hoffen es für den Botschafter des Sommers. Kuck-Kuck! 

Ein Sonntag hoch zu Ross: Cheval Ride in Irland


Cheval Ride in Irland: Der Sonntags-Ausritt für einen guten Zweck ist Tradition auf der Insel. Für ein paar Stunden übernehmen Pferd und Reiter die Straßen der irischen Dörfer und erinnern an alte Zeiten.


Wer ein Pferd hat und sich auf dem Rücken desselben halten kann, ist dabei und zahlt einen kleinen Obolus für die Charity-Kasse. Manche spannen auch ein und kutschieren im Einspänner durch die Gegend. Gestern war Cheval Ride in Glengarriff. Die Pferde wurden für den öffentlichen Auftritt fein herausgeputzt, man sah Zöpfchen, Schleifchen und durchweg saubere Fesseln.

Sonntag, 25. April 2010

Heute ist schreibfrei: Meine Lieblingsinsel in Irland



Heute ist Wochenende, der Wanderer nimmt ausnahmsweise schreib-frei,geht wandern und bittet die Blog-Leser/innen, um ihre Gedanken. Das Thema ist:

"Meine Lieblingsinsel in Irland . . ."

Welche Insel jenseits der irischen Hauptinsel, die man hier "Mainland" nennt, gefällt Ihnen/Dir am besten? Was fasziniert Euch an ihr und warum?  Das Kommentarfeld weiter unten will beschrieben sein. Wer mag, schreibt ein wenig mehr zu seinem/ihrem Lieblings-Eiland, zum Beispiel, was er und sie dort sucht, was den Ort ausmacht. Danke im Voraus. 

Der Wanderer dankt hier einmal allen Mit-Schreibern, die immer wieder eigene tolle Tipps und interessante Kommentare beisteuern. Er selber kann sich gar nicht entscheiden, hat nämlich zwei Lieblingsinseln. Wer kennt sie? Sie liegen beide vor seiner Haustür und er sehnt sich nicht nur nach ihnen, sondern besucht sie auch regelmäßig. 


Freitag, 23. April 2010

Irlands heißeste Neid-Liste: Die reichsten Iren 2010


Für Bono´s Ego muss es schwer erträglich sein, dass das einflussreiche Musikmagazin "Q" ihn bei der Wahl des "Greatest Frontman Ever" nur auf Platz zwei wählte – hinter Liam Gallagher von Oasis. Trost spendet dem U2-Sänger dagegen die Rich List 2010, die Liste der derzeit reichsten Iren 2010, die am kommenden Sonntag von der "Sunday Times" veröffentlicht wird.

Vorab veröffentlichten die Registrare von Irlands heißester Neid-Liste das Ranking der reichsten Entertainer Irlands; Wenn man die steuertechnisch als Holländer lavierende "größte Rockband der Welt"  noch als irisch gelten lassen will, dann führt sie dieses Ranking abermals souverän an: U2 (Foto) bringen es auf ein Vermögen von 487 Millionen Euro. Die vier Inselrocker vermehrten ihren Wohlstand als weltweit bestverdienende Band damit abermals um ein Prozent.

Auf Platz zwei liegt trotz eines zweiprozentigen Rückgang der Lord-Tänzer aus Cork, Michael Flatley mit einem Vermögen von 274 Millionen Euro. Flatley will dem Schrumpfungsprozess übrigens entgegenwirken und plant sein Comeback auf die Tanzbühne. Platz drei geht an die Schmnuse-Sängerin Enya, die mit ihren kuschelweichen New-Age-Songs mittlerweile 97 Millionen Euro Vermögen zusammengehaucht hat; und auf Platz vier steht Van "The Man" Morrison mit 57 Millionen. Platz fünf der reichsten Entertainer Irland geht gemeinsam an Pop-Oldie Chris de Burgh, der sich wieder im Aufwind wähnt und an die alternden Boys von Westlife. Sie haben jeweils 35 Millionen Euro auf der hohen Kante.

Nun wartet das Volk auf die große Liste der reichsten Iren. Die Sunday Times ließ schon einmal durchsickern, dass die Reichen im vergangenen Jahr insgesamt nicht reicher wurden: Die große Wirtschaftskrise in Irland kostete die 250 reichsten Irinnen und Iren binnen Jahresfrist insgesamt 13,3 Milliarden Euro an Vermögenswerten. Vor allem die ikarus-gleichen Immobilien-Spieler  dürften im Jahr 2009 kräftig abgestürzt sein.

Foto: U2

Donnerstag, 22. April 2010

Irlands Geheimnisse: Der Garten von Liss Ard

Irland, die sagenumwobene Insel, birgt viele tiefe Geheimnisse. Manche davon sind importiert. Das 80 Hektar große Liss Ard Estate bei Skibberreen in West Cork zählt sicherlich dazu. Liss Ard, der alte Landsitz der anglo-irischen Familie O'Donovan, war im 20. Jahrhundert das geheime Exil der Schweizer Regierung für den Fall eines Atomkriegs oder  anderer widriger Umstände – bis die Medien dieses Geheimnis lüfteten.  


Ein offenes Geheimnis ist bekanntlich kein Geheimnis mehr – und so wurde das Anwesen in Südwest-Irland für die Schweizer Elite nutzlos. Liss Ard wurde verkauft – und in den 90er Jahren trat mit dem Schweizer Staatsbürger Veith Turske ein neuer "Besitzer" und "New Age Zampano" ins Rampenlicht West Corks. Turske machte in ganz Groß, stylte Liss Ard House und Gardens zum "New Age Garden", ließ von dem amerikanischen Künstler James Turrell einen bis heute unvollendeten "Sky Garden" (Foto) anlegen, holte Musiker von Weltrang wie Patti Smith, John Cale oder Nick Cave zum Auftritt in Liss Ard.

Das Millionenprojekt endete um die Jahrtausendwende im Desaster: Millionen verflüchtigten sich, viel öffentliches Geld wurde verbrannt, zahlreiche Menschen verloren Geld, Reputation und manche offensichtlich noch mehr. Veith Turske sitzt heute, dem Rollstuhl entstiegen, den Lotussitz in Berlin und veranstaltet als "Vilas" erfolgreich "City Yoga". Liss Ard sucht derweil nach einem neuen Eigentümer, der sechs Millionen Euro in einen wunderschönen Ort investieren will, der seine Geheimnisse bis heute nicht preisgegeben hat.

Cupressus macrocarpa @ Liss Ard Gardens

Frühjahrsputz in Irland: National Spring Clean 2010


Engagierte Anwohner nach dem Müllsammeln am Strand beim obligatorischen Foto mit "Beute".

Menschenmassen, ausgerüstet mit Handschuhen, Gummistiefeln, Messern, Scheren, Schaufeln und Müllsäcken, haben am vergangenen und werden am kommenden Wochenende in die Fluren, die Wälder und zu den Stränden Irlands ziehen. Es ist Frühjahrsputz, riesige Mengen Haushalts- und Industriemüll, von den einen achtlos oder absichtlich in die Natur gekippt, werden dann von achtsameren Zeitgenossen eingesammelt und von den Behörden auf die Müllkippen transportiert.

In Bantry Bay reinigt eine ganz besondere Koalition ausgewählte Abschnitte der Küste von den Sünden der Vergangenheit: Anwohner und Muschelfischer putzen gemeinsam die herrlichen Strände. Die Muschelindustrie in der Bucht ist der eigentliche Großverschmutzer, der die Umwelt in den vergangenen zehn Jahren mit Unmengen von Plastikmüll überzogen hat. Doch die Zeiten ändern sich: Die Muschelfarmer haben im vergangenen Jahr auf öffentlichen Druck hin einen freiwilligen Code of Practice unterschrieben und stellen ihre Arbeitsabläufe systematisch auf sauberere Produktionsweisen um.

Mittlerweile ist das jährliche "National Spring Clean" von An Taisce und den County Councils eine Institution auf der Insel – und es besteht Hoffnung, dass die unrühmliche Wegwerfmentalität im Lande ("Das Meer ist eine kostenlose Müllkippe") durch derlei Rituale ganz langsam untergraben wird.

It is National Spring Clean Season. Thousands of volunteers are cleaning Irish road sides, fields, woodlands and beaches these weeks. A coalition of residents and fishermen is purging theshoreline of Bantry Bay these weeks. The mariculture companies in the bay - besides droppers of household rubbish the main polluters in recent years – have accepted responsibility for protecting the environment and signed a Code of Practice in March 2009 in Bantry. Our photo shows residents after the cleaning of beaches in the townlands of Ardnatrush Beg and More and Derrycreigh in Glengarriff, West Cork.

Mittwoch, 21. April 2010

Irland gibt Rätsel auf:
100 Menschen machen 40 Milliarden Euro Schulden



81.000 Euro private Schulden tragen jeder Ire und jede Irin im Frühjahr 2010 durchschnittlich auf Ihren Schultern. Die Summe der Privatschulden auf der Insel liegt bei derzeit 365 Milliarden Euro. Das ist eine abstrakte Summe hinter der sich die Auswüchse der Celtic-Tiger-Wirtschaft gut verstecken lassen. Etwas mehr Licht ins Dunkel der Verschuldungs-Misere bringt nun die irische Bad Bank, NAMA.


80 Milliarden Euro  wird die National Asset Management Agency (NAMA) in den kommenden Monaten von den überschuldeten irischen Banken an faulen und halbfaulen Immobilien-Krediten übernehmen –  und somit aus Privatschulden zunächst öffentliche Schulden machen.


Interessant erscheint, dass diese 80 Milliarden Euro Schulden aus Immobilien-Engagements von lediglich 1500 Kreditnehmern stammen. Die Hälfte dieser 80 Milliarden liehen die Banken an nur 100 Personen aus. Jeder dieser offensichtlich höchst kreditwürdigen 100 Monopoly-Spieler hat somit eine durchschnittliche Gesamtschuld von 400 Millionen Euro aufgehäuft. Fast unvorstellbar. 100 Menschen machen zusammen 40 Milliarden Euro Schulden. Ein einzelner Größenwahnsinniger, der gefallene Tycoon Bernard McNamara, bringt es alleine auf 1,5 Milliarden Euro.


Die Zahlen lassen leicht erkennen, dass es am Ende einige hundert von insgesamt  4,5 Millionen Insel-Bewohnern waren, die das Land auf dem Celtic Building Tiger in das große Wirtschafts-Schlamassel ritten. Flankiert natürlich von Bankern und Politikern, die noch Öl ins Feuer gossen, als dieses sich schon zum gefährlichen Flächenbrand ausgebreitet hatte.


Und die Zahlen beweisen einmal mehr: Hast Du 100.000 Euro Schulden, hast Du ein Problem. Hast Du 400 Millionen Euro Schulden, hat Deine Bank ein Problem – und das ganze Land.
Daten-Quelle: Evening Echo

So spart Irland . . . Autosteuer

Irland-Urlauber wundern sich immer wieder über die vielen Autos mit den fehlenden Fenstern. Ob das Fahrzeuge von vornehmen Leuten seien, die Diskretion und Privatsphäre bevorzugen, wurden wir schon gefragt. Der "Commercial Car", ein gewerblich genutztes Fahrzeug, dem die Rücksitze und die Rückfenster fehlen, ist ein oft gesehenes Vehikel auf irischen Straßen. Selbst den kleinsten Kleinwagen, wie den Toyota auf unserem Photo, gibt es in der Commercial-Version. Oft sind Scheiben und Rückbank nachträglich entfernt worden, um den "Private Car" in einen "Commercial Car" umzurüsten. Denn damit lässt sich eine Menge Geld sparen.

Die "Motor Tax", die jährlich fällige Kraftfahrzeug-Steuer, fällt - gewichtsabhängig – für kleine "Firmenfahrzeuge" besonders günstig aus; und dies motiviert viele Iren, auf Rückscheiben, sowie Sicht und Sitzkomfort auf den hinteren Reihen zu verzichten. Wer ein Auto nach Irland importiert, wird vom Staat aufgrund einer EU-Sonderegelung übrigens heftigst abkassiert (Ausnahme ist ein eigenes Auto, das dem Eigentümer länger als sechs Monate gehört): Die Einfuhrsteuer liegt bei etwa einem Viertel des Zeitwerts – es sei denn, dem Vehikel fehlen Rückscheiben und Sitzbank: Dann fällt nur eine kleine Verwaltungsgebühr von einigen Euro an. Alles klar?

Die drei bunten runden Zettelchen, die jeder Autofahrer an der Frontscheibe gut sichtbar mit sich führt, dokumentieren übrigens, dass 1. Versicherung, 2. die Kfz-Steuer bezahlt ist und 3. der TÜV (NCT) durchgeführt wurde – oder aber nicht. Auto-bezogene Polizeikontrollen begrenzen sich deshalb in der Regel auf einen kurzen Blick der Ordnungshüter auf die drei Papier-Plaketten.

Fotos: Wanderlust / Wikipedia (unten)

Dienstag, 20. April 2010

Irland steht zum Verkauf – und keiner greift zu

Was ist der Unterschied zwischen dem Celtic-Tiger-Irland vor fünf Jahren und dem Irland von heute? Vor fünf Jahren stand das halbe Land zum Verkauf, Immobilien und Grundstücke wechselten die Besitzer in Höchst-Geschwindigkeit. Heute steht fast das ganze Land zum Verkauf – und keiner will es haben.

Die Immobilienpreise auf der Grünen Insel haben seit dem irren Höchststand im Jahr 2007  kräftig Luft abgelassen, sie haben sich mehr oder weniger halbiert. Die Grundstückspreise sind noch stärker zurück gegangen. Und doch kommt der Hausmarkt nicht in Schwung. Kaum jemand kauft: "Greife nie in ein fallendes Messer", sagen die Glücksritter an der Börse, wenn die Kurse stürzen. Ähnliches gilt für den Immobilienmarkt. Irlands politische Führung will zwar an jeder Ecke erkennen, dass der Boden nun erreicht ist, der Markt kümmert sich jedoch wenig um die Beschwörungsrituale der Regierung. Die Preise fallen weiter.

Vor allem das massive Überangebot an leer stehenden, ungenutzten Häusern, an Geistersiedlungen, an gescheiterten, Beton gewordenen Steuerabschreibungsmodellen deutet darauf hin, dass die Preise den Boden nicht erreicht haben. Inzwischen hat auch die Staatliche Vermögensverwaltung NAMA (die gerade mit Steuerzahlers Geld für einen hohen zweistellligen Milliardenbetrag Schrott-Immobilien übernimmt, um die Banken zu entschulden) klargestellt, was mit den vielen leer stehenden Häusern geschehen wird: Viele werden abgerissen, ohne jemals genutzt zu werden.

Vier Jahre jung – und schon schwer beschädigt: Immobilien in Irland

Was sonst soll damit passieren: Manche schlagen vor, die Häuser billigst an Einkommensschwache zu vergeben. Das aber würde die Hauspreise noch weiter abstürzen lassen. Die im Schweinsgallopp hochgezogenen Massenbauten der Celtic-Tiger-Zeit können jedoch auch nicht einfach leer stehen, sie sind nicht wetterfest genug: Die NAMA geht davon aus, dass leerstehende Leichtbauhäuser dank Wind und Wetter nach spätestens zehn Jahren abrissfertig sind. So wird wohl eintreffen, was ein damals viel gescholtener Ökonomie-Professor aus Dublin schon vor drei Jahren prognostizierte. Der vorausschauende Mann sagte: "In den kommenden zehn Jahren werden in Irland mehr Häuser abgerissen als neue gebaut."  Ob die Celtic-Tiger-Denkmale kompostierbar sind?

Geschichten aus dem Glen: Die alte Straße

Ein Zaun, eine Ladung Mutterboden und schwupp, da war der Weg weg: Zahlreiche alte öffentliche Wege in Irland sind in den vergangenenen Jahrzehnten verschwunden. Das Privateigentum regiert, der Zaun um das eigene Grundstück hat einen hohen Stellenwert – auch weil vielen Iren von den englischen "Gutsherren" jahrhundertelang Grundbesitz vorenthalten wurde.

Wo öffentliche Wege verschwinden, verschwindet auch der Zugang in die Fläche, die Landschaft, an den Strand, auf den Berg. Bis heute hat der irische Staat keinen Weg gefunden, das öffentliche Gut "Zugang" zu schützen, eine Institution wie der National Fund in Großbritannien fehlt. Oft sind die alten öffentlichen Wegerechte (Public Right of Way)  noch nicht einmal in Karten oder im Grundbuch eingetragen, sondern sind mündlich überlieferte Rechte.

Während es für Wanderwege wenigstens halbherzige Versuche einer staatlichen Regelung gibt, steht es um die historischen Landwirtschafts-Wege, die Transportstraßen für Seetang (Dünger), für Torf (Brennmaterial) und die Wege zu den Kuhweiden ganz schlecht. Sie verschwinden nach und nach, der Bewegungsspielraum konzentriert sich zunehmend auf die vielbefahrenen Hauptstraßen – wenn es da nicht doch verzeinzelt engagierte Hüterinnen und Hüter des freien öffentlichen Zugangs geben würde.

Heute morgen spazierte der Wanderer mit einer kleinen Gruppe, angeführt von einer reizenden Nachbarin, über die alte Straße in einem benachbarten Townland. Die Verbindung führt von einem Haus am Meer über gut zwei Kilometer zum sogenannten "Doctor´s House". Dort wohnte traditionell der Dorfarzt. Die Straße fiel indessen irgendwann in einen Dornröschenschlaf, die letzten direkten Anwohner hatten ihr Haus vor über 100 Jahren verlassen und wanderten nach Amerika aus. Nur einzelne Bauern brachten ihr Vieh dort noch auf die Weiden, einige ältere Leute nutzten den Weg, auch einige regelmäßige Spaziergänger.


Nun, einige Jahre nach dem Tod der letzten Ärztin entstand Bewegung rund um das Doctor´s Haus: Die Bäume wurden großflächig abgesägt, die Landschaft "aufgeräumt", der alte Weg einfach entfernt. Demnächst sollen die Landschaftsgärtner und die Torbauer anrücken. Doch die fleißigen Sanierer haben die Rechnung ohne die alte Dame mit dem guten Gedächtnis gemacht. Sie stammt aus dem Dorf, sie ging und geht die alte Straße jedes Jahr, und sie will dieses Recht auch für ihre und andere Enkelkinder sichern.

So lud die umgängliche Irin heute morgen, für das Beweisfoto bewaffnet mit der Ausgabe einer aktuellen irischen Wochenzeitung, zur Ortsbegehung ein.  Die Gruppe beging den Weg und dokumentierte damit ihr Wegerecht. Einmal im Jahr, so sagt man, muss ein altes Wegerecht genutzt werden, um auch in Zukunft Bestand zu haben. Ein Anwaltsbrief soll den Anspruch nun noch offiziell dokumentieren.  Damit die Menschen im Dorf auch in zehn und 20 Jahren noch die herrlich gelegene alte Straße gehen können.

Montag, 19. April 2010

Mein Leben in Irland (8): Manuela Goeb, Bäckerin

Auswandern, Ortswechsel, Neubeginn: Warum zieht es Deutsche (auch Schweizer und Österreicher) ausgerechnet nach Irland? Wie leben sie dort? Wurden ihre Erwartungen erfüllt, was gefällt ihnen, womit haben sie Probleme? Wir stellen Menschen vor, die den Sprung gewagt haben und auf der Insel leben.


Manuela Goeb (48) lebt seit 6 Jahren in Kenmare, County Kerry. Manuela ist gelernte Krankenschwester und arbeitet heute als Bäckerin auf der Insel. Ihre Brote und Backwaren sind weit über die Grenzen Kenmares hinaus bei Kontinental-Europäern und Iren beliebt. 


Manuela warum lebst Du in Irland? Was hat Dich hierher geführt?
Vor mehr als 20 Jahren verliebte ich mich während einer Radtour in das Land und in die Leute, da entstand der Wunsch, in Irland zu leben. Zwischen dem „falling in love with the country“, und dem wirklichem Entschluss, hier zu leben und den Schritt zu wagen, lagen dann doch noch einmal fast 15 Jahre. Ich wollte allerdings niemals mehr als Krankenschwester arbeiten, so überlegte ich mir, was ich im Irland-Urlaub am meisten vermisste. Das war eindeutig: gutes Brot. Daher kam der Entschluss, eine Bäckerei zu eröffnen. So gründete ich 2004 "The Breadcrumb – bakery and pastry-shop" in Kenmare.

Leckeres aus der Bäckerei "The Breadcrumb" in Kenmare

Ist Dein Aufenthalt zeitlich begrenzt?
Zeitlich begrenzt nur dahin gehend, dass unser Leben endlich ist. Ich werde niemals mehr zurück nach Deutschland gehen, so hoffe ich, mein Leben in Irland zu fristen – abgesehen von einem längeren Abstecher eventuell nach Italien. The Breadcrumb wird es allerdings hier weiterhin geben.

Haben sich die Erwartungen an das neue Leben erfüllt? Wie gefällt es Dir heute?
Am Anfang war es natürlich schwer, die „weissbrot-verwöhnten“ Iren an richtig gutes Brot zu gewöhnen, aber steter Tropfen höhlt den Stein – es hat geklappt und ich zähle auch sehr viele Iren zu meinen Kunden. Ich liebe die Freiheit, die Natur, das Land und die Leute. Wie in jedem anderen Land gilt es ab und zu Hürden zu überwinden und Problemen zu begegnen, sprich Lösungen zu finden – das macht das Leben sehr interessant – aber noch interessanter in Irland.

Manuelas Marketing-Konzept :-)

Wie lebt es sich als Deutsche auf der Insel? Wie kommst Du mit der irischen Mentalität und mit den Menschen zurecht?
Ich habe keine Probleme, als Deutsche auf der Insel zu leben. Ich liebe die irische Mentalität, den Humor und die Leichtigkeit, mit der Iren leben – ganz im Gegensatz zu uns Deutschen.Als Geschäftsfrau hat es mich allerdings auch schon das eine oder andere Mal in die Verzweiflung getrieben, wenn ich dringend einen Elektriker benötigte und ich nie wirklich wusste, was „see you later“ eigentlich meint – Stunden, Tage, Woche? Aber es klappt dann schon immer – take it easy. Wie „wir“ Iren sagen – could be worse!

 Objekt der Begierde: Laugenbrezeln wie bei Bäcker Müller

Hast Du irische Freunde, einen Freundeskreis, gute Bekannte?
Ich habe seit vielen Jahren sehr gute irische Freunde in Dingle, Kenmare und West-Cork.
Bedingt durch mein Geschäft komme ich natürlich mit vielen Leuten in Kontakt, woraus sich schon die eine oder andere Freundschaft entwickelt hat. Schwieriger ist es für mich dann manchmal, wegen Zeitmangel, diese Freundschaften auch regelmässig zu pflegen – aber richtige Freunde haben auch hierfür Verständnis. Ich habe natürlich nach wie vor meine Freunde in Deutschland – die mich auch regelmässig besuchen kommen. Ob das wohl am Land liegt?.

Was magst Du besonders an Irland?
Die Leichtigkeit des Seins.
Den Humor.
Die Natur.
Schneckennudeln, eine Spezialität der Bäckerei "The Breadcrumb" 

Was magst Du nicht an Irland?
Dass Irische Produkte in Deutschland billiger sind, als in Irland, zum Beispiel Käse, Butter, Whiskey.
Dass jeder, der einen Schraubenzieher halten kann, behauptet, ein Mechaniker, Schreiner, Elektriker zu sein, sprich die Handwerks-Qualität.
Drei Wochen weniger Regen wären manchmal auch ganz schön.

Was aus der „alten“ Heimat vermisst Du hier?
Eine richtig gute Bratwurst – aber dank Lidl wird auch dieses Verlangen ab und zu befriedigt. Die Handwerks-Qualität, die in Deutschland wohl unschlagbar ist.

Hat sich Dein Blick auf Irland in der Zeit, in der Du hier lebst, stark verändert?
Viele Leute sehen Irland natürlich als romantisches Urlaubsland und sind überwältigt von der Schönheit und der Gastfreundschaft der Leute – aber der Alltag schlägt natürlich, wie in jedem Land zu, sobald du hier lebst und arbeitest. Es sieht von außen immer sehr easy-going aus, aber in Wirklichkeit hat auch Irland Bestimmungen, Vorschriften und Bürokratie.

 Manuelas Firmenauto vor der Bäckerei 

Würdest Du den Schritt noch einmal tun?
Auf jeden Fall: Wenn wir etwas Aussergewöhnliches erleben wollen, müssen wir etwas Aussergewöhnliches dafür tun. Ich liebe es, hier zu leben. Life is short!

Und ansonsten?
Ich würde mir wünschen, dass wir Deutsche uns eine schöne Scheibe von dieser Leichtigkeit und Sorglosigkeit, die in den Iren lebt, abschneiden könnten und wirklich viel gelassener werden. Die Iren tanzen, musizieren, treffen sich in Pubs und warten nicht, wie in Deutschland, bis sie die Rente erreichen, um dann anzufangen ihr Leben zu geniessen.

Mehr Informationen zu Manuela und ihrer Bäckerei in der New Road von Kenmare gibt es hier: www.thebreadcrumb.com

Sonntag, 18. April 2010

Asche aus Island: Das Comeback der Natur

Millionen Menschen auf dem "Alten Kontinent" sind mittlerweile von der Vulkanaschewolke aus Island betroffen, die große Teile West- und Nordeuropas bedeckt. Alle Triebwerke stehen still. Kein Flugzeug am Himmel, nirgends. Eine solche Unterbrechung des modernen, mobilen Lebens durch ein Naturereignis hat Europa noch nicht erlebt.  Diese Auszeit ist einzigartig – und wir merken das allmählich.

Man kann von einem mächtigen Comeback der Natur in unsere Lebenswelt sprechen. Tsunamis, Erdbeben, Vulkanausbrüche – das waren in den vergangenen Jahrzehnten Nachrichten aus anderen, entfernten Gegenden der Welt. Uns betraf das nicht, unsere hoch technisierte Welt funktionierte weiter, einschließlich der virtuellen Parallelwelt im Internet. Natur galt uns allenfalls als nette Hintergrundkulisse für den gelungenen Ausflug.

Nun ist plötzlich alles anders: Ein Vulkan auf einer kleinen nordeuropäischen Insel, dessen Eruptionskraft sogar vergleichsweise klein sein soll, macht uns einen Strich durch unsere Reisepläne: Geschäfte stehen still, Ferien fallen aus. Wir sind gezwungen zu bleiben, oder uns als Erdkriecher langsam fortzubewegen. Wir können uns darüber beschweren, aber wir können es nicht beeinflussen. Wir können noch nicht einmal sagen, wie lange wir kollektiv am Boden bleiben werden.

Viele Menschen haben sich in den vergangenen Tagen geärgert. Sie mussten ihr Alltags-Drehbuch umstricken, mussten in fremden Betten, im schlimmsten Fall auf Pritschen oder Feldbetten übernachten. Sie bleiben getrennt von ihren Geschäftspartnern, ihren Freunden und Verwandten, ihren Geliebten. (N.B: So manchem mag der Stillstand der Triebwerke auch das Leben gerettet haben. Stellen wir uns vor, was in den vergangenen drei Tagen sich alles nicht ereignet hat.)

Andere Menschen nahmen das mächtige Comeback der Natur dagegen gelassen, manche sogar freudig. Wo höhere Gewalt herrscht, muss man sich keine Vorwürfe machen, kann man sich entspannt zurücklehnen und durchatmen. Wie schön, sagten manche, dass dieses verrückte System, das wir das moderne Leben nennen und das uns Tag für Tag auf Trab hält wie den Hamster im Rad, schön, dass dieser Vulkan mit dem schier unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull dieses Rad für ein paar Tage (?) gestoppt hat. Es kann uns nun bewusst werden, dass wir Menschen dieses Hamsterrad eigenhändig gebaut haben – ein wenig Abstand hilft vielleicht sogar zu sehen, wie und wo wir uns zu unseren eigenen Gefangenen gemacht haben.


Mit ein wenig Phantasie lässt sich ausmalen, wozu eine entfesselte Natur sonst noch imstande ist: Nichts gegen diese mächtige Aschewolke in 10.000 Metern Höhe, aber sie greift nicht wirklich schmerzhaft in unser aller Leben ein. Was sind schon ein paar Millionen nicht angetretene Flüge, ein paar Millionen nicht gegebene Küsse, ein paar hunderttausend nicht abgeschlossene Geschäfte? Die Aschewolke bedroht uns nicht existentiell. Sie macht uns aber bewusst, dass die vielfach romantisierte Natur, diese vermeintliche bunte Phototapete der Zivilisation zu Mehr, zu Größerem und auch zu Schlimmerem imstande ist. 


Noch halten wir in Europa die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels für genauso weit entfernt von unserem Leben wie diese Aschewolke des Eyjafjallajökull. Und doch merken wir, dass die Gefahren manipulierter Naturkreisläufe längst genauso über unseren Köpfen drohen wie diese Wolke – und dass wir die Symptome genauso wahrnehmen können wie diese riesigen, bunt bemalten Blech-Ameisen auf den Flughäfen von Frankfurt, London, Dublin oder  Paris. Das Comeback der Natur – ihre Rückkehr in unser Leben – ist in vollem Gange.

Samstag, 17. April 2010

Tipps zum Wandern in Irland (12): Der Carrauntoohil

Irlands höchster Berg: Gipfel und Kreuz auf dem Carrauntoohil

Man kann lange darüber diskutieren, ob der berühmte Ring of Kerry nun wirklich der schönste und sehenswerteste oder nur der touristisch populärste Teil Irlands ist. Unstrittig dagegen bleibt die Tatsache, dass auf der Kerry-Halbinsel die höchsten und auch die schönsten Berge Irlands stehen. Über eine Länge von fast 20 Kilometern erstreckt sich in Ost-West-Richtung das Gebirge der MacGillycuddy's Reeks, die irisch "Die schwarzen Berge"(Na Cruacha Dubha) genannt werden.


Der Gipfel vom Ende der Devil's Ladder aus angepeilt


In den MacCillicuddy´s liegen die sechs höchsten Berge des Landes, drei davon messen über 1000 Meter: der Caher mit 1001 Metern, Beenkeragh mit 1010 Metern und Carrauntoohil mit 1039 Metern. Ortsunkundige belächeln bisweilen die geringe Höhe der irischen Berge, Urlauber lassen sich immer wieder davon blenden, dass der höchste irische Berg in etwa so hoch ist wie ein niedlicher Spiel-Hügel in der Schweiz.


Die Teufelsleiter von unten


Tatsächlich aber erheben sich die MacGillycuddy's wuchtig direkt von Meereshöhe einen Kilometer in Richtung Himmel; Wanderer befinden sich oberhalb der 500 Meter-Grenze ganz schnell in alpinen Verhältnissen wieder. Die zahlreichen Gedenktafeln für ums Leben gekommene Bergwanderer – zu sehen etwa am Wander-Startort "Cronin´s Yard" – weisen auf die traurigen Konsequenzen von groben Fehleinschätzungen hin. Jeder erfahrene Bergwanderer begegnet diesen Bergen mit angemessenem Respekt.


. . . und von oben, mit Blick in das Hag`s Glen


Irlands höchster Gipfel, der Carrauntoohil, ist aufgrund seiner herausragenden Stellung ein beliebtes Ziel für Bergwanderer. Der Carrauntoo – dessen Name übrigens bis heute nicht eindeutig übersetzt ist – wird jedes Jahr von einigen hundert Menschen bestiegen, was unter anderem zu schwerer Erosion am Berg geführt hat. Es ist deshalb heute nicht mehr ratsam, den traditionellen Aufstieg von Cronin's Yard über die "Devil's Ladder" zu nehmen. Geröll und lockere Felsbrocken machen den Aufstieg durch das steile "Gully" der Teufelsleiter zu einem unkalkulierbaren und gefährlichen Unterfangen. Ausweichsrouten sind O`Shea´s Gully oder die sehr sicheren "Zig Zags" hinauf zum Col.


Warnschild auf dem Gipfel


Nur 30 bis 40 schöne Tage mit freier Sicht gibt es im Jahr auf dem Dach der Grünen Insel. Wer unten im Hag´s Glen bei schönem Wetter startet, kann nicht damit rechnen, dass er drei Stunden später auf dem Gipfel des Carrauntoohil immer noch Sonne genießt. Er muss aber davon ausgehen, dass es dort oben rund zehn Grad kälter ist als im Tal und dass ein scharfer, unangenehmer Wind weht. Die Wege hinauf führen über schmale Grate, durch steile Kamine und schwer begehbare Geröll-Felder. Schwindelfreiheit ist eine genauso wichtige Voraussetzung wie Trittfestigkeit und gute Kondition. An manchen Stellen des Aufstiegs wird das Wandern zum Kraxeln, müssen die Hände zur Hilfe genommen werden.


Das eiserne Gipfelkreuz des Carrauntoohil


Wer die Tour zum Carrauntoohil ein wenig plant, einen guten Tag wählt, gut ausgerüstet ist und sich die Kräfte richtig einteilt, wird einen unvergesslichen Tag in der einzigartigen Bergwelt hoch über Kerry erleben dürfen, mit phantastischer Aussicht über die gesamten MacGillycuddy's und weit über die Insel.

Kraxeln am Corran Tuathail

Alle Photos: © WANDERLUST, Markus Baeuchle.

Freitag, 16. April 2010

Tierisch extravagante neue Mode aus Irland




Auch bei Schafs daheim tobt neuerdings der Generationenkonflikt: Der Teenager Black Head  lehnt traditionelle Kleidung aus Wolle kategorisch ab und trägt jetzt Funktionswäsche aus Kunststoff, dazu noch in schreienden Farben. Mutter Schaf (vorne) ist entsetzt: "Also, diese Jugend". Auch Tante und Oma Schaf (im Hintergrund) schauen angesichts des jugendlichen Signalfarben-Outfits schon ganz belämmert. Es kann gut sein, dass Junior-Schaf mit dem extravaganten Modestil sehr bald zum schwarzen Schaf der Familie mutieren wird. Gesehen bei Skibberreen.

Donnerstag, 15. April 2010

Irlands Geld-Elite am Abgrund?

Kann es sein, dass die irische Politik der irischen Geld-Elite tatsächlich die Zähne zeigt und sie zur Rechenschaft zieht? Zumindest verbal teilen Irlands oberster Bankenaufseher und der Chef der Staatlichen Bad Bank, NAMA, in den letzten Tagen kräftig gegen die großen Bauhaie, die Immobilen-Spekulanten und Bauträger aus, die den beispiellosen Baurausch in Irland mit milliarden-schweren Krediten in Beton und Stahl manifestierten.

Die neuen Aufseher drohen Sean Quinn, dem einst reichsten Iren, das Quinn-Versicherungs-Imperium abzunehmen, wenn er nicht in Kürze die Geldmittel zum Stopfen der dreistelligen Millionenschulden nachweisen kann. "Show me the money", warf Bankenaufseher Matthew Elderfield dem Tycoon gestern öffentlich den Fehdehandschuh hin. Und NAMA-Chef Brendan McDonagh drohte den Baulöwen des Landes, dass seine Bad-Bank-Behörde sie erbarmungslos verfolgen werde, wenn sie ihren luxuriösen und offen zur Schau getragenen Lebensstil weiter pflegten und gleichzeitig ihre Kredite nicht bedienten.

NAMA-Chef McDonagh sieht sich mit dem Vorurteil konfrontiert, dass die Staatsbehörde zur Übernahme fauler Baukredite den Banken und den hoch verschuldeten Bauunternehmern auf Kosten der Steuerzahler aus der Patsche helfen würde – und er widerspricht dem energisch: Nein, die NAMA werde alle Schulden der Bauspekulanten systematisch im Interesse der Steuerzahler eintreiben und den gut situierten Herrschaften ein Privatleben in Luxus nicht länger gönnen.

Hört, hört. Bislang war die fast kriminelle Nähe zwischen Regierung, Banken- und Bauwirtschaft eine tragende Konstante des irischen Machtsystems. Nun scheint es, dass die politische Elite erstmals Distanz sucht – wohl um die eigenen Köpfe zu retten.

PS: Herrlich der fiktive Brief des Gombeen Man in der Sache an den irischen Ministerpräsidenten Brian Cowen.

Mittwoch, 14. April 2010

Unterwegs auf dem Dach Irlands


Auf schmalem Grat: Der Wanderer war heute auf dem Dach Irlands unterwegs. Deshalb nur eine kurze Nachricht. Es heißt, dass man im Gebirge der MacGillycuddy's Reeks maximal 30 bis 40 schöne Tage pro Jahr mit freier Sicht erwarten kann. Heute war sicher einer davon. Fotos von der Teufelsleiter und von Irlands höchstem Berg "Carrauntoohil" gibt es morgen hier im Irland Blog. Das Foto zeigt den Col, die Traverse vom "Corran Tuathail" zum Cnoc na Tuinne. Es ist ein großes Erlebnis, diesen Grat entlang zu laufen.

Dienstag, 13. April 2010

Kaufen Sie Ihr eigenes Schlagloch in Irland

Schlaglöcher übersäen nach einem harten und langen Winter die Straßen Irlands –  und das Geld für Reparaturen fehlt. Nun schlagen die schlechten Straßen auf die Stimmung der Tourismusverantwortlichen: Die Iren sind weniger um das Wohl der eigenen Achsen und Autoreifen besorgt, es sind die Diskussionen im Nachbarland Großbritannien, die für Unruhe sorgen. Dort nämlich werden die irischen Schlaglöcher derzeit leidenschaftlich diskutiert und beschimpft. 

In Internetforen werden Campervan-Fahrer und andere motorisierte Briten explizit vor den irischen Straßen und vor Fahrten auf die Insel gewarnt. Droht der irischen Tourismuswirtschaft ein kapitaler Achsenschaden? Versinkt das erhoffte Gästewachstum in tiefen Schlaglöchern? Fest steht: Wenn sich die britischen Touristen der Grünen Insel verweigern, wird es in diesem Sommer schlecht aussehen für die Tourismusindustrie.

Vielleicht hilft ein kreativer Vorschlag aus Thüringen, wo das Geld genauso knapp ist wie zwischen Dublin und Limerick: Die Gemeinde Niederzimmern im Weimarer Land kam auf die kreative Idee, ihre zahlreichen Schlaglöcher zu verkaufen und so die Gemeindestraßen zu reparieren: Für 50 Euro kann man in Niederzimmern ein ausgewachsenes Schlagloch erwerben, mit den Einnahmen wird das Schlagloch geschlossen – der Sponsor erhält, in den Asphalt eingelassen, eine Plakette mit seinem Namen.

Der Bürgermeister von Niederzimmern feiert das Schlagloch-Sponsoring mittlerweile als großen Erfolg: Die Gemeinde hat (Stand: heute morgen) nicht nur bereits 229 Schlaglöcher verkauft (und geschlossen), sondern kam auch weltweit in die Schlagzeilen. Also, ihr Leute von Carlow, Cavan und Kerry: Kauft Eurem County Council die Löcher in Euren Straßen ab, damit der Verkehr wieder ruhig rollen kann. "Adopt a Sheep" ist bereits eine bewährte irische Masche, um an das Geld anderer Leute zu gelangen. "Adopt a Pothole" hat auch das Zeug dazu. Vielleicht sollten man es sogar den Irlandurlaubern aus aller Welt als besonderen Service anbieten. Wer besitzt schon ein eigenes Schlagloch am westlichen Rand Europas?

IMPRESSUM

Dieser Blog wird geschrieben und editiert von: Good News Media Markus Bäuchle, Eliane Zimmermann, Starlight House, Ardaturrish Beg, IRL-Glengarriff, Co. Cork. mbaeuchle (at) mac.com Haftungsausschluss: Die Texte in diesem Blog wurden von den Verfassern nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrollen und regelmäßiger Aktualisierungen dieses Blogs übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sowie für die Inhalte von Kommentaren sind ausschließlich deren Betreiber/AutorInnen verantwortlich.