Freitag, 27. August 2010

Spätsommer in Irland – Wolken aus Jazz

Der Wanderer hatte vergessen, dass er Jazz mag. Den Jazz der Zigeuner (darf man das noch sagen, vermaledeite Political Correctness?). Django Reinhardt, Stéphane Grappelli, Schnuckenack, Bireli Lagrene, das waren die musikalischen Helden seiner späten Jugend. Ein Fanal, das für einige Jahrzehnte verlosch, um in dieser Woche wieder hell aufzulodern.

Das Leben überrascht immer aufs Neue. Das Leben am westlichen Rand Europas, im menschenverlorenen West Cork allemal. Hier würde man Einsamkeit, Frieden, Stille, vielleicht Harmonie vermuten – nicht aber unbedingt Harmonien von Django Reinhardt oder Johnny Mercer, nicht eine erfrischende Begegnung mit dem Jazz.  Das aber geschah in dieser Woche. In einem kleinen Dorf in West Cork.

Ein Trio ohne Namen:
Kevin und Declan O´Shea, Ailbhe Connolly.
Drei junge begabte Musiker aus dem kleinen Ort spielten im kleinen Hotel im kleinen Ort Standards aus dem Great American Songbook, aus der großen Zeit des Jazz, den 20er Jahren – und sie erlaubten sich einen Ausreißer: Django Reinhardts "Nuages", Wolken, den großen Klassiker des Gypsy Swing aus dem Jahr 1946. Was Meister-Gitarrist Reinhardt einst mit zwei Fingern spielte, meisterte Kevin O`Shea mit vier Fingern auf seiner Gibson SG2 bravourös. Herrlich auch die von Ailbhe Connolly (Foto) gesungenen Klassiker "My Funny Valentine" und "Cry Me A River".

Spätsommer in Irland. Indian Summer. Sonne, der Himmel blau – nur da und dort ein paar Wolken. Nuages, sie schweben mit französischer Leichtigkeit und natürlicher Eleganz über das Meer. Der Wanderer hört Nuages, sieht den Wolken zu, wie sie vorbei ziehen und träumt  . . .

Donnerstag, 26. August 2010

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Wirklich?

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Wer in diesem langsam endenden Sommer nach Irland reiste, hatte neben Zahnbürste, Unterwäsche, Pass und Regenjacke vor allem eines dabei: die Digitalkamera. Dieses kleine, nur Zigarettenschachtel-große Wundergerät, erbringt nach der Heimkehr den finalen Beweis: Ja, wir waren dort. Wir haben sie gesehen, die Cliffs of Moher, den Rock of Cashel, den Mizen Head, den Giant´s Causeway. Wir waren wirklich dort. Und sie existieren wirklich. Fotografieren war immer schon so etwas wie eine existentielle Rückversicherung, das Festhalten und Einfrieren eines Moments im Strom der Zeit, ein Stück ausgelagerte menschliche Erinnerung.

Lange war Fotografieren die Tätigkeit von Wenigen, dann die von Manchen. Heute ist das Knipsen, auch das anspruchsvolle Abdrücken ein Volkssport mit Milliarden Anhängern. Die Digitalisierung ist die große Demokratisierungsmaschine, die heute Jedem ermöglicht, was einst den Spezialisten vorbehalten war. Wer kann, der darf. Und wer nicht, auch: Jeder ist ein Fotograf, ist kreativ und ausdrucksstark dank 11- Megapixel-Kamera von Saturn und Aldi.
Der Rock of Cashel – 100.000 mal bei Google abrufbar
Bis vor wenigen Jahren wanderten die Kreationen der Amateur-Bildkünstler ins Fotoalbum und damit in die Privatsphäre des Familien- und Freundeskreises. Heute werden die Urlaubserinnerungen in Form kleiner Datenpakete via Picasa, Flickr oder Google Maps der Weltöffentlichkeit des Internets präsentiert.

Der millionenfachen Verfielfältigung sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt nur einen Rock of Cashel – aber es gibt hunderttausend öffentlich zugängliche Abbildungen der berühmten Königsburg im County Tipperary  - Tendenz stark steigend. Wie lange wird die Einzigartigkeit des Originals dem Druck der Kopien stand halten? Kann er wirklich schöner, besser, realer sein als seine Abbildungen? Was stellt die Flut der Bilder vom Rock of Cashel mit den Besuchern desselben an? Werden wir irgendwann die Lust verlieren, auch noch das 30-millionste Foto des Monuments zu knipsen? Vielleicht. Nicht.
Der Rock of Cashel -  gesehen vom Profi-Fotografen Peter Zoeller. Mehr außergewöhnliche Aufnahmen von Peter gibt es hier.


Wenn Bilder reden könnten (und auch noch jedes mehr als 100 Worte), wir müssten uns angesichts der großen Kakophonie die Ohren verstopfen. So aber schließen wir einfach die Augen. Oder sehen uns die wenigen Fotos derer an, die es wirklich können: die Werke der herausragenden Fotografen. Diese Profis warten manchmal ein halbes Leben auf den richtigen Zeitpunkt, um genau das Foto zu machen, von dem sie träumen. Das Warten, das Wissen, die Erfahrung, das Können machen den Unterschied – den kleinen und doch so großen Unterschied.

Mittwoch, 25. August 2010

Mit Beten und Sparen dem Bankrott entgegen

Ob die alternativen Therapien "Schönreden" und "Gesundbeten" auch gegen drohende Staatsbankrotte helfen?  Kein Tag vergeht, ohne dass man in den Medien nicht von den vorbildlichen Iren, den neuen Musterknaben Europas, den umsichtigen Sparern von der Insel lesen muss. Irland gilt in manchen Wirtschaftskreisen als tapferster Patient auf der Intensivstation der europäischen Staaten, der die bitterste Medizin mit einem Lächeln schluckt: Die Regierung in Dublin spart seit zwei Jahren, was das Zeug hält, beziehungsweise, was die geduldigen Irinnen und Iren noch mitmachen, ohne auf die Barrikaden zu steigen.

Das Magazin "Newsweek" verstieg sich vor kurzem sogar dazu, den irischen Ministerpräsidenten Brian Cowen in den Kreis der zehn besten Staatenlenker der Welt aufzunehmen. Begündung: Dieselbe. Mustersparer. Steuern rauf, Löhne und Gehälter runter. Hoffen und Beten. Daheim auf der Insel gilt Brian Cowen allerdings als Lusche, als lahme Ente, die demnächst von der eigenen Partei ausgewechselt werden wird, bevor diese selber bei den nächsten Wahlen abgewählt wird. Gerade 18 Prozent der Iren halten noch zu ihrem Taoiseach Cowen, der die irische Wirtschaft als Finanzminister maßgeblich mit in den Sumpf gefahren hat. Vier von fünf Iren meinen: Der "fiskalische Zuchtmeister" muss weg. 14 Prozent Arbeitslosigkeit, Auswanderung wie zu schlimmsten Zeiten und vor allem: keine Ahnung, woraus die viel zitierte neue Smart Economy wachsen und Wachstum kreieren soll, das sind gute Gründe für einen Abgang.

Während die Schönredner und Gesundbeter in Europa wahrscheinlich nur auf Zeit spielen, um erst den Niedergang Griechenlands zu verdauen und dann etwas entspannter die Scherben in Irland aufzusammeln, dürfen sich Irlands Steuerbürger auf die nächste Sparrunde einrichten. Die Schönredner wollen derweil seit Monaten schon das Licht am Ende des irischen Krisentunnels erspäht haben, und erklären alle, die diese Anzeichen nicht erkennen, für Blinde. Die vermeintlich Blinden aber bestehen darauf, dass Irland für den sturen Kurs, mehr als 50 Milliarden Euro in die Rettung hoffnungslos maroder Banken zu stecken, einen bitteren Preis wird zahlen müssen: Den Staatsbankrott.

Die Rating-Agenturen haben vor einigen Stunden die Richtung erneut klar angezeigt: S&P stufte Irlands Kreditwürdigkeit von AA auf AA-. Geld leihen wird noch teurer, die Schuldenschere öffnet sich weiter. Die wirtschaftlichen Aussichten sind schlecht und sie bleiben schlecht.

Dienstag, 24. August 2010

(Alp)-Traumprinzen: Alles über den irischen Mann

Viele Frauen wollen einen Iren heiraten, den guten Gälen, ihren irischen Prinzen:  Irische Männer, so will uns die Irish Times heute morgen glauben machen, sind die großen Knüller auf dem aktuellen Partner-Markt. Der Autor Brian O`Connell will herausgefunden haben, dass die Nachfrage nach potentiellen Lebenspartnern aus Irland im Ausland enorm gestiegen ist – und dass Männer aus Irland vor allem in US-amerikanischen Online-Partnerbörsen als "heiße Ware" gelten. Sollte die einigermaßen überraschende Behauptung stimmen, dann würde sie zumindest belegen, dass wahrhaft romantische Mädchen eben nicht hinter Geld und einem Leben in Wohlstand her sind sondern auf die wahren Werte des Mannes schauen.

Warum die Irish Times den zunächst gepflegten Mythos vom Irischen Traumprinzen am Ende selbst zerstört, bleibt ihr Geheimnis. Die Zeitung lässt jedenfalls auf dem Kontaktmarkt aktive Frauen aus Polen, Australien und den USA über ihre Erfahrungen mit ihren irischen Männern berichten, und das Ergebnis ist wenig schmeichelhaft für Paddy Macho. Image und Wirklichkeit scheinen weit auseinander zu klaffen.

In aller Kürze hier die wichtigsten Befunde aus dem täglichen Stellungskrieg zwischen irischen Männern und ihren ausländischen (Ex-) Partnerinnen:

* Die Partnervermittlerin Mary Kenny bescheinigt irischen Männern, dass sie ihre Eroberungstechniken dringend überdenken müssen: "Irische Männer jagen noch immer in der Meute. Sie gehen in Gruppen aus und hängen zusammen rum. Erst wenn Sie richtig betrunken sind, machen Sie den Frauen Avancen - wenn der Abend fast schon gelaufen ist."

* Eine junge Polin meint: "Polnische Männer öffnen Dir die Türe. Irische Männer nicht. Dafür trinken sie mehr."

* Eine Australierin sagt: "Irische Männer sehen oft auch dann noch wie kleine Jungs aus, wenn ihre Haare schon ergrauen. Und wie mit dem Hurlingschläger verprügelt. Zudem hat die starke Stellung der irischen "Mammy" nachteilige Auswirkungen: Man trifft so viele hilflose irische Männer, die von ihren Müttern erzogen werden, bis sie 40 oder 50 sind.

* Und eine Amerikanerin meint: Aus ihrer Unsicherheit heraus müssen sich die irischen Machos stets vor ihren Freunden beweisen. Eine "Dating-Kultur" hat Irland nicht: Irische Männer besaufen sich, stolpern dann auf die Frauen zu und hoffen einfach das Beste. Die übliche Liebeskarriere eines Iren beschreibt die 37-jährige so: "Sie verlieben sich in der Schule in ein Mädchen, gehen 15 Jahre mit ihr aus und heiraten sie dann."

Wer mehr darüber wissen will, wie der irische Mann tickt, der liest am besten Joseph O'Connor´s höchst unterhaltsame Bücher über "The Irish Male" (Foto). Der Mann weiß bescheid.
  

Montag, 23. August 2010

Erde vertreibt Ratten - der irische Aberglaube lebt

Sie leben in den Villen von Grünwald, in den Kellern von Blankenese, in den U-Bahn-Schächten von Manhattan, in den Slums von Mumbay und auf der Farm in Ballydehob. Ratten. Die ungeliebten allgegenwärtigen Begleiter des Menschen.  Es heißt, die nächste Ratte ist nie mehr als drei Meter von Dir entfernt – immer darauf aus, sich von den Lebensmittel-Vorräten oder von den Abfällen des Menschen eine Ecke abzubeißen.

Während die Boulvardzeitungen Großbritanniens gerade die Super-Ratte von Bradford durch den Blätterwald jagen, die mehr als einen halben Meter groß sein soll, liegt man in Irland mit den verhassten Nagern in einem stillen Abnutzungskrieg, ohne darüber zu reden. Das Thema gilt als tabu, schon das Aussprechen des Wortes soll Unglück bringen. Deswegen umschreiben Iren die Ratte gerne mit dem Euphemismus "Langschwanz" (Longtail).

Schlangen gibt es in Irland bekanntlich keine, die Ratten allerdings ließ der Heilige Patrick aus, als er seine Gebete für die Insel sprach. Ratten der Art Rattus Norwegicus bevölkern deshalb Stadt und Land.  Nur ein winziger Fleck, eine kleine Insel im Norden Irlands, wehrt sich bis heute erfolgreich gegen die Invasion der nagenden Überlebenskünstler: Tory Island im County Donegal.

Seit Menschengedenken wurde auf Tory Island, das 15 Kiliometer vor er Küste liegt,  keine Ratte gesehen – und die 140 Einwohner schreiben dies der Erde von Tory zu: Die heiligeTonerde des Eilandes, so sagen sie, vertreibt die Ratten. Tonerde, ja, aber nicht ganz gewöhnliche Tonerde: Es ist die Tonerde von einem Grab auf Tory Island. In dem Grab wurden vor über einem Jahrhundert sieben Leichen beerdigt, die in einem Boot an Land von Tory gespült worden waren.

Die heilige Erde von Tory Island zählt zu den Kronjuwelen des lebendigen irischen Aberglaubens. Menschen aus ganz Irland lassen sich auch heute noch regelmäßig kleine Mengen der Erde schicken, um die Ratten vom eigenen Haus fernzuhalten. Dafür wenden sie sich übrigens an den Hüter der Erde, denn nur ein Mensch hat auf Tory das Recht, die Erde zu entnehmen und zu verteilen: Es ist nach altem Brauch das älteste Mitglied der Familie Duggan.

Philipp Duggan hatte diese ehrenvolle Aufgabe in den vergangenen 20 Jahren ausgeübt. Jetzt starb er im Alter von 86 Jahren. Zu seinem Nachfolger bestimmten die Leute von Tory in der vergangenen Woche ohne Verzug den über zehn Jahre jüngeren Willie Duggan aus der Oststadt. Der heilige Kampf gegen die Langschwänze geht also weiter. Venceremos!

Sonntag, 22. August 2010

Wie wäre es mit einem medienfreien Irland-Urlaub?

Es wird viel Negatives über das Internet geschrieben in diesen Tagen, über dessen Zukunft und dessen Wirkungsmacht über die Menschen. Beunruhigen muss vor allem der Trend, dass die Zeiten des offenen anarchisch-demokratischen Internets gezählt sein könnten, dass die kapitalistische Wirtschaftslogik es erzwingt, dass geschlossene Bezahl-Dienste die Claims im Web endgültig abstecken und die Herrschaft übernehmen werden.

Das weltweit gerühmte "iPad", die proprietär abgeschirmte Konsumflunder von Apple, kann die Ikone dieser Entwicklung sein: Kaufen und Konsumieren: auf höchstem Niveau. Produzieren und Kreieren? Von behindert bis Fehlanzeige.

Die Seinsweise von "Always Online" erhöht Jahr um Jahr den Veränderungsdruck auf das Leben der Menschen. Die Aufmerksamkeit, die die digitalen Illusionsmaschinen von uns einfordern, das Maß der Aufmerksamkeit, die sie vernichten, ist gravierend. Die menschliche Fähigkeit, einer eigenen Agenda und eigenen Zielen zu folgen, kämpft um das Überleben wie eine Spezies auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Die Kapazität, Gefühle der Anteilnahme und der Empathie zu entwickeln, schwindet. Immer auf den nächsten Online-Kick oder den nächsten Handy-Text warten zu wollen oder zu müssen, macht Menschen zu fremd-bestimmten Wesen, die im Sog des großen elektronischen Palavers ihre Zentrierung und ihre Ziele verlieren. Sie liefern sich mehr und mehr an die virtuelle Maschine aus, meist ohne es zu wollen.

Wir sollten vielleicht lernen, uns der großen Online-Umarmung zu verweigern und unser eigenes Leben im Sinne einer "Vita Activa" zu schützen. Der Wanderer denkt darüber nach, bald schon medienfreie Wanderurlaube anzubieten, die ganz ohne elektronische Begleiter auskommen. Mehr demnächst. Mañana.

Samstag, 21. August 2010

Schlingensief: Warum uns sein Tod berührt.

Christoph Schlingensief ist tot.  Was berührt  uns daran? Dass er sich so  sehr gegen den frühen Tod emanzipiert hat – um den Kampf dennoch zu verlieren.  Der Tod fasst uns Lebende immer an. Schliengensief hat das Kranksein mit allen Möglichkeiten zu bannen versucht.  Was uns schockiert ist, dass auch er auf seinem außerordentlichen Weg kein Mittel zur Gesundung fand. Dass er starb. Mit 49 Jahren. Wie wir alle irgendwann sterben.

Irlands erster Buddha-Tempel entsteht am Atlantik


Die Schweiz verbietet Minarette, in der Türkei werden Kirchen zerstört, in Deutschland wird um die Größe von Moscheen gestritten, die Chinesen gehen gegen buddhistische Tempel in Tibet vor, Fundamentalisten in den USA zetern gegen eine Moschee, die zwei Blocks von "Ground Zero"  entfernt im Süden Manhattans entstehen soll. Die  Baubehörde im County Cork genehmigt derweil ohne großes Aufheben den Bau des ersten buddhistischen Tempels in Irland. Der fast 15 Meter hohe Tempel zu Ehren des Buddha wird  im tibetischen Retreat Dzogchenbeara bei Allihies auf der Beara-Halbinsel gebaut. Bald werden Seefahrer bei der Umfahrung der irischen Südwestküste also von einem Tempelgebäude (Skizzen) in der alten Bautradition der Tibeter begrüßt werden.
Das wirft die Frage auf: Sind die Irinnen und Iren einfach liberalere Zeitgenossen als Schweizer , Chinesen, Amerikaner und Deutsche – oder liegt es an der auf sanften Pfoten den Westen erobernden Trend-Religion Buddhismus, dass sich im konservativen West Cork überhaupt kein Widerstand regt? Europa darf stolz sein auf das garantierte Recht der freien Religionsausübung und die liberale Haltung nicht-christlichen Religionen gegenüber. Wahrscheinlich aber würde der Plan, westlich von Castletownbere, hoch über dem Atlantik ein muslimisches Gebetshaus zu bauen, nicht ähnlich geräuschlos über die Bühne gehen.

Die tibetischen und europäischen Buddhisten um den großen Lehrer Sogyal Rinpoche haben sich schon in den frühen 90-er Jahren auf Beara etabliert, und ihre Politik der Offenen Tür und des freundlichen Dialogs haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel Misstrauen abgebaut und Vertrauen geschaffen. Die Buddhisten pflegen immer den Eindruck, dass sie niemanden bekehren wollen und dass Katholizismus und Buddhismus gut ko-existieren. Nur manchmal scheint ganz zart eine Haltung durch, die andeuten könnte: "Eigentlich seid Ihr ja auch Buddhisten, Ihr wisst es nur noch nicht."

Wie auch immer: Die Spendenaktionen für den Tempel laufen auf Hochtouren, das Dzogchenbeara Retreat hat sich nach dem Spiritual Care Center und dem Bau eines Besucherzentrums einem neuen Großprojekt verschrieben. Seit Eingang der Baugenehmigung, die Mitte Juli erteilt wurde, konzentrieren sich die Aktivitäten auf den Tempelbau. Bis zur Jahreshälfte waren etwa 100.000 Euro Spenden eingegangen, eine Million Euro sind das Ziel.  Wer spenden möchte: Hier gehts lang.

Sogyal Rinpoche, unter dessen Regie in Lerab Ling in Südfrankreich bereits der größte Buddhistische Tempel Europas gebaut wurde, sagt über den ersten Buddha-Tempel in Irland: "Er wird gemütlich sein und recht klein - und er wird grenzenlose Kapazität haben."

Freitag, 20. August 2010

Fundbüro: Die alten Steine und das Schaf

Irland, das ist nach dem Verständnis mancher Besucher das verdichtete Aufkommen von Schwarzbier, Steinkreisen und Schafen.  Auf dem Irland Blog des Wanderers werden immer mal wieder Schafe gesichtet, meist posieren sie an der Küste oder vor einer Gebirgskulisse. Auch Steinkreise werden hier immer wieder einmal gezeigt und besprochen. Die Kombination der beiden Irland-Ikonen fehlt allerdings. Ein Mangel.


Irland-Fundbüro: Gesichtet im weiten Web

Die Lücke füllt nun ein irischer Reiseführer aus dem Boyne-Valley. Der Blogger mit dem Nickname "Knowth" führt Gäste zu den großen historischen Stätten von Newgrange, Knowth und Dowth und hält sich naturgemäß oft in der Nähe alter Steine auf. Irgendwann fiel ihm auf, dass in der Nähe megalithischer Monumente meistens auch Schafe grasen. Zumindest im Osten der Grünen Insel. So entstand der witzige Photo-Blog "Megaliths and Sheep". Blogger Knowth sammelt dort Photos von neusteinzeitlichen Monumenten in Irland und Großbritannien. Einziges Veröffentlichungskriterium:  Neben, vor oder hinter den alten Steinen müssen Schafe zu erkennen sein.


Eine tierisch nette Idee, die wir gerne mit eigenem Archiv-Material ergänzt hätten: Hier in West Cork treiben sich um die einschlägig bekannten Kult-Steine allerdings vor allem andere Viecher herum: Kühe und Esel.



Photos: Rindviecher am Steinkreis von Kealkil und ein Esel am Ringfort in Carrigrour, Glengarriff. Ⓒ Markus Baeuchle

Donnerstag, 19. August 2010

Ein Angel-Trip ohne Wiederkehr

Homeward Bound: Richard Harman † 
Diese Woche hätte für Glengarriff, Irland, eine fröhliche werden sollen: Die Feiern zum 90. Geburtstag der berühmtesten Bürgerin, der Hollywood-Legende Maureen O'Hara standen an, zudem der Irische Abend für Urlaubsgäste und ein sommerliches Jazz-Konzert im Park Hotel. Doch Glengarriff trägt in diesen Tagen Trauer. Der Tod von drei Angel-Freunden, die am Montagabend bei einem Bootsbrand bei Adrigole in der Bantry Bay ums Leben kamen (wir berichteten), liegt wie ein dunkler Schatten über der kleinen Gemeinde in West Cork.

Vier Freunde, die im Ort als "Gentleman-Runde" bekannt waren, brachen am Montag von Glengarriff zu einer Angeltour vor der Küste des benachbarten Adrigole auf. Der Trip wurde für drei von ihnen zur Reise ohne Wiederkehr: Der pensionierte Landwirt Richard Harman (69), Glengarriff, und die beiden Deutschen Wolfgang "Mike" Schmidt (70), Kapitän im Ruhestand, Glengarriff, und Wolfgang Schröder (62), Bantry, wurden am Montag gegen 18 Uhr tot aus dem Meer geborgen, nachdem Mike Schmidts Boot in Flammen aufgegangen war und die Männer das Boot hatten verlassen müssen.

Der einzige Überlebende des tragischen Angel-Törns, der 46-jährige Amerikaner Ed Dziato, ein Nachbar Mike Schmidts in Glengarriff, sagte der Irish Times zufolge aus, dass der Brand unter der Konsole in der Bootselektrik ausgebrochen sei. Es habe sich innerhalb weniger Minuten auf dem 8 Meter langen Kabinenkreuzer "Castaway" zu einem unkontrollierbaren Feuer ausgebreitet. Dziato, der über sein Handy die Seerettung alarmierte,  sagte auch aus, dass die vier Männer wohl nur wenige Minuten im Wasser waren, bevor sie von der Besatzung eines Rettungshubschraubers geborgen wurden.

Der Sylter Mike Schmidt, ein erfahrener und stets umsichtiger Seefahrer, der als Kapitän zahlreiche Einsätze für Hilfsorganisationen in Krisengebieten fuhr und der mit seiner Frau seit mehr als 20 Jahren in Glengarriff lebte, hatte die Schiffselektrik lokalen Quellen zufolge erst vor kurzem reparieren lassen. Schmidt hatte sich in Glengarriff mit seiner großzügigen und spendablen Art in zwei Jahrzehnten den Ruf eines "beliebten und respektierten Mitglieds der Gemeinde" erworben.

In Nachrufen und Würdigungen wird der Tod der drei Männer als ein schwerer Schlag für die "Local Community" bezeichnet. Richard Harmann (Foto), den jeder als wortgewaltigen Redner kannte, der am Wochenende einmal in den Pubs von Glengarriff unterwegs war, soll am Freitag in seinem Heimatort Adrigole, wenige Kilometer von Glengarriff beigesetzt werden.  Der passionierte Pferdehalter, der in der kommenden Woche seinen 70. Geburtstag gefeiert hätte, wird auf einem alten Friedhof beigesetzt, zu dessen Restaurierung er maßgeblich beigetragen hatte. Die beiden Freunde Mike Schmidt und Wolfgang Schröder sollen am Sonntag nebeneinander in der Kirche von Glengarriff aufgebahrt werden. Der Begräbnisgottesdienst in der Sacred Heart Kirche findet am Montag um 12 Uhr statt.

Die irische Behörde zur Untersuchung von Unfällen auf dem Meer bereitet derweil einen Tauchgang an der Unglücksstelle vor, um das gesunkene Boot in etwa 50 Metern Tiefe zu untersuchen. Die Ursachenforscher gehen offensichtlich davon aus, dass das Fiberglasboot vom Feuer total zerstört wurde und nicht geborgen werden kann. Die Aufklärung der Unglücksursache kann mehrere Monate dauern. Unbeantortet blieb bislang auch, wie die drei Männer ums Leben kamen. Aus dem Familienkreis heißt es, alle drei seien nach dem Sprung in das kalte Wasser einem Herzinfarkt erlegen.

Mittwoch, 18. August 2010

Urlauber-Unmut in "Wucherland"

Der Familienvater rief erregt Worte wie "Wucher" und "Luxussteuer". Der Mann hatte gerade Frau und  Tochter zum Kaffee eingeladen und bekam nun die Rechnung präsentiert: 26 Euro  für drei Käffchen und drei Stückchen Süßes. Der Mann war bedient. Urlauber-Alltag in Irland?

12 Euro für Fish and Chips, 5,50 Euro für ein kleines Stück Apfelstrudel (mit Sahne), 12 Euro für eine Pizza: Wer die Preise nicht vorab prüft, endet auch im Irland des Jahres 2010 leicht in der Wucherfalle.  Wer in Irland lebt, der weiß in der Regel, dass das generelle Preisniveau für Konsumartikel seit dem Ende des "Grünen Wirtschaftswunders" im Jahr 2007 nur einen Weg kannte: nach unten. Und dennoch halten sich gerade in der Gastronomie und im Tourismusgewerbe viele Betriebe, die die Zeichen der Zeit noch nicht erkennen wollen und ihr Heil weiter in maßlos überhöhten Preisen suchen. Das Resultat: Frustrierte Urlauber, die an der großen Diskrepanz zwischen Preis und Leistung scheitern und den Glauben an die Preiswürdigkeit ihrer Unternehmung verlieren. Die Rede ist von "Ripp-off-Ireland", von "Wucherland" .

Tatsächlich fordern irische Beobachter die eigenen Landsleute geradezu gebetsmühlenartig dazu auf, aus den Träumen aufzuwachen und die neuen Realitäten nach zwei Jahren Talfahrt endlich anzuerkennen. Irland befindet sich in der tiefsten Wirtschaftskrise seit seiner Gründung und ein Ausweg ist derzeit (außer von der schönfärbenden Regierung) nicht zu erkennen. Die Neigung, dies zu akzeptieren und die Weichen für das eigene Leben neu zu stellen, bleibt jedoch unausgeprägt. Man schwelgt weiterhin in der alten Boom-Ideologie, lebt auf höchstem Niveau und damit über die eigenen Verhältnisse – und über die Verhältnisse anderer.

Der irische Scharfseher und Ökonom David Mcwilliams hat dieser Tage mit einem seiner unvergleichlichen Vergleiche den Zustand des Landes treffend beschrieben. Fußball: Die relativ erfolglose Nationalmannschaft Irlands leistet sich mit Giovanni Trapattoni den zweitteuersten Nationaltrainer der Welt. Trap verdient im Jahr 600.000 Euro mehr als der spanische Meister-Trainer del Bosque, mehr als der Trainer des WM-Zweiten Niederlande und 650.000 Euro mehr als Deutschlands Jogi Löw.

McWilliams schließt aus dem Fußball-Vergleich für Irland und die Iren: Sie tun immer noch so, als hätten sie alles Geld der Welt. Sie bezahlen gemäß ihren Ansprüchen ("Wir wollen ein Spitzenteam sein"), weigern sich aber, Gehälter und Preise von Qualität und Leistung abhängig zu machen (Sie sind ein mittelmäßiges Fußballteam). So bezahlt Irland für seine mediokre Fußballtmannschaft, die sich nicht für die WM-Endrunde qualifiziert hat, einen globalen Spitzenpreis – nur weil man auch gerne ein Spitzenteam wäre. Dasselbe ereignet sich in der irischen Wirtschaft: Löhne, Gehälter und Preise sind unangemessen hoch. Der Ökonom formuliert spitz: "Wir kennen von allem die Preise, aber von nichts den wahren Wert".

Laut McWilliams muss Irland längst die Perspektive eines Entwicklungslands einnehmen und nach Wegen suchen, um die Wirtschaft von Grund auf neu aufzubauen. Das aber ist schmerzhaft, anstrengend und unbequem. "Einsicht" wird deshalb wohl nur der Druck der sich weiter verschärfenden Lebensverhältnisse erzwingen.

Um aber auf die schockierten Urlauber vom Anfang zurückzukommen: Wie auch daheim lohnt es sich, die Preise zu studieren und zu vergleichen. Man kann heute in Irland wieder preiswürdig essen und übernachten. Mit ein wenig Aufwand lassen sich die richtigen und angemessenen Angebote auch finden.  

Dienstag, 17. August 2010

Boot in Flammen - zwei Deutsche sterben

Die Angeltour von vier Freunden in der Bantry Bay, Irland, endete gestern abend gegen 17:30 Uhr tragisch: In der Nähe des Roundcarrig Lighthouse bei Adrigole fing der acht Meter langen Kabinenkreuzer "Castaway" aus bislang unbekannten Gründen Feuer. Drei der vier Angler kamen ums Leben, der vierte, der in Glengarriff wohnende Amerikaner Ed Dziato, konnte mit leichteren Verletzungen gerettet werden. Das Boot sank in weniger als einer Stunde. Die Rede ist von einer Explosion an Bord. Örtlichen Quellen zufolge trugen die Angler Schwimmwesten und lebten noch, als sie von Bord gingen. Sowohl der Überlebende alls auch die drei Leichen wurden aus dem Wasser geborgen.

Bei den Toten handelt es sich um drei Männer im Alter zwischen 60 und 70 Jahren, um einen Iren und zwei Deutsche, die alle in Glengarriff, West Cork, lebten. Die Ursache des Unglücks ist bislang nicht bekannt. Die irische Polizei wird die Namen der Toten heute nach Abschluss der Obduktion offiziell bekannt geben. Der Irish Independent nannte vorab bereits zwei Namen: Es handelt sich demnach um Richard Harman, einen bekannten Landwirt und Pferdezüchter aus Glengarriff, der im kommendene Monat seinen 70. Geburtstag gefeiert hätte, und um den deutschen Pensionär Mike Schmidt (70), der seit zwei Jahrzehnten einen Teil des Jahres in seinem Haus Glengarriff verbrachte und dort als "Captain Mike" bekannt ist. Bei dem dritten Opfer handelt es sich offenbar um den Deutschen Wolfgang Schröder (62), der lokalen Quellen zufolge außerhalb von Bantry lebte.

Foto-Ausriss: RTE
Mehr Informationen: Irish Independent

Montag, 16. August 2010

Das Märchen und die leeren Kirchen Irlands

Der Wanderer flanierte gestern mit einer Gruppe von Kreuzfahrern durch Glengarriff, West Cork, Irland. Just als die Wanderschar an der Katholischen Kirche "Sacred Heart" vorbei kam, öffnete sich das Portal und die Kirchgänger strömten aus dem Gotteshaus in Richtung Shop, Pub oder Mittagessen. Man wurde den Eindruck nicht los, dass sich wieder das ganze Dorf zum Gottesdienst eingefunden hatte. Die Wandersleute aus Großbritannien und den USA staunten deshalb nicht schlecht. Vor allem die Amerikaner hatten in Zeitungen und Internet viel von der Krise der Katholischen Kirche in Irland und von den leeren Kirchen allenthalben gelesen. Und dann das: Die Dorfkirche – berstend voll bis zum letzten Platz. Noch mehr staunten die Besucher aus der Neuen Welt, als der irische Co-Wanderführer gegen den Strom kämpfend in der Kirche verschwand, um sich pflichtschuldigst bei Pfarrer Pádraig das Abendmahl abzuholen. Der Pfarrer ist ein geduldiger Mann und spendierte eine Sonderrunde Oblaten für Nachzügler.

Nun ist Glengarriff ein konservativer Ort, den Moden und Zeitströmungen genauso wenig unter Veränderungs-Druck setzen wie das drastische Versagen der großen Seelenheil-versprechenden Institution. Man geht eben weiter am Sonntag zur Messe. Zudem aber war gestern ein besonderer Tag, der die Kirchen füllte: Der 15. August, der  in diesem Jahr auf einen Sonntag fiel, wird im katholischen Kalender als wichtiger Feiertag geführt und gilt als der wichtigste Gedenktag zur Anbetung der "Heiligen Jungfrau Maria". Immer am 15. August treffen sich gläubige Iren an den Marienschreinen und den Heiligen Quellen, um ihre "Muttergottes" zu verehren. Fast jeder Ort auf dem Land unterhält einen oder mehrere eigene Marienschreine, die hier "Grotto", kleine Höhle, genannt werden. Der Marienkult lebt.

Um zahlreiche Grottos ranken sich geheimnisvolle Geschichten, die die Anziehungskraft der Orte über die Jahrzehnte hinweg sichern. So erinnerte man sich gestern in Ballinspittle im County Cork an die wundersamen Ereignisse im Jahr 1985. Sieben Menschen aus zwei Familien kamen am späten Abend des 22. Juli 1985 an der Grotto am Dorfrand von Ballinspittle vorbei und hielten an, um den Rosenkranz zu beten. Die 17-jährige Clare sah es zuerst, dann der 10-jährige John, und schließlich auch die anwesenden Erwachsenen: Die Marienfigur im Schrein erwachte zu Leben und bewegte sich. Mutter Kathy gab später zu Protokoll: "Sie atmete wie ein lebendiges Wesen. Mich überkam ein überwältigendes Gefühl von Frieden und Beschütztsein. Es war ein heiliger Moment."  Die zutiefst erstaunte Gruppe holte Freunde und Bekannte herbei und die Überlieferung will wissen, dass in jener Nacht insgesamt 13 Menschen aus Ballinspittle das Marienwunder erlebten.

Drei Wochen später, am Festtag Mariä Himmelfahrt 1985, pilgerten über 20.000 Leute zur Maria von Ballinspittle, die offiziell übrigens "Our Lady of Lourdes" heißt. Die Katholische Kirche beließ es bei einem ganz vorsichtigen Distanzierungsversuch und ermunterte die wunder-bare Schar der Pilger dann zum Weiterbeten. So geschah es und zahlreiche Pilger wollen gesehen haben, wie sich die Maria im Schrein die Beine vertrat.

Sonntag, 15. August 2010

Irland-Impressionen (12): Jans zwei Lieblingsorte

Zwölf, das Dutzend, ist eine unrunde runde Zahl. Lassen wir unsere Sommer-Impressionen 2010 aus Irland deshalb bei zwölf ausklingen. Jan O. Deiters, der Verleger und Herausgeber der Irland Edition, schickte uns Fotos von seinen beiden Lieblingsorten, einen im Osten und einen im Südwesten Irlands. Jan, der mit viel Enthusiasmus und Geschick das hochinteressante monothematische Magazin über Irland herausgibt, hält sich am liebsten in Termonfeckin (unten) und in Portmagee (oben) auf. Er schreibt uns dazu:    
"Irland ist eigentlich gar nicht so groß, hat aber eine schier unglaubliche Vielzahl an Landschaften, Charakteren und Aspekten. Als Verleger der Irland EDITION bin ich oft in Irland und muss mir schon aus beruflichen Gründen alles anschauen (dürfen). Schließlich sollen die Leser einen breiten Querschnitt dessen erhalten, was da so spannend und sehnsüchtig rüber kommt. Zwei Orte allerdings ziehen mich und meine Frau Anna immer wieder in den Bann. Der eine ist Termonfeckin im Osten nördlich von Dublin bei Drogheda. Das war der Beginn meiner Recherchen, dort hatten wir im Appartement meines Freundes Gerd (mit einer irischen Frau verheiratet) den Unterschlupf bekommen, um auf mehreren Reisen erste Geschichten zu recherchieren. Das war einfach nur grandios. Ob Newgrange, Battle of the Boyne, Cooley Mountains, Skerries, ... Alle geschichtlichen Highlights sind hier hautnah zu spüren. Und der ewig lange Strand bei Termonfeckin war der Anker zum Luft holen, zum Abspannen, zum Mondaufgänge bei Guinness erleben. Das bleibt irgendwie im emotionalen Gedächtnis erhalten.

Der zweite Ort liegt genau entgegengesetzt weit im Süd-Westen: Portmagee. Jenseits des Ring of Kerry ist da ein kleiner Fischerort mit Brücke zu Valentia Island und einem Pub, das seinesgleichen sucht. Die Bridge Bar, das Moorings Gästehaus und das Restaurant unter der Führung von Gerard ist für mich emotional eng mit Musik und Sessions (selbst dort mit meiner Fiddle gespielt), unmittelbarem Kontakt zu den Einheimischen, gutem Essen und Ausspannen verbunden. Ich habe für diesen Ort bislang so viel „Wind“ gemacht, dass jetzt sogar Scouts von Filmteams aus Deutschland vor Ort sind, Tourism Ireland Preisausschreiben mit Aufenthalten im Moorings veranstaltet und immer mehr Leser genau dort hin fahren. Und die Leser-Zuschriften entsprechen genau meinen eigenen Erlebnissen und Einschätzungen."

PS: Die neue Ausgabe der Irland Edition wird am 1. September erscheinen. Erhältlich im Bahnhofsbuchhandel oder direkt beim Verlag der Irland-EditionAb morgen gibt es hier im Irland-Blog übrigens wieder aktuelles Normal-Programm.


Samstag, 14. August 2010

Irland-impressionen (11): Lieblingsort Dinis Cottage

Die Texterin und Autorin Esther Grau bereiste Irland im Juni dieses Jahres bei bestem Sommerwetter und fand ihre Lieblingsorte. Besonders angetan haben es Esther der Killarney National Park und vor allem Dinis Cottage, das ehemalige Jagdhaus aus dem 18. Jahrhundert, das am Ufer des Muckross Lake liegt. Esther schreibt dazu:
Lieber Wanderer,
Ihren Blog habe ich als Urlaubsvorbereitung nützlich gefunden und besuche ihn auch jetzt noch regelmäßig als schöne Nachlese. Gerne folge ich daher Ihrem Aufruf, eigene irische Erlebnisse zu teilen.
Irland durfte ich im Juni 2010 bei dem unwahrscheinlichem  Sommerwetter kennenlernen, das sich an Kerrys Küsten wie Urlaub am Mittelmeer anfühlte. Im Killarney Nationalpark entdeckte ich bei einer Wanderung um den Muckross Lake nicht nur eine erstaunliche Baumvielfallt, sondern auch ein Zeitzeugnis der besonderen Art:  Im Dinis Cottage irritierten zunächst  die zahlreichen Kritzeleien auf den Fensterscheiben. Auf den zweiten Blick entpuppten sie sich aber als historische Graffiti von Besuchern aus dem 18. und 19. Jahrhundert!  Die eingeritzten Namen und Jahreszahlen beweisen, wie lange dieser gemütliche Tea Room mit Seeblick schon als Ausflugsziel geschätzt wird."
Danke, Esther. Esther Grau´s Fotos zeigen die historischen Kritzeleien in Dinis Cottage (oben) und den Ausblick von der Old Weir Bridge ganz in der Nähe. 



Freitag, 13. August 2010

Irland-Impressionen (10):
Lieblingsort Poulnabrone Dolmen

Der deutsch-irische Musiker und Autor Patrick Steinbach aus Neu-Isenburg zählt den Poulnabrone Dolmen im Burren in County Clare zu seinen Lieblingsorten. Patrick schickte uns einige Zeilen zu unserer Irland-Sommer-Serie:

"Ich finde deine Aktion, dass Irlandfans bei dir etwas veröffentlichen können, sehr schön. Jeder Irlandurlaub hinterlässt irgendwelche Spuren in der Seele. Meist sind es ja ganz ähnliche Erfahrungen, welche die Leute machen…es hat immer auch etwas damit zu tun, dass man auf sich selbst zurückgeworfen wird… Was gibt es nicht schöneres, als das Gefühl von „Einsamkeit“ mit anderen zu teilen? Viele Liebe Grüße … und mache bitte weiter so. Patrick Steinbach."

Zu seinem Lieblingsort schreibt Patrick Steinbach in seinem 2009 erschienen Buch "Fahrtwind": "Er ist wohl der meistfotografierte Dolmen in Irland. Auch wenn dieses prähistorische Relikt nur knapp hundert Meter neben der R480 liegt, so kann es doch passieren, dass man geradewegs daran vorbeifährt. Es gibt herrliche Postkarten, die den Dolmen bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang zeigen. Grandios in Szene gesetzt im Gegenlicht mit violett strahlenden Wolkenbändern im Hintergrund. Ein uraltes Monument, das alle Wirren überstanden hat und nun als stiller Zeuge einer Zeit zum Staunen und Rätseln einlädt, über die wir fast nichts wissen. Wesentlich älter als die Kreisanlage Stonehenge in England und auch älter als die ägyptischen Pyramiden verweigern die zum Teil Tonnen schweren Steinplatten jede Auskunft. Eine Deckplatte wird von vier seitlich in der Erde stehenden Wänden getragen. Lange wusste man nicht, wozu der Dolmen diente. Doch entdeckten Forscher mit der Zeit immer mehr Indizien, die nur einen Schluss zuließen:
Es ist eine Totenkompostierungsanlage. Hier sollen einmal ranghohe Verstorbene eines Clans zur letzten Ruhe gebettet worden sein. Dann wurde der Dolmen komplett mit Erde zugeschüttet. Es muss also zu einer Zeit in Gebrauch gewesen sein, in der die Erosion noch nicht so fortgeschritten war. Nach einem Jahr wurde die Erde entfernt, der Verstorbene war offensichtlich wieder von Mutter Erde aufgenommen worden. Wegrecycelt.

Es ist fast unmöglich ein Foto von dem Dolmen zu machen, auf dem nicht irgendwelche Touristen zu sehen sind. Der Parkplatz neben der Straße hat Platz für zwei Busse. Es ist ein wirklich mystischer Ort, dem leider allzu schnell die Mystik abhanden kommt, weil es mittlerweile viel zu viele Mystik suchende Menschen gibt. Man kann es niemandem vorwerfen. Aber es ist schon erstaunlich, was eine Hand voll Leute anstellen kann. Den Dolmen richtig erleben tut man eigentlich nur alleine, oder mit der Freundin. Natürlich ist es besser, an solch einem Ort ganz still zu sein. Allein schon, weil man nicht weiß, ob nicht vielleicht ein paar von den alten Toten überlebt haben könnten. Wenn man den Poulnabrone Dolmen zum ersten Mal sieht, kann es sein, dass man ein wenig enttäuscht ist. Das hängt mit den tollen Postkarten zusammen, auf denen niemals irgendwelche Menschen zu sehen sind. Deswegen fehlt dem Betrachter auch ein vergleichender Maßstab.

Die meisten Bilder, die es von dem Dolmen gibt, müssen aus der Ameisenperspektive aufgenommen worden sein. Steil ragen die Steinplatten in den Himmel. Voller Ehrfurcht stellt man sich ein mehrere Meter hohes Steinmonument vor. In Wirklichkeit ist er nicht viel größer als eine Hundehütte. Natürlich darf man jetzt nicht den Respekt verlieren, nur weil einem das Ding bis zu den Hüften reicht.

Auch darf man nicht den Fehler machen und immerzu nur auf den Dolmen schauen. Die gesamte Landschaft, in der er steht, ist ja ebenso alt, genauso interessant. Wie haben sich die Menschen damals durch die Gegend bewegt? Wie weit konnte man damals in die Landschaft hineinblicken? Ich vermag es ehrlich gesagt nicht, mir vorzustellen, wie es hier vor 5000 Jahren einmal ausgesehen hat. Mitten in einem abgelegenen Wald stand auf einem kleinen Hügel ein alter Komposter aus Stein. Die Wege, die zu ihm hin und die von ihm weg führten sind längst verschwunden. Er ist als einziges Zeugnis übrig geblieben."

Wer den Cent nicht ehrt, ist auch nicht ärmer dran

Woran erkennt man, dass man in Irland ist? Noch vor zwei, drei Jahren, hätte man antworten können: Am Kleingeld, das überall herumliegt: auf den Straßen und Gehwegen, in den Supermärkten, Toiletten, den Pubs, unter Park- und Ticketautomaten. Überall konnte man die Ein-Cent, Zwei-Cent- oder Fünf-Cent-Stücke finden. Ein zu Wohlstand gekommenes Volk zündete sich nicht nur fette Zigarren mit 50-Euro-Scheinen an und sog weiße Ware durch gerollte 100-Euro-Noten – vor allem wurde man die ungeliebten, fast wertlosen Geldbeutel-Dickmacher mit einem achtlosen Fingerschnippen los.

Deutsche Kinder freuten sich regelmäßig ob der Geldfunde, deutsche Erwachsene hatten immer einen Grund zu Füßen, sich über die korrumpierte und verdorbene Lebensart der Insulaner zu erregen. Inzwischen ist in Irland auch das Kleingeld knapp geworden und ein Trend hat sich verfestigt: Man bückt sich wieder, auch nach den kleinen Roten. Wer sich 100 Mal nach einem Ein-Cent-Stück bückt, hat schon ganzen einen Euro  zusammen. Ist das etwa nichts?

Es ist nicht Nichts, aber es ist doch erbärmlich wenig. Ein lahmes Kreuz für einen Euro, lohnt sich das? Eigentlich steht die "Wer-den-Pfennig-nicht-ehrt"-Doktrin auf ganz schön schwachen Füßen. Auch wenn die Geste immer obszön wirkte: Eigentlich hatten alle Iren recht, die Ihre Geringschätzung für das Kleinstgeld mit Missachtung ausdrückten. Eigentlich sind diese kleinen Münzen, die den Euro in 20, 50 oder gar 100 Teile stückeln, ein hinderliches Relikt aus der Blütezeit der Bargeld-Wirtschaft.

Wann haben Sie wirklich zum letzten Mal ein Ein-Cent-Stück benötigt? Wirklich benötigt  - und nicht zusammengeklaubt, um den Geldbeutel zu erleichtern? Es könnte Jahre her sein. In jedem Haushalt finden sich die berühmten Kleingeldbehälter, die Cent-Gräber, die zweckentfremdeten Tassen und Einweckgläser, die Münz-Dosen und Geld-Strümpfe, die man eigentlich immer schon mal zur Bank gebracht haben wollte. Unser Kleingeld-verliebter Elfjähriger hat es tatsächlich getan: Er leerte alle bekannten und heimlichen Cent-Lager im Haus – und kam auf 2213 Münzen - mit Höchstwert 20 Cents. Erstaunlich, was sich da in nur acht Jahren an nutzlosem (?) Kleinstgeld angesammelt hat.

In der privaten Sammlung fand sich auch das abgebildete Ein-Cent-Stück: Ein Beleg dafür, dass die kleinen Roten doch nicht gänzlich nutzlos sind: Ein irischer Zeitgenosse demonstriert, dass sie immerhin als klitzekleines Werbe-Medium einen Sinn haben. . .

Donnerstag, 12. August 2010

Irland-Impressionen (9): Lieblingsort Kerry


Irland-Fans zeigen Ihre Lieblingorte: Irland Blog-Leserin Renate Klump hat ein besonderes Faible für das County Kerry, die Iveragh Peninsula und Dingle. Sie schickte uns unter anderem Fotos vom Slea Head (oben) und von der Windmühle in Blennerville, Tralee (unten). Dazu diese Zeilen: 
"Hallo Wanderer, ich sitze leider noch eine ganze Weile im Büro, bin aber Irland in „Bildergedanken“ momentan doch so nah. Von meinen mehr als tausend Bildern, die in Irland entstanden sind, konnte ich mich nicht für DAS Lieblingsphoto entscheiden. Deswegen habe ich ein paar mehr Bilder komprimiert und kurz untertitelt. Schöne Grüße nach Irland."
Danke, Renate. Wir zeigen hier 2 aus 9. Morgen gibt es weitere Lieblingsphotos von Lieblingsorten in Irland. Wer noch mitmachen möchte: Photo und ein paar erklärende Sätze einfach an info@wanderlust.ie schicken.


Mittwoch, 11. August 2010

Irland-Impressionen (8): Lieblingsort Connemara

Irland-Fans zeigen Ihre Lieblingorte: Irland Blog-Leser Thomas Hollitschke hat ein besonderes Faible für Connemara. Er schickte uns Fotos von den Maumturk Mountains (re.) und vom Glassillaun Beach (unten). Dazu diese Zeilen: 

"Du freust dich, wieder in das Land zu kommen, wo du deine " innere Heimat " gefunden hast und dir wird als "Begrüßung" so ein Schauspiel der Natur geboten. Da sind die Fragen "Was fasziniert dich an Irland oder Warum Urlaub in Irland?" schnell beantwortet. Für mich gibt es noch viele andere Facetten, die Irland liebenswert machen, wie die Mentalität der Iren, der Plausch am Straßenrand, der einfache aber schöne Gruß hinterm Lenkrad. Was aber die gewaltige Kulisse der Natur angeht, habe ich den Eindruck, dass ich eingeladen bin in eine andere Welt, wo Zeit keine Rolle spielt, wo für einen kurzen Augenblick Probleme keine Rolle spielen, wo du die Stille hörst. Du hast für einen kurzen Moment den Eindruck, du gehörst dazu, du bist zu Hause . Dieses Mysterium lässt mich seit Jahren nicht mehr los . Allein diese Erfahrung ist mir einen Urlaub wert. Wenn Du auf der Suche nach dem alten Irland bist, auf der Suche nach Ruhe und nach der Magie, die diese Insel ausstrahlt: Lass Dir Zeit und Du wirst sie finden. Slan, Thomas ."
Danke, Thomas. Morgen gibt es weitere Lieblingsphotos von Lieblingsorten in Irland. Wer noch mitmachen möchte: Photo und ein paar erklärende Sätze einfach an info@wanderlust.ie schicken.



Dienstag, 10. August 2010

Irland-Impressionen (7): Der Strom der Zeit

Das Black Valley, das Schwarze Tal, liegt in Kerry, im Schatten der höchsten Berge Irlands. Spötter wollen wissen, dass das Tal seinen Namen bekommen hat, weil es erst im Jahr 1976 ans Stromnetz angeschlossen wurde. Tatsächlich gilt das Black Valley als die Gegend, die als letzte Irlands in den Genuss von elektrischem Strom kam. Das ist gerade einmal etwas mehr als drei Jahrzehnte her.

Während der Wohlstand nach europäischem Standard in weiten Teilen der Grünen Insel Einzug gehalten hat, gibt es da und dort noch immer einzelne Häuser, in denen Menschen ohne die Vorzüge der Elektrizität auskommen. Man findet sie in den entlegenen Gegenden des Landes, hoch oben in den Bergen und weit draußen auf den zahlreichen kleinen Inseln. In einer Zeit, da wir allgegenwärtiges Breitband-Internet und uneingeschränkte Mobilität für genauso selbstverständlich halten wie Strom, erscheint uns ein Leben ohne jederzeit verfügbare Energie unvorstellbar weit entfernt. Die Vorstellung könnte auf einer Täuschung beruhen.

Die Theorie von "Peak Oil" und vom Ende des billigen Erdöls prognostiziert gravierende Engpässe in der Energieversorgung schon in wenigen Jahren.

Montag, 9. August 2010

Irland-Impressionen (6): Tierischer Männer-Sport

Was dem Spanier der Stierkampf und dem Texaner das Mustang-Reiten, das ist dem Iren das Schaf-Scheren. Im Ferienmonat August feiern viele Dörfer ihre Family Fun Days und Sommer-Festivals, und der Schafscher-Wettbewerb gilt im ländlichen Irland noch immer als fester Bestandteil der Dorfsause. Harte Männer demonstrieren ihr Geschick als Schaffriseure – es kommt darauf an, das Tier möglichst schnell aus dem Pelz zu schneiden.

Zart besaitete Städterinnen kritisieren das Männlichkeits-Ritual bisweilen als grob und bedauern die "armen Schafe" wegen der Schnittwunden. Bei aller Aufregung: DIe Tiere dürften sich nach der Behandlung befreit fühlen. Weil der Preis für Schafwolle am Boden liegt, werden viele Schafe derzeit gar nicht mehr frisiert – was ihnen das Leben in den Bergen und auf den Weiden schwer erträglich macht.
















Erleichtert: Schafe nach der Behandlung. Fotos: Eliane Zimmermann

Sonntag, 8. August 2010

Geschichten aus dem Glen: Der alte Redakteur

Eine Landspitze im Süden Irlands. 23 Grad, Sonne. Ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Die Welt auf der Landspitze, die nach einem erdnahen Körperteil benannt wurde, ist in Ordnung. Ein Bauer sieht nach seinen Vollblütern, der Ferienhaus-Besitzer aus England verbrennt seine Gartenabfälle. Die Kühe verdauen beim Dösen. Der alte Redakteur ist zufrieden. Das Gras um sein Haus ist sauber geschnitten, die Hauswände strahlen in makellosem Weiß. Er hat seinen Frieden gemacht.

Gerade hatte er den Herrn Botschafter aus dem fernen Dublin zu Gast. Die Nachbarn nehmen Anteil: Der Whiskey und der Weißwein flossen reichlich, fröhlich wars. Die Nachbarn wissen Bescheid, ohne dabei gewesen zu sein. Mit seinem großen Widersacher aus den Zeiten vor der Jahrtausendwende fährt der alte Redakteur heute regelmäßig fischen. Und über die alten Geschichten, die "Headlines from Headlands" ist fast schon das Gras gewachsen. Das Leben ist gut.

Früher hatte der Redakteur aus Deutschland von seinem Ferienhaus auf den Klippen das Leben auf der Landspitze akribisch nach wahren Geschichten abgesucht. Er fand sie zur Genüge und er berichtete über das süße Leben der irischen Farmer und die fetten Fördertöpfe der EU in Brüssel, die nur darauf warteten, fachgerecht geleert zu werden. Der Redakteur hielt den listigen Farmern von Irland gerne den Spiegel vor. Den Bauern aber gefiel nicht, was sie darin sahen: beutegierige Raffzähne.

Die Bauern fingen an, dem Redakteur zuzusetzen, denn der störte mit seinen Indiskretionen den ruhigen Gang der Dinge im Dorf – und er kannte keine Grenzen: Seine Jagdleidenschaft trieb ihn gerne auf fremde Felder, wo er zum Entsetzen der Nachbarn auf Hasen, Kaninchen, Enten und Füchse ballerte. Auf alles, was sich bewegte, so sagte man. Harmonie sah anders aus. Am Ende musste sich die Regierung sogar mit der Angelegenheit beschäftigen, der irische Landwirtschaftsminister  fluchte auf den armen Redakteur – und der  Botschafter im fernen Dublin hatte alle Hände voll zu tun, um die Wogen zu glätten.

Das waren die Zeiten, als ein deutscher CDU-Minister ("Die Rente ist sicher") auf der Landspitze in Irlands Süden während einer feucht-fröhlichen Sause zur Begeisterung seiner Begleiter auf dem Autodach tanze. Es waren die Zeiten, als zwei junge Menschen aus Berlin an den Klippen des Headlands spurlos verschwanden und bis heute nicht mehr auftauchten.

Es ist Sommer auf den Headlands im Süden Irlands. Stille. Nur dann und wann der Ruf eines Rindviehs, das Geräusch eines Urlauberautos, das den Weg hinauf zum alten Turm sucht. Es ist Sommer. Das Leben ist gut.

Freitag, 6. August 2010

The Luck of The Irish - Irland vom Glück verlassen?

Vor kurzem schrieb eine deutsche Hauptstadt-Zeitung in einem Beitrag über Irland von der "Insel der Unglückseligen". Die Überschrift spielte mit einen bekannten Begriff: "The Luck of The Irish". Das "Glück der Iren", ist eine gebräuchliche Rede-Wendung der englischen Sprache – und sie schmeichelt den vermeintlich Glücklichen nicht.

Irland hat schon glücklichere Tage gesehen. In einer Zeit, da sich die Volkswirtschaften Europas allmählich vom Schock der ersten Weltwirtschaftskrise des 21. Jahrhunderts erholen, geht es auf der Grünen Insel kontinuierlich weiter bergab: Steigende Arbeitslosenzahlen, sinkende Einkommen, Auswanderung. Ist den Iren das Glück mal wieder abhanden gekommen?

"The Luck of The Irish" war nur ein Jahrzehnt lang ein ehrlich verwendeter Begriff: Als der Keltische Bau-Tiger noch röhrte, schrieben die Wirtschaftszeitungen anerkennend vom "Glück der Iren" – und sie zollten den zu so schnellem wie flüchtigem Wohlstand gekommenen Westeuropäern Respekt.

Davor hatte der in den USA geborene Begriff "The Luck of The Irish" eine ironisch-verächtliche Bedeutung. Den im amerikanischen Gold- und Silberrausch des 19. Jahrhunderts besonders erfolgreichen Iren beschieden Neider, sie hätten "das Glück der Iren" - das Glück der Dummen.  Im Deutschen ähnelt das Sprichwort vom dümmsten Bauern, der die dicksten Kartoffeln erntet, dem englischen Begriff.

Ironisch mutete "The Luck of The Irish" vor allem angesichts der tragischen irischen Geschichte von 1000 Jahren Besetzung, Armut und Unterdrückung an. Der um das Wohl der Welt besorgte John Lennon sah sich berufen, die semantische Bedeutung des Spruches in seinem Lied "The Luck of The Irish" zurechtzurücken. Lennons Song aus dem Jahr 1972 sagt: "If you had the luck of the Irish / You´d be sorry and wish you were dead / You should have the luck of the Irish / And you´d wish you was English instead."

Wünschen wir den Iren, dass sich das Glück auf der Insel bald wieder dauerhaft niederlässt - das nächste Mal vielleicht zusammen mit den ständigen Begleitern Achtsamkeit, Anmut, Nachhaltigkeit und Respekt.

Donnerstag, 5. August 2010

Irland-Impressionen (5): Der Sommer ist zurück

Sommerzeit ist Badezeit, für manche auch Campingzeit. Szenen vom Ballydonegan Beach, einem kleinen Strand in Allihies, West Cork. Der Sommer ist zurück in Irland. Temperaturen um 20 Grad drängen das Bad im kühlen Atlantik zwar nicht auf, lassen es aber angenehm erscheinen.
Schwimmer im Atlantik: Das müssen irische Extremsportler oder Urlauber vom Kontinent sein.

Einzig-artiger Wohnwagen Marke Eigenbau: "Ich war ein Molkerei-Container".

Mittwoch, 4. August 2010

Irland-Impressionen (4): Das Miniatur-Pub


Martina ist Krankenschwester und lebt mit ihrer Familie in Ingolstadt. Würde man die Mutter von zwei Söhnen fragen, ob sie in Irland ein traditionelles Irish Pub einrichten könnte: Die Antwort wäre ja. Martina hat die Einrichtung des Pubs, die Accessoires, den Trödel und Tand, die Zapfsäulen und die Möblierung dieser irischen Institution akribisch genau studiert wie kaum jemand.

Die 42-jährige hat nämlich zwei große Leidenschaften: Die eine ist Irland, die andere der Modellbau. Was also lag näher, als die eine mit der anderen zu verbinden und ein irisches Pub im Mini-Format zu bauen? Martina kreierte vor zwei Jahren ihre Irland-Kneipe im Maßstab 1:12, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Hobby-Miniaturistin sagt von sich, dass sie gerne öfter in Irland wäre, als es ihr möglich ist. So ist das Mini-Pub auch ein Stück Materie gewordene Sehnsucht – und eine Liebeserklärung an die Grüne Insel. Danke Martina, für den schönen Beitrag zu den Irland-Impressionen 2010. Wer sehen will, was Martina noch alles bastelt, kann das auf ihrer Website Martinas Hobbies tun. Und wer uns seine eigene Irland-Impressionen schicken will: Gerne auf info@wanderlust.ie.

Dienstag, 3. August 2010

Iren laufen 32 Marathons in 32 Tagen in 32 Counties

Laufen und Leiden für einen guten Zweck: Eine ganz besondere Spenden-Sammelaktion ging gestern nach 32 Tagen in Mullingar im County Westmeath erfolgreich zu Ende. Gerry Duffy und Ken Whitelaw sammelten in einer spektakuklären und schmerzhaften Langstrecken-Aktion eine halbe Million Euro Spenden für die "Irish Cancer Society" und "Autism Action Ireland" ein. Die beiden Männer waren an 32 Tagen 32 Marathons gelaufen - einen in jedem der 32 Counties in Irland. Nach über 1.350 Kilometer Strapazen erreichten der 42- und der 30-jährige Runner ihre Heimatstadt Mullingar erschöpft und um etliche Kilo leichter.

Der Fundraiser des dauerlaufenden Duos hatte in Irland viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen – Ken und Gerry wurden jeden Tag von einem Pulk von Läufern begleitet, darunter auch zahlreiche Promis wie  Ryanair-Chef Michael O'Leary.  Die Inspiration für den 32-fachen Marathon hatten sich die beiden Läufer von Utlra-Marathon-Man Dean Karnazes, einem lauf-verrückten Superlangstreckler aus den USA geholt. Chapeau, Gerry und Ken!

Vereine, Einrichtungen und Initiativen in Irland sind bei der Geldbeschaffung schon immer auf viel Eigeninitiative angewiesen. Während man in Deutschland mal eben einen Zuschuss-Antrag bei Stadt, Land oder Sportbund stellt, wird auf der Insel vor allem auf Eigeninitiative gesetzt: Fundraising ist ein ausgeklügelter Massensport und die Leute, die es mit Sammelbüchse und Los-Block auf unser aller Geld abgesehen haben, gehören zum irischen Alltag.

Die Fotos zeigen leidende Halbmarathonläufer beim Bay-Run. Fotos: Good News Medien.

Montag, 2. August 2010

Wandern ist eine Form des Seins


"Happy in this, that I with nature walked
Not having a too early intercourse 
With the deformities of crowded life . . ."
(William Wordsworth)

William Wordsworth wanderte in seinem langen Leben schätzungsweise 300.000 Kilometer. Als einer der ersten beschrieb der große englische Poet des 18. Jahrhunderts das Wandern nicht als eine Art des Reisens sondern als eine Form des Seins. 

Der Wanderer ist in dieser Woche unterwegs in den Bergen Irlands – und wünscht entspannte erste August-Tage.

Sonntag, 1. August 2010

Dancing at Lughnasa – oder die Ehe auf Probe

Der Sommer schreitet fort, die Früchte reifen, das Getreide wird gemäht, und kaum merklich werden die Abende wieder kürzer. Lughnasadh (sprich: LuNAsa), auch Lúnasa, Lugnasad, in Schottland Lunasdál, das erste Herbst- und Erntefest rückt heran, das die Kelten am 1. August feierten. Der Name leitet sich von dem Sonnen- und Lichtgott Lugh ab, dessen Verehrung im keltischen Kulturkreis weit verbreitet war. Der Legende nach stiftete Lugh dieses Fest zu Ehren seiner Ziehmutter Tailltu (die "Große der Erde"), in Telltown am Blackwater River im Co. Meath. In diesem altkeltischen Kultzentrum gab es dabei auch Wettkämpfe unter den Poeten und einen großen Markt. 


Tailltiu hatte ihre Existenz dem Weiterleben des irischen Volkes geopfert, dies Fest sollte ihr Gedenken sein. Es hieß, solange Lughnasadh in Irland gefeiert werde, solle die Insel niemals ohne Lieder sein... An der N3 zwischen Kells und Navan kann man heute noch alte Erdwälle und einen heiligen Berg besuchen und archäologische Funde aus der Zeit um 2.000 v.u.Z. entdecken. Ähnliche Feste finden sich auch in Cornwall, in Frankreich, in der Schweiz und in Italien. 

Während bei anderen keltischen Feiern oft das Jenseits und die Spiritualität der Druiden eine Rolle spielte, war Lughnasadh ein Fest des Diesseits, des Königs und seiner weltlichen Macht. Das Fest sollte Frieden, Überfluss und Sicherheit symbolisieren, und alle Gesellschaftsklassen nahmen daran teil. Deshalb fanden auch keine möglicherweise tödlichen Zweikämpfe statt: zu diesem Fest kam man ohne Waffen. 


Der König wird als Landesvater gefeiert, er überwacht die Pferderennen und sportlichen Wettbewerbe ("Tailltean games"), hält juristische Beratungen ab, und nach dem Druidenfest des ersten Mai (Beltane) und vor dem militärischen Samhain im November  ist dies ein politisches Fest, das der guten Regierung huldigt. Die königliche Kraft wird jetzt als am größten angesehen, und sie wird für die beginnende Erntezeit gebraucht. Nun wird die Grundlage dafür geschaffen, die kommenden dunklen Monate gut zu überstehen. 

Lughnasadh war einer der Festtage, an denen Ehen geschlossen wurden, die nach keltischem Brauch nach einem Jahr wieder gelöst werden konnten, falls sie sich als problematisch herausstellten. Keiner der Ehepartner ging ein Risiko ein, denn weitgehend wurde Gütertrennung praktiziert und nachgehalten, wer was in die Ehe mit eingebracht hatte. Dieser Brauch soll sich in Irland bis ins 16. Jahrhundert gehalten haben. Lughnasadh bezeichnete auch den Beginn der Jagdzeit, und die Jäger sammelten Kräfte für die damals oft noch gefährliche Jagd. 

Symbolisch wurde vom ersten geschnittenen Getreide ein Brot gebacken, das die Form eines kleinen Kornkönigs haben konnte. Die Botschaft hieß: Der Korngott gab zwar die Früchte, aber die Menschen mussten sich auch dafür einsetzen und sie ernten. Im Volksmund hieß das Fest auch Bilberry oder Blueberry Sunday, weil man an diesem Tag auf den nächsten Lughnasadh Hill stieg und die Heidelbeeren sammelte; in grauer Vorzeit wurde ein Teil davon als Tribut an den Hochkönig geschickt. Gab es reichlich Beeren, würde die ganze Ernte gut ausfallen. 

Das letzte Lughnasadh mit Poesie-Wettkämpfen und allem Drum und Dran ist für das Jahr 1169 unter dem letzten Hochkönig Ruraigh Ó Conchobar belegt. Die Sportveranstaltungen hielten sich bis ins 18. Jahrhundert, der Markt wurde bis 1806 abgehalten. Das Christentum hatte interessanterweise kein Interesse daran, das Fest abzuschaffen, sondern betonte seine friedfertigen und wohltätigen Tendenzen. Es wurde in "Lammas" (Brot-Messe) umbenannt, es gab Umzüge, und die Felder wurden gesegnet. Die Teltown Games wurden in den 1920er Jahren vorübergehend wieder belebt; die "Highland Games" in Schottland finden immer noch jedes Jahr in August statt. Der heutige Kalender bezeichnet im irischen Gälisch den ganzen August mit "Lúnasa". 

Auch die Kinowelt bediente sich der irischen Tradition: Der Spielfilm "Dancing at Lughnasa" (1998) unter anderem mit Meryl Streep und Michael Gambon zeigt den Zerfall einer irischen Familie im Lauf des Sommers 1936. 


Autorin dieses Beitrags: Nicola


Aus dem erwähnten Film stammen die Photos (Sony Pictures 1998) der fünf Mundy-Schwestern, die einen kurzen Sommer der Gefühle im County Donegal des Jahres 1936 durchleben.

IMPRESSUM

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