Sonntag, 28. November 2010

Diese Woche in Irland: Auflösungserscheinungen



Das Wichtigste auf einen Blick: Was in der vergangenen Woche in Irland geschah, steht heute in unserem Wochenrückblick. Irland Blog-Autor Dirk Huck berichtet aus Dublin über politisch und menschlich schwere Tage auf der Insel.





Irland offiziell pleite

Nach Griechenland nun auch Irland: Am Sonntag bat Irlands Regierung offiziell um finanzielle Hilfe. Es geht um ein etwa 80 bis 95 Mrd. Euro schweres Rettungspaket, das EU und der Internationale Währungsfond bereitstellen sollen. Damit begibt sich Irland in die finanzielle Abhängigkeit von EU und IWF. Mit den Folgen der Schuldenkrise wird das Land noch über Jahre hinweg zu kämpfen haben.

Auflösungserscheinungen der Regierung

Der finanziellen Bankrott-Erklärung folgte die politische Bankrott-Erklärung: Unmittelbar nach dem Eingeständnis der Zahlungsunfähigkeit der Regierung kündigte die Green Party, der kleine Koalitionspartner von Regierungspartei Fianna Fáil, an, sich aus der Koalition zurückzuziehen. Damit verliert die Regierung ihre ohnehin knappe Mehrheit im Parlament. Premier Brian Cowen kündigte daraufhin an, Anfang nächsten Jahres die Regierung aufzulösen und vorgezogene Neuwahlen abzuhalten.

Austritt mit Baby-Geschrei

Bei der Pressekonferenz der Green Party, auf der sie ihren Austritt aus der Koalition verkündete, sorgte der Abgeordnete Paul Gogarty für einen Eklat. Er brachte seine achtzehn Monate alte Tochter mit zur Konferenz. Gogarty rechtfertigte sich damit, dass die Pressekonferenz kurzfristig einberufen wurde und er keinen Babysitter mehr auftreiben konnte. Kritiker warfen ihm ein der Bedeutung der Pressekonferenz und der Tragweite der verkündeten Entscheidung unangemessenes Verhalten vor. Zudem habe er für sich ein Sonderrecht in Anspruch genommen, das viele Eltern mit kleinen Kindern nicht haben.

Sparprogramm vorgestellt

Mitte der Woche stellte die Regierung ihr Programm vor, mit dem sie in den nächsten vier Jahren die Deckungslücke im Haushalt schließen will. Ausgabenkürzungen bei der Sozialhilfe, Stellenabbau im Öffentlichen Dienst und Steuererhöhungen sind die wesentlichen Punkte. Die Einschnitte gehen tief. Im Schnitt muss jeder Haushalt mit jährlich etwa 4.600 Euro weniger auskommen. Das Sparprogramm muss noch von EU und Parlament abgesegnet werden, bevor es am 7. Dezember offiziell verabschiedet werden kann.

Irlands Schattengesellschaft meldet sich zurück

Am Mittwoch meldete sich das organisierte Verbrechen eindrucksvoll zurück. Im Dubliner Stadtteil Finglas wurden am späten Abend zwei junge Männer an einer Tankstelle mit mehreren Schüssen regelrecht hingerichtet. Die Täter waren zehn Minuten vor ihren Opfern an der Tankstelle eingetroffen und eröffneten sofort das Feuer, als diese ihren Wagen betankten. Anschließend entkamen die Täter in ihrem Fluchtfahrzeug. Die Polizei rätselt über das Motiv des Anschlags. Unklar ist noch, ob die beiden Opfer Kontakte zur Drogenszene hatten. Der Vorfall zeigte einmal mehr, dass Irland außer einer Schuldenkrise noch andere große Probleme hat.

O' Switched Is

Mit einem kleinen Festakt vor dem General Post Office in Dublin wurde am Sonntag offiziell die Weihnachtssaison eröffnet. In den Einkaufsstraßen wurde die Weihnachtsbeleuchtung angeschaltet, einfallsreich dekorierte Schaufenster sollen die Käufer animieren. Der Einzelhandel erzielt ein Drittel seines Umsatzes über das Weihnachtsgeschäft.



80 days frost, 30 days snow

Irland steht ein langer Winter bevor. Der Wetterdienst sagt achtzig Tage Frost mit dreißig Tagen Schnee voraus. Zum Ende der Woche hin fielen die Temperaturen deutlich. Am Sonntagmorgen erwachte Irland tatsächlich unter einer weißen Decke - es war der früheste Wintereinbruch seit siebzehn Jahren. Anders als im Vorjahr, als "The Big Freeze" das Land fast lahm legte, zeigte sich Irland diesmal besser vorbereitet: Auf den meisten Straßen war rechtzeitig gestreut worden. Verkehrsminister Noel Dempsey betont, dass man diesmal genügend Vorräte an Streusalz hat.
Die Regierung zeigt, dass sie durchaus lernfähig ist. Schade nur, dass es bald schon eine neue Regierung gibt und alles wieder von vorne anfängt.






Der Autor: Dirk Huck. Wer mehr von Dirk lesen will:
Hier schreibt er seinen Blog.

Samstag, 27. November 2010

Ein früher Wintereinbruch mit Schnee in Irland


Während tausende Menschen zu Protestmärschen gegen die aktuelle desolate Lage im Zentrum Dublins erwartet werden, verbündet sich Petrus mit den Politikern: Es wurde der früheste Schneefall seit 17 Jahren registriert. So werden denn sicherlich weniger Protestler kommen, als erhofft, denn nicht nur in der Hauptstadt herrschen Verkehrsprobleme. Außer in der Südwest-Provinz Munster  ist es eisig kalt, windig, rutschig und noch mehr Schnee wird erwartet. Besonders gewarnt wird vor dem gefährlichen "black ice" das in windig-kalten Kurven die winterunerfahrenen Autofahrer mit ihren platt gefahrenen Sommerreifen überrascht. Denn selbst wenn jemand Winterreifen aufziehen möchte, wird er sie fast nirgendwo kaufen können.
Der Südwesten brilliert weiterhin mit blendendem Sonnenschein, noch nicht einmal der manchmal winterlich überpuderte Zuckerhut, der über Glengarriff (Sugar Loaf Mountain) thront, erfreut sich einer adventlichenVerzierung, auch blühen noch etliche Rosen.
Der Wanderer erkundet derweil die Schneehöhen des heimatlichen Schwarzwaldes und meldet sich in den nächsten zehn Tagen nur sporadisch.

Mittwoch, 24. November 2010

Der neue Trend: Irland sucht die Super-Sparer

Was tun, wenn Arbeit und Geld knapp werden? Irland schnallt derzeit den Gürtel enger. Ganz groß in Mode sind Reminiszensen an die guten (?) alten Tage, als Irland ein armes Land war, als aber die meisten Irinnen und Iren noch wussten, wie sie mit wenig Ertrag in Würde überleben konnten. Überlebens- und Spar-Rezepte nun die Renner in den Medien, und die irischen Radio-Shows haben ein neues Lieblings-Thema: Wie können wir Geld sparen? Welche Tricks habt Ihr drauf, liebe Landsleute, um die große Krise mit Stil zu überstehen?

Es ist in der Tat große Unterhaltung, was sich die Leute auf der Insel alles einfallen lassen, um das Geld zu sparen, das sie nicht mehr haben: Da werden die Eier im Teewasser mit gekocht, da werden Kinder wieder im Badewasser der Eltern gesäubert (wehe, wer in der Hackordnung zuletzt in die lauwarme gräuliche Badelauge steigen muss),  da wird der Teebeutel schon mal zweimal aufgebrüht.

Andere führen beim Tanken ein Kännchen mit sich, um die letzten Tropfen aus dem Zapfschlauch zu schütteln. Beliebt ist an der Tanke auch, den runden Betrag um zwei oder drei Cents zu übertreffen und auf die irische Großzügigkeit zu hoffen, dass die Cents nicht einkassiert werden. Wieder andere kaufen zwei Liter Vollmilch und strecken sie mit einem Liter zu fettarmer Milch. Natürlich kennten die irischen Erawchsenen von den Altvorderen noch all die Rezepte aus den Zeiten, als in den Küchen der Insel Schmalhans regierte.

Urplötzlich wird nun im Land der Individual-Motoristen das Car-Sharing populär, nicht zu reden vom lange als assozial stigmatisierten Busfahren. Und tatsächlich vergleichen Paddy und Mary jetzt Preise, bevor sie kaufen. Das galt viele Jahre als verpönt. Man hatte es nicht nötig, nach Preisen zu fragen, man kaufte einfach im erstbesten Geschäft und hielt sich nicht lange an den lästigen Preisen auf. Dass in irischen Haushalten neuerdings auch die Küche wieder vermehrt zum Kochen benutzt wird, dass nicht täglich Fleisch satt auf dem Teller liegen muss, dass die Nahrung wieder verstärkt aus dem eigenen Garten kommt und dass der gute alte Holzofen wieder in Betrieb genommen wird: Das sind die weniger bizarren Seiten der Sparwelle.


The times they are a changing. Warum auch nicht. In vielerlei Hinsicht kehrt in der irischen Gesellschaft wieder die Vernunft ein, die ein Jahrzehnt lang völlig abgetaucht war. Eine ökonomische Vernunft, die auch nach dem Morgen fragt. Es stimmt schon: Die Krise ist immer auch eine Chance.

Dienstag, 23. November 2010

Alles ist gut – zumindest am Himmel über Irland

22. November. Sonnenuntergang über der Beara Peninsula, West Cork.
Staat pleite weil Banken pleite, Souveränität erst einmal futsch, Regierung so gut wie weg. Was kommt als nächstes? Irland atmet durch. Langsam, tief und ruhig. Der Frost regiert auf der Insel, blauer Himmel, kaltes kontinentales Hochdruckwetter vom Feinsten, kaum ein Wölkchen am Himmel, Wintersonne. Schönheit, Klarheit, Erhabenheit. Innehalten für einen Augenblick: Inmitten des großen Zeterns und Lamentierens über den Zustand des Landes rät eine Anruferin im Radio ihren Landsleuten: "Geht hinaus, schaut, freut Euch an an unserem wunderschönen Land, es ist alles gut".

Die Venus steht funkelnd am Morgenhimmel, übergroß, als käme sie der Erde endlich entgegen; der  Abend brilliert mit einen hinreissenden Sonnenuntergang über dem Atlantik. Der Erleuchtung ist es egal, wie Du sie erlangst, und die Sonne sorgt sich nicht wegen einem 100 Milliarden-Euro-Finanzloch. Ein Land kommt zur Ruhe – zumindest am Himmel. Die Dame am Radio hat recht: Alles ist gut.

PS: Unsere Serie "Irlands Bäume" wird heute hier fortgesetzt.

Montag, 22. November 2010

Irlands Regierung am Ende – Neuwahlen im Januar?

Schwupp, da ist die Regierung weg. Am ersten Arbeitstag nach einem denkwürdigen Wochenende, an dem die irische Regierung sich mit Europa und Internationalem Währungsfonds auf Hilfe und Souveränitätsverzicht einigte, scheint die Regierung am Ende. Die Grünen haben heute Ihren Rückzug aus der Koalition angekündigt und fordern Neuwahlen im Januar. Die dürften kommen, denn Fianna Fail wird nun beim besten Willen keine Mehrheiten mehr organisieren können – auch wenn es die dauer-regierende Partei der "Soldaten des Schicksals" geschafft hat, sich fast zwei Jahre im klinisch toten Zustand über die Runden zu retten. Und was kommt nach? Die ebenfalls schwach aufgestellte Fine Gael dürfte eine Koalition mit der linken Labour Party suchen. Ob´s dem Land helfen wird? Hoffentlich – aber wohl kaum.

Aktualisierung: Ministerpräsident Brian Cowen kündigte heute abend an, das Parlament nach Verabschiedung des Haushalts 2011 im Januar aufzulösen und Neuwahlen auszurufen – die dann im Februar oder März stattfinden sollen. Doch wie will diese Regierung noch ein Budget durchs Parlament bringen?

Irland ist pleite – und doch sooo liebenswert

"Ihr habt gelogen, Ihr habt uns im Stich gelassen, tretet zum Wohle Irlands endlich zurück!", titelt der Sunday Independent gestern. Eine Nation entrüstet sich, denn jetzt weiß es tatsächlich jeder: Irlands Regierung hat das Wahlvolk ein ums andere Mal belogen und hinters Licht geführt. Diese Regierung muss weg, fordern die Zeitungen auf der Insel am Sonntag im Gleichklang. Die Zeit für die Fianna-Fail-Regierung Cowen-Lenihan läuft nun tatsächlich ab, und das Getöse auf der Insel über den Verlust der eigenen Souveränität und den Einmarsch der neuen "Herrscher" von IWF, EU und ECB ist groß.

"Wo bleibt da das Positive?" fragte vergangene Woche auch die Irish Times per Twitter und erhielt viele witzig-aufschlussreiche Kurz-Antworten, die wir hier gerne wiedergeben. Wer einzelne  Antworten aufgrund des irischen Idioms nicht versteht: Mail genügt, und wir übersetzen gerne: info@wanderlust.ie .

Hier die Liste, was an Irland trotz Finanzkatastrophe liebenswert bleibt:

1 @emmagination our turns of phrase – “get up the yard” “get out of that garden” “down there for dancin’”
2 @dcbedwards knowing all your cousins 4 times removed and being shamed by your mother for not knowing all their kids too
3 @SeanMcP West Cork, the sunset through the namhog bus stop at Dingle Harbour, Lough Allan flat beneath a pure blue sky
4 @mrmonty Munster Finals
5 @ChristinaMcS The ritual “no thanks I’m grand I’m only after a cup” followed by “well if you’re having one yourself”
6 @homeopath Everyone’s got a party piece
7 @lightnessalways The book of Kells, Cliff of Moher, Phoenix Pk, Glendalough, National Stud, Japanese Gardens, Shannon, Ceide fields
8 @SimonPRepublic Where you can still watch a Western during prime time Friday night telly
9 @ killianormo Six degrees of separation for the world, two for the Irish!
10 @greenscribbler Community – People will always know and remember you no matter how long you have been away

Sonntag, 21. November 2010

Diese Woche in Irland: Dramen und Tragödien



Das Wichtigste auf einen Blick: Was in der vergangenen Woche in Irland geschah, steht heute in unserem Wochenrückblick. Irland Blog-Autor Dirk Huck berichtet aus Dublin über politisch und menschlich schwere Tage auf der Insel.




Schuldenkrise

Irlands Finanzprobleme beherrschten die Schlagzeilen im In- wie im Ausland. In dieser Woche spitzte sich die Krise zu. Weil immer mehr Spekulanten davon ausgehen, dass Irland bald zahlungsunfähig ist, stiegen die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen auf das Rekordniveau von 9%. Damit wird es für das mit akuten Geldsorgen kämpfende Irland künftig noch schwerer, sich Geld zu leihen. Irland wird bereits als nächster Pleitekandidat der Euro-Zone nach Griechenland gehandelt.

Die EU befürchtet, eine Pleite Irlands könnte eine dramatische Kettenreaktion auslösen. Die Stabilität des Euro ist bedroht. Die EU drängt Irland, die vom Internationalen Währungsfond (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) bereit gestellten Finanzhilfen anzunehmen. Doch Irland stellt sich stur. Am Donnerstag reisten Finanzexperten der EZB und des IWF nach Dublin, um über die nächsten Tage mögliche Hilfsmaßnahmen mit der irischen Regierung zu besprechen.


Politische Krise

Die Finanzkrise entwickelt sich langsam auch zu einer politischen Krise. Die Ankunft der Experten vom IWF und EZB sorgte für Unruhe unter den Abgeordneten der Regierungspartei Fianna Fáil. Mitte nächsten Jahres steht die Neuwahl des Parlaments an. Viele Abgeordnete von Fianna Fáil sehen ihre Felle davon schwimmen, wenn ihre Partei mit dem Stigma des Bail-outs antreten muss. Parteichef und Premierminister Brian Cowen verliert immer mehr an politischem Boden, Rufe nach vorgezogenen Neuwahlen werden immer lauter.

In einer aktuellen Umfrage ist Fianna Fáil weiter abgestürzt und liegt nur noch bei 17 Prozent. Dieses Wahlergebnis würde bedeuten, dass die Partei fast die Hälfte ihrer Abgeordneten im Parlament verliert. Die Oppositionsparteien Fine Gael und Labour liegen bei starken 33 Prozent und 27 Prozent.


Familienkrise

Zwei Familientragödien durchbrachen diese Woche die Meldungen über die Finanzkrise: In der Grafschaft Cork strangulierte am Dienstag ein Vater seine beiden kleinen Töchter. Anschließend tötete er sich selbst, indem er mit seinem Wagen gegen einen Baum fuhr.

Am selben Tag fand in der Grafschaft Limerick die Polizei in einem Haus die Leichen zweier Kinder, deren Mutter und einer Freundin der Mutter. Die vier waren erstochen worden. Der Täter, ein 31-jähriger Arbeitsloser, wurde später gefasst.

Fälle dieser Art zeigen, dass hinter der ruhigen und freundlichen Fassade der irischen Gesellschaft oftmals einiges kräftig schief läuft.








Der Autor: Dirk Huck. Wer mehr von Dirk lesen will:
Hier schreibt er seinen Blog.

Samstag, 20. November 2010

Die Bäume Irlands und der Keltische Baumkreis

Bäume: Sie waren lange vor uns hier, sie sind stets um uns herum, sie sind (meist) stille Begleiter unseres Lebens; sie überdauern uns und werden hier sein, wenn längst neue Menschen-Generationen die Erde bevölkern. Werden sie? Zumindest werden sie solange hier sein wie Menschen auf der Erde siedeln. Und umgekehrt. Denn ohne sie gibt es kein menschliches Leben auf der Erde: Ohne Bäume auch keine Menschen. Die Bäume sind die archaischen Begleiter des Menschen durch die Zeiten. 

In einer neuen Serie auf dem Irland Blog werden wir die Bäume Irlands vorstellen, und wir werden fragen, welchen Bezug die keltischen Vorfahren der Iren zu den Bäumen hatten und wie die Vorstellungen vom Keltischen Baumkreis und vom Keltischen Baumhoroskop in die Welt kamen. Unsere Autorin Elisabeth Firsching aus Biedermannsdorf bei Wien wird künftig jeden Monat einen einheimischen Baum Irlands vorstellen und über seine Bedeutung im irischen Leben, im Volksglauben und in der Naturheilkunde berichten. Sie wählt die Bäume nach dem Kalendersystem des Keltischen Baumkreises aus.

Die Kelten, viel besungene und legendäre Vorfahren der Iren, die 600 Jahre vor Christus auf die Insel kamen, um dort rund 1000 Jahre lang den Ton anzugeben, gelten als ein Volk, das in Einklang mit der Natur lebte. Der Baum stand im Zentrum ihres Weltbilds. Aus der Wahrnehmung des Baum-Unniversums entwickelten sie die Ogham-Schrift und den keltischen Kalender. So zumindest interpretierte es der "Erfinder" des keltischen Baumkalenders, der Schriftsteller Robert Graves. Graves förderte mit seinen Werken ganz maßgeblich den bis heute faszinierenden Kelten-Mythos und befeuerte unsere Phantasie dort, wo wir tatsächlich wenig wissen: vom wirklichen Leben der Kelten und von ihrem Verhältnis zu den Bäumen. 


Unter den Baum-Keltologen gibt es bis heute unterschiedliche Betrachtungen des keltischen Baumjahres, doch die Kardinalpunkte stimmen überein. Insider berufen sich zuerst auf den Autor von "Die weiße Göttin" , Robert Graves (1895 - 1985), dessen Nachfahren noch heute ein prächtiges Anwesen in West Cork bewohnen. Der Literat der mit vollem Namen Robert von Ranke-Graves hieß, hat sich in seinem 1948 erschienenen Buch über "eine historische Grammatik poetischer Mythen" mit dem Thema des keltischen Baumalphabets Ogham intensiv auseinander gesetzt. Dieses Alphabet - je nach Quelle "Beth-Luis" oder "Beth-Luis-Fearn" genannt, besteht aus dreizehn Konsonanten, welche wiederum jeweils den dreizehn Mond-Monaten und eben dreizehn Bäumen und Sträuchern zugeordnet werden. Die Monate der einen Zählart erstrecken sich von Neumond zu Neumond und beginnen nach der Wintersonnenwende (längste Nacht des Jahres am 21. Dezember), bei der zweiten werden die Monate ab Samhain (die Nacht vom 31. Oktober zum 1. November) von Vollmond zu Vollmond gezählt. Die Bäume (bzw. Sträucher) im Keltischen Baumkalender sind: Birke, Eberesche, Esche, Erle, Weide, Weissdorn, Eiche, Ilex, Hasel, Weinrebe (!), Efeu, Wasserholder (Schneeball), und Holunder. 





Freitag, 19. November 2010

Ein Leben ohne Frauen und Alkohol

Gestern wurde im County Clare im Westen Irlands Paddy Gleeson beerdigt. Paddy wurde 106 Jahre alt und war damit der älteste Mann in Irland. Er starb friedlich im Krankenhaus von Tuamgraney, dem Ort, in dem die bekannte Schriftstellerin Edna O`Brien im Jahr 1930 geboren wurde.

Paddy kam 1904 zur Welt, dem Jahr der Olympischen Sommerspiele in St. Louis. In Irland führte König Edward VII die Oberaufsicht, nur fünfeinhalb Jahrzehnte nach der großen irischen Hungersnot und zwölf Jahre vor dem Osteraufstand von 1916. In jenem Jahr ´16 emigrierte Paddy Gleesons Vater nach Amerika. Vater und Sohn sahen sich nie wieder. Paddys Mutter war schon gestorben, als ihr Junge gerade einmal sechs Jahre alt war.

Eine schwierige Kindheit und Jugend als Halbwaise und Waise hinderten den Mann aus Clare aber nicht daran, ein zufriedenes und langes Leben zu führen. Im vergangenen Mai wurde der Senior an seinem 106. Geburtstag nach dem Geheimnis seiner Langlebigkeit gefragt, und er hatte eine schöne Antwort parat: "Mein Geheheimnis ist dieses: Ich war zu jedem freundlich, und so war jeder freundlich zu mir."

Vielleicht hatte Paddy Gleeson aber auch noch ein anderes Erfolgsrezept: Der Mann war "Teetotaller", überzeugter Abstinenzler. Er hatte das sogenante Versprechen abgelegt, "The Pledge", nie in seinem Leben Alkohol zu trinken – und er hielt sich nach eigenen Aussagen immer daran; Paddy war auch noch in anderer Hinsicht ein Abstinenzler: Er heiratete nie, blieb Junggeselle. Ob er mit Frau zehn Jahre mehr oder weniger gemacht hätte – wer weiß das schon?

Donnerstag, 18. November 2010

Bekennender Irland-Fan (2): Patrick Steinbach

Carrickfergus – gespielt von Patrick Steinbach und Isabelle Bodenseh

Es gibt viele Wege, die Begeisterung für ein Land auszudrücken. Der Neu-Isenburger Musiker tut es auf seine Art, die künstlerische: Der Musiker spielt irische Folk-Musik und Traditionals, er veröffentlicht Notenbücher für irische Musik – und er hat eine 400 Seiten dicke Liebeserklärung an die Grüne Insel geschrieben, das Reise-Tagebuch "Fahrtwind". Diesen Roman über eine Motorradreise durch Irland, die auch eine Reise ins Innere und in die Vergangenheit wird, hat Patrick gestern auf den Stuttgarter Buchwochen einem hochkarätigen Publikum in einer überarbeiteten Fassung vorgestellt.

Patrick Steinbach
Fahrtwind ist ein Buch über die Liebe, die Freiheit, das Leben, den Alkohol, das Bewusstsein, den Sinn. Und natürlich über Irland, die Landschaft, die Natur , die Pubs und die Menschen. Man liest darin erstaunliche Sätze: "Diese Pubs sind Sonnenblocker erster Güte. Lichtschutzfaktor 100 und ein Hang zum Hängenbleiben". Oder: "Psychoanalytisch gesehen ist ein Seufzer nichts anderes als ein Furz nach oben". Oder: "Der Leuchtturrm hält still und stumm die Stellung: Alles ist so friedlich. Nur ich bin es nicht".

"Fahrtwind" ist so lesenswert wie dessen Autor hörenswert ist: Der 46-jährige Berufsmusiker, der vor allem Gitarre und Mandoline spielt, tritt regelmäßig im Rhein-Main-Gebiet auf und erklärt seine Liebe zur Irland öffentlich auf der Bühne. In Neu-Isenburg organisiert der Musiklehrer regelmäßig Konzerte in Roxy´s Irish Pub – und wer lernen will, wie man ein Irish Reel oder ein Jig spielt, ist in seiner Musikschule genau richtig. Patrick´s irische Musik gibt es auf CD und bei Youtube.

Und woher kommt diese mächtige Liebe zur Insel? Ganz einfach: Patrick Steinbach ist der Sohn einer deutschen Jazzmusikers und einer Irin. In seinem künstlerischen Schaffen vereinen sich das Erbe des musikalischen Vaters in der irischen Mutter.

Wer mehr über Patrick Steinbach erfahren will oder sein Buch Fahrtwind kaufen will: www.patrick-steinbach.de

Irland 2.0 – ein Land steht vor dem Neubeginn

Es ist so weit: Die EU, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds IWF haben ihr Personal nach Irland geschickt. Ab jetzt wird geholfen – und die irische Regierung kämpft ab sofort um die Souveränität des Landes. Sie wird auch diesen Kampf verlieren, so wie sie eigentlich alle Kämpfe dieser Krisenjahre verloren hat.

Nur eines konnte die Fianna Fail-Regierung Ahern-Cowen eigentlich richtig gut: Das Wahlvolk einzulullen, zu beschwichtigen und mit Märchengeschichten bei Laune zu halten: Es beginnt mit der Legende, Fianna Fail sei eine Partei mit wirtschaftlicher Kompetenz, und es reicht über die gravierenden Fehlentscheidungen in den Celtic-Tiger Jahren – für die Ex-Premier Bertie Ahern vielleicht irgendwann noch zur Rechenschaft gezogen wird – bis hin zu den Märchen über die Banken und die Bankengarantie, den Bailout, die Budgets und die Smart Economy. Immer kam alles anders – unklar bleibt alleine, ob die führenden Politiker des Landes ihre Geschichten selber glaubten, oder ob sie dem Volk schlicht eine B-Version der Wahrheit verkauften.

Die ökonomischen "Wahr-Sager" von Morgan Kelly über Declan Ganley bis zu David McWilliams wurden aufgrund ihrer Neagtivprognosen seit Jahren als Nestbeschmutzer, Kassandras und Spielverderber abgestempelt und persönlich übel angegriffen. Sarah Carey bemerkt heute in einem Kommentar in der Irish Times, dass diese Kassandras mit ihren Prognosen seit vielen Jahren Recht hatten und dass das Spiel der Politischen Führung gegen die unbequemen Mahner mittlerweile 0:5 steht. Carey hält den Regierungspolitikern immerhin zu gute, dass die ihrer selektiven Wahrnehmung zum Opfer gefallen sind und dass sie nur äußerten, was sie zu sehen glaubten: ein Zerrbild der Realität. Warum aber gibt sich das irische Wahlvolk noch immer mit dieser politischen Führung zufrieden, warum diese schier unendliche Duldsamkeit?

Jetzt spätestens ist es Zeit aufzuwachen: Irland wartet auf einen Reboot, einen großen Neuanfang, der mit dem alten politischen Personal nicht gelingen wird. Es wird bald Neuwahlen geben – und es wird wichtig sein, dass Menschen mit klarem Kopf und unverdorbenem Ethos Verantwortung übernehmen. Es geht um viel: um die Souveränität und die Zukunft Irlands.

Mittwoch, 17. November 2010

Die Iren, die Gier, die Häuser und das Geld

"Greed" (Gier) ist neben "Bailout" ein in Irland gerne benutztes Wort in diesem stürmischen November. Die greedy Gaels. "Ja, ja, die Gier hat uns in dieses Desaster getrieben", sagen Irinnen und Iren gerne selbstkritisch über sich – und auch der Rest der Welt spricht von den gierigen Iren, die mit  ihrer Celtic-Tiger-Sause bei europäischen Banken Schulden von über 370 Millliarden Euro angehäuft haben sollen. Und nun stellt sich die große politische Frage, ob deutsche (und andere europäische) Steuerzahler über den Umweg Europa und ECB gierige irische Banken retten dürfen, damit am Ende gierige deutsche (und andere europäische) Banken nicht auf den irischen Schulden sitzen bleiben.

Ein heftiger November-Sturm zerfetzte vor einigen Tagen ein überdimensionales Maklerschild am Straßenrand und wehte die Einzelteile durch die Gegend. Das Schild erinnerte an einen spektakulären Immobilendeal aus den Tagen, als in Irland der Immobilien-Tiger tanzte: Damals pries ein Hausbesitzer sein Eigenheim in West Cork, dessen Wert man bei nüchterner Betrachtung mit einigem guten Willen auf 500.000 Euro geschätzt hätte, für stolze 1,6 Millionen Euro an. Irische Gier? Warum, das taten doch alle.

Der Mann fand tatsächlich einen Käufer, und weil der Käufer so gutwillig und kaufbereit wirkte, setzte der Hausbesitzer noch einen obendrauf. Er bot seinem Verhandlungspartner zum Grund und Boden auch noch mehrere Eimer Wandfarbe für das schöne Häuschen an – zum Super-Günstig-Preis von nur 200 Euro. Und auch das alte gläserne Treibhäuschen wollte er gegen wenig Bares einfach im Garten stehen lassen. Irische Gier? Warum denn, man kann´s ja mal probieren.

Der Kauf platzte am Ende dann doch noch. Die 200 Euro Aufschlag für die Farbeimer spielten dabei wohl eine nicht ganz unwesentliche Rolle. Doch zu gierig gewesen, alter Ire?

Zu gierig ja. Viel zu gierig wahrscheinlich. Allein: Der verhinderte Hausverkäufer, der sich selber ein Bein stellte, stammt vom Kontinent, aus der Benelux-Ecke. Niederländer, Deutsche, Briten, Franzosen, Belgier und Amerikaner – sie alle haben beim großen Irland-Monopoly heftig mitgemischt und die Monster-Immobilienblase nach Kräften mit aufgebläht. Gier ist international. Gier gibt es überall - zumindest dort, wo es Menschen gibt. Greedy Humans. Was aber nicht zwangsläufig bedeuten muss, das deutsche Steuerzahler nun irische Banken retten sollen, damit diese wiederum ihre Schulden bei deutsche Banken zurück zahlen können.

Dienstag, 16. November 2010

"Zahlt nicht! Freies Wandern ist Bürgerrecht."

Wanderer am Kassenautomat in Kerry
Eintrittsgeld für Wanderer in Irland: Das neue Geschäftsmodell irischer Bauern, sich den Zugang zu Wegen und Bergen von Wanderern bezahlen zu lassen, stößt auf Widerstand und Empörung (unser Bericht und Kommentare dazu hier.) Jetzt meldet sich Albert Smith von "Keep Ireland Open" zu Wort. Die Organisation kämpft in Irland seit vielen Jahren für den freien Zugang zu Land und Bergen, für öffentliche Wegerechte und für das Recht, auf Privatland zu wandern". In einem Beitrag für den Irland Blog rät  Albert Smith, der Zweite Vorsitzender von Keep Ireland Open: "Wanderer, gebt den Farmern kein Geld!" In seiner Stellungnahme schreibt Albert (der ganze Beitrag in Englisch schließt sich unten an):

Albert Smith: Journalist, Wanderer, KIO-Aktivist
1. Der Plan, dass Farmer künftig Eintrittsgeld fürs Wandern auf ihrem Land erheben, gründet auf Gier und Kurzsichtigkeit.

2. Dass Farmer nun anfangen, Wanderern das bürgerliche Grundrecht auf freies Wandern in Rechnung zu stellen, verwundert nicht. Irische Regierungen drücken sich seit Jahrzehnten um Gesetze zum Schutz des öffentlichen Rechts auf freien Zugang.

3. Die Irischen Bauernverbände stehen einmütig auf dem Standpunkt: "Bleibt weg von unserem Land, wenn ihr oder die Regierung nicht dafür bezahlen wollt". Das hat die Entwicklung des ländlichen Irland behindert und macht es schwer, Irland als Wanderziel richtig zu vermarkten – und dies, obwohl Irland die hervorragendsten und besten natürlichen Resourcen hat.

4. Der Unwille der irischen Politik, den freien Zugang gesetzlich zu regeln, beruht auf der großen Macht der Farmer-Lobby. Das Wahlsystem Irlands macht es für mächtige Interessensgruppen leicht, Wahlentscheidungen zu beeinflussen. Fianna Fail und Fine Gael, die beiden großen Parteien des Landes, die in den vergangenen 90 Jahren das Land regiert haben, sind beide sehr konservativ und nicht willens, Politik gegen die Farmer-Lobby zu machen – aus Angst, Wahlen zu verlieren. Daran konnten auch die Grünen bis heute nichts ändern.

5.  Ironischerweise werden Irlands kurzsichtige Farmer gerade von den Steuerzahlern ausgehalten, die sie von ihrem Land vertreiben wollen. Im Jahr 2007 erhielten irische Bauern aberwitzige 96 Prozent ihres Einkommens aus irischen und europäischen Steuermitteln, im vergangenen Jahr waren es 85 Prozent; und doch besitzen die Farmer die Frechheit, eine moderne gesetzliche Regelung für den freien Zugang zu blockieren.

6. Die Regierung versteckt sich hinter einer kleinen Zahl von Rundwanderwegen, die in den vergangenen Jahren mit viel Getöse eröfffnet wurden. Diese aber lösen das allgemeine Zugangs-Problem zu Bauernland noch nicht einmal im Ansatz. Zudem hat die Regierung die Verträge nur für fünf Jahre abgeschlossen – und in fünf Jahren werden die Farmer mit offener Hand dastehen und noch mehr Geld als jetzt schon für den Unterhalt dieser Wanderwege fordern. Ein Scheitern ist absehbar.

7. Schottlands Regierung zeigt, wie eine Lösung auch für Irland aussehen kann: Dort ist das gesamte Land seit 2003 für verantwortungsbewusste Wanderer und Radler frei zugänglich, genauso die Flüsse und Seen. In Schottland ist dadurch ein Wander- und Outdoor-Boom entstanden, der viel Geld ins Land bringt. Die Hauptnutznießer dieser liberalen Gesetzgebung sind übrigens die schottischen Farmer.

8. Eine solche Gesetzgebung würde der irischen Regierung Mut und Weitblick abverlangen. Doch beides hat sie nicht. Deshalb müssen sich Irland-Besucher auch künftig mit gierigen Landbesitzern und unzeitgemäßen Gesetzesregelungen herumschlagen.

9. Unser Rat: Bezahlt kein Geld an Farmer, die Euch fürs Wandern abkassieren wollen. Wer bezahlt, ermutigt die Farmer, weiter in die falsche Richtung zu marschieren."


"GREED AND SHORT-SIGHTEDNESS BEHIND THE ‘PAY TO WALK’ PLAN"


"THE news that Irish farmers have started trying to charge walkers for exercising that most basic civil liberty – taking a walk in the country – does not surprise those who have been trying to persuade a succession of mealy-mouthed Irish governments to change the country’s laws to protect public access.

Irish farming organisations take a uniquely mean-spirited attitude towards allowing responsible public access to land: “Stay away unless you or the government pays us” sums up their approach. This has skewed rural development and made it very difficult to market Ireland as a walking destination, despite the country’s abundance of beautiful mountains, lakes, shores and potential routes.

The farming organisations have got away with their dog-in-the-manger attitude because no government has been willing to confront them, despite the fact that farmers now make up only 3pc of the overall population and the cash-strapped country is missing out on a potential bonanza from outdoor enthusiasts who would rather visit the many other European countries where their right to be on land or water is protected by law.

The unwillingness of Irish politicians to introduce the kind of access legislation found in almost every other European country arises out of the excessive influence exercised by the farming organisations. Ireland has a finely-balanced multi-seat proportional representation electoral system where organised groups can easily swing many finely balanced rural constituencies. Both Fianna Fail and Fine Gael, the main two main governing parties over the past 90 years, are conservative by nature and reluctant to offend the farming organisations which can tilt a General Election for or against them. Even with the Greens as junior coalition partners in the current Fianna Fail-led government, it has proved impossible to get any movement on access legislation.


The irony is that short-sighted Irish farmers already receive the vast bulk of their income from the very taxpayers they seek to banish from the countryside. In 2007, farmers received an incredible 96pc of their income from the taxpayers of Europe and Ireland. Last year, it was 85pc. Yet they have the effrontery to block all attempts to discuss, let alone introduce, modern access legislation.

The present government has made a lot of noise about a relatively small number of looped walks opened up in recent years. But this is merely crumbs from the table as the looped walks scheme does not even approach, let alone deal with, the issue of access to the countryside generally. Sadly but predictably, it has only come about because farmers are being paid State cash for ‘maintenance’ – much of it notional. Worse, these looped walks are leased for just five years and can be closed at six months’ notice if the farmer wishes. At the end of the five years, the walks contract, in any case, lapses. This means all of the investment in opening routes and putting up signs could be wasted unless the government agrees to a further – and no doubt greatly increased – ransom to farmers.

The best long-term solution would, of course, be for the government to introduce the kind of free access legislation introduced in under the Land Reform Act 2003 in Scotland, where all land is open to responsible walkers and cyclists and all lakes and rivers are free to canoeists. The only exception is where land is under crops or in need of protection on environmental grounds. Scotland has enjoyed a boom in outdoor activities since the Act was introduced. Ironically, one of the main beneficiaries has been Scottish farmers, who have created a lucrative revenue stream by providing food and accommodation to the growing number of visitors.

However, such a law would require Irish politicians to show courage and vision. There does not seem to be any evidence of either quality in the Dail, the Irish parliament, at the moment. Until that changes, all visitors to Ireland must run the gauntlet of greedy landowners and an outmoded legal system loaded against all innocent and well-intentioned strollers.

In the meantime, don’t pay any farmer who tries to charge you for merely taking a walk. It only encourages them – in the wrong direction."


Mehr zum Thema:


Die halbstaatliche Förder-Agentur South Kerry LEADER, die das "Pay for Walk"-System als Einkommensquelle für Farmer unterstützt, wird die Farmer-Initiativen in den kommenden Tagen in einem PRO-Beitrag verteidigen.


Keep Ireland Open: Die Organisation und ihre Ziele werden auf der Website www.keepirelandopen.org beschrieben.

Montag, 15. November 2010

Irland fördert Absahner: So plündert man den Staat

In den vergangenen Tagen wurde heftig spekuliert, ob Irland schon in dieser Woche Hilfe von Europa und/oder vom Internationalen Währungsfond annehmen muss, wird oder kann. Die öffentliche Dauererregung verlängert sich in die neue Woche – und ein Argument, warum Irland nicht dem Beispiel Griechenlands folgen will, gibt besonders zu denken: Irland sei doch ein ehrenwertes, modernes Land mit eigentlich soliden Finanzen - sieht man einmal von den Banken ab.

Stimmt natürlich überhaupt nicht. Die Verkommenheit und Korrumpiertheit des Staates in Irland kann es mit dem in Griechenland problemlos aufnehmen: Der aufgeblähte und völlig ineffiziente Staatsapparat auf der Insel ist vor allem dazu da, abgeschöpft, geschröpft und ausgenutzt zu werden. Viele Behörden und Staatsagenturen dienen nur einem Zweck: dem, die Beschäftigten angenehmst zu versorgen; und wenn von Zeit zu Zeit ein eklatanter Fall von Patronage und Veruntreuung im Staatssystem bekannt wird, dann handelt es sich meist um einen "Einzelfall".


Leider summieren sich die Einzelfälle bei genauem Nachzählen auf einige hundert. Die staatliche Arbeits- und Weiterbildungs-Behörde FÁS beispielsweise muss gerade geschlossen werden, weil sie von Skandal zu Skandal stolpert, ihren eigentlichen Aufgaben aber überhaupt nicht nachkommt. FÁS ist überall. Der öffentliche Dienst arbeitet nach dem 80:20-Prinzip. Wer einmal eine staatliche Baustelle beobachtet hat, erkennt schnell: Zwei Leute arbeiten wirklich und acht weitere stehen herum und tragen die Verantwortung.

Vor einigen Tagen wurde nun bekannt, das die Wirtschaftsförderungsbehörde "Enterprise Ireland" es besonders bunt trieb. Die staatliche Agentur, die für Irland Wirtschaftsförderung im Ausland betreiben soll,  hat in den beiden vergangenen Jahren den größten Teil der Fördermittel einfach selber aufgebraucht. Laut Irish Times versenkte Enterprise Ireland im Jahr 2009 100 Millionen Euro, um sich selber zu verwalten und die Reisespesen der Mitarbeiter zu ersetzen, nur 94 Millionen Euro wurden tatsächlich für Förderprojekte ausgegeben. Noch schlimmer die Zahlen für das Jahr 2008: Mit 100 Millionen Euro förderte sich die Agentur selber, nur 56 Millionen Euro flossen in Industrie-Förderprojekte.

Das Gute an der Staats-Pleite in Irland ist, dass nun auch die vielen Krebsgeschwüre im Staatsapparat entfernt werden müssen und dass kein Geld verschwendet und veruntreut werden kann, wo keines mehr ist. Ein schwacher Trost.

Sonntag, 14. November 2010

Irland und die Kartoffel – eine Art Liebesgeschichte

Potatobrone Dolmen bei Derrycreigh, Co. Cork :-)
Die Iren gelten nicht nur als Weltmeister im Teetrinken, die globalen Legenden sehen Irland auch noch immer als die Champions des Kartoffelkonsums. Tatsächlich lag der Pro-Kopfverbrauch im 19. Jahrhundert, als das Nahrungsangebot sich auf der verarmten Grünen Insel sehr in Grenzen hielt, bei sagenhaften 2.000 Kilogramm. Damals stand auf dem Speiseplan des einfachen Volkes nur eines: Kartoffel, Kartoffel, und noch mal Kartoffel. Als deshalb ab 1845 mehrere Jahre die Kartoffelernte ausfiel, war die Katastrophe da: Eine Million Menschen starben an den Folgeerkrankungen des Hungers, 1,5 Millionen wanderten notgedrungen aus, die Bevölkerungszahl fiel innerhalb weniger Jahrzehnte von 7 auf 3,8 Millionen.

Das Trauma der großen Hungersnot ("Famine") ist auch heute noch gegenwärtig in Irland. Die Kartoffel allerdings hat Ihre zentrale Bedeutung verloren – was eng mit dem hohen Lebensstandard der zu Wohlstand gekommenen Irinnen und Iren zusammen hängt. Heute konsumiert der Durchschnitts-Insulaner noch gut 100 Kilogramm Erdäpfel, weit mehr als Deutsche, Italiener und Franzosen, deutlich weniger allerdings als Polen, Russen, Rumänen oder Ukrainer.

So gesehen bleibt Irland ein Kartoffel-verrücktes Land in Westeuropa – und die Aussichten, in einem echt irischen Restaurant eine Lasagne garniert mit Kartoffelsalat, Kartoffelbrei und ein paar Pommes zu bekommen, sind noch immer ganz gut. Auch als Chips (hier: Crisps) werden die Erdknollen in degenerierter Form tonnenweise konsumiert. Die Love Story hält auch dem Wohlstand stand. Der irische Wohlstand dokumentiert sich übrigens auch in Kleinigkeiten: Die großen preiswerten 10- und 20-Kilogramm-Kartoffelsäcke mit der erdigen Rohware sind aus der Mode gekommen. Iren kaufen heutzutage bevorzugt die kleinen Zwei- oder Fünf-Kilo-Beutel mit gewaschenen und kochfertigen Knollen.

In diesem Jahr freute sich Irland aufgrund des guten Wetters übrigens über eine außergewöhnlich gute Kartoffelernte und erstmals seit Menschengedenken exportierten irische Farmer wieder beachtliche Mengen ihrer Krummbirnen ins Ausland: Roosters und Kerr Pinks für die Welt. Irland jammert in diesen Jahren viel über den Zustand im eigenen Land. Wer einmal in etwas längeren Zeitläuften denkt, beispielsweise von der Einführung der Patate in Irland im Jahr 1588 bis zur Gegenwart, der kommt ohne Umschweife zum Schluss: Diesem Land und seinen Einwohnern geht es prächtig. Besser als den meisten anderen Menschen weltweit und so gut wie fast nie zuvor. Darauf einen Poitin – destilliert aus Kartoffeln!

Samstag, 13. November 2010

Zwei Jahre Irland Blog und 764 Beiträge

Zwei Jahre Irland-Blog "Irland - Berichte von der Insel". Heute vor zwei Jahren erschien auf diesem Blog der erste Eintrag, eine Würdigung des Dritte-Welt-Gesundheitssystems in Irland. Das Gesundheitssystem ist seitdem leider nicht besser geworden, der Blog hoffentlich schon ein wenig. mittlerweile sind in diesen 24 Monaten 764 Beiträge aus und über Irland zusammen gekommen. Der Start war aus heutiger Sicht erfrischend naiv, offenherzig und persönlich. Aus den Reaktionen von Lesern erfuhren wir bald, dass gute, interessante und nützliche Informationen, Kommentare und Geschichten aus und über Irland heute wirklich gefragt sind.

Nach einigen Schlenkern fand der Blog zum Untertitel: "Leben und Reisen in Irland", und mit den Themen über das Reiseland und den Wohnort Irland zu immer mehr regelmäßigen Lesern. Im ersten Jahr zählte der Blog 26.000 Besuche und gut 50.000 Seitenabrufe, im zweiten 76.000 und doppelt soviele Seitenabrufe.  Aktuell zählen wir 8000 monatliche Besuche und etwa doppelt soviele Seitenbabrufe. Das ist ganz passabel für ein Hobby, das jeden Tag ein wenig Freizeit beansprucht und diese gleichzeitig bereichert.

Fünf kurze Bemerkungen zum Jahrestag:

1. Ein Dank an die Leserinnen und Leser des Irland Blogs. Ein doppelter Dank an die aktiven Leserinnen und Leser, die eigene Kommentare beisteuerten. Auf dass es noch mehr werden. Und ein Dank an die lieben Mitmenschen, die mit ihren Informationen geholfen haben, diese tagesaktuelle Website interessant zu machen.

2. Ein Sorry an Alle, denen wir auf den Schlips getreten sind. Es ist nie böse gemeint, wird aber auch in Zukunft nicht ganz ausbleiben.

3. Die Selbstverpflichtung auf tägliche Berichte soll auch im 3. Jahr gelten – damit der Irland Blog als Ort der Information und des Austausches noch mehr Freunde gewinnt. Wenn auch nicht an jedem einzelnen Tag des Jahres ein Beitrag erscheinen wird, so sollen es am Ende des Jahres doch mindestens 365 zusätzliche Beiträge sein. 

4. Wir haben ein paar Pläne, und suchen dafür schreibfeste und kommentierfreudige Blog-Autor(inn)en, die mitschreiben wollen und die sich gerne mit unserem Lieblings-Thema beschäftigen: IRLAND  – mit allen vorstellbaren Themen und aus allen möglichen Blickwinkeln. Wer Lust hat mitzumachen, der Wanderer freut sich auf eine E-Mail: markus@wanderlust.ie 

5. Keiner muss sich mehr die komplizierte Blogspot-Adresse einprägen, der Irland Blog hat eine leicht zu merkende Internetadresse: www.irlandnews.com

Der Wanderer

Freitag, 12. November 2010

Top Twelve: Das ist das Besondere an Irland

Einmal im Jahr überdenkt der Wanderer seine Prioritäten. Was hält uns in Irland, was macht Irland zu dem speziellen Ort, den wir vor zehn Jahren lieben gelernt haben? Das sind unsere aktuellen "Irland Top Twelve", die das Leben (den Aufenthalt) auf der Insel im Jahr 2010 zu etwas Besonderem machen.

1. Die Natur: Die Schönheit der Berge, des Meeres, der Wiesen und Wälder.

2. Die Weite der Landschaft: Der Raum, dieses unglaubliche Privileg, viel Bewegungsfreiheit zu haben.

3. Die Stille: Hier am westlichen Rand Europas kann man die Stille hören. Die (zeitweise) vollkommene Abwesenheit von Zivilisationsgeräuschen gehört zu den ganz großen Privilegien des irischen Landlebens. Unseren kleinen Sohn fragten wir im Alter von drei Jahren: "Hörst Du die Stille?" Es dauerte ein paar Jahre, bis er verstand. Hören konnte er sie wohl schon immer.

4. Das Wetter: Es schützt dieses Land vor allerlei – vor allem aber vor mittelmeerischem Massentourismus.

5. Das Vorurteil über das Wetter: Die Wirklichkeit ist immer besser als der Ruf.

6. Die Lage in Europa: Irland ist anders als Kontinental-Europa. Deutlich anders – und doch weniger als zwei Flugstunden von der (alten) Heimat entfernt, und doch Teil unserer Heimat Europa.

7. Die Einsamkeit in den irischen Bergen: Das junge Wanderland Irland bietet viel Raum abseits der ausgetretenen Pfade traditioneller Wanderziele.

8. Die beste Luft Europas: Luft, die jederzeit frisch vom Atlantik geliefert wird. Kein Sommer-Smog, kein Winter-Smog.

9. Das Wesen der Iren: Das Prinzip "Leben und leben lassen" und ihr bisweilen pragmatischer Anarchismus. Die relative Gelassenheit, mit Krisen und Problemen umzugehen. 

10. Die Sammelwut der Engländer: Sie hat uns die herrlichen Landschaftsgärten mit Pflanzen aus aller Welt direkt vor der Haustür beschert. Garinish Island, Derreen, Ardnagashel, Bantry House, Derrynane . . .

11. Die Farben des Landes: Die Farben des Meeres, des Himmels, der Häuser, der Wiesen, der Pflanzen. Licht und Farbigkeit abseits der betonfarbenen Menschenfelsen.

12. Seafood Chowder: Die Fischsuppe ist fast überall in Irland gut genießbar. Im Gegensatz zu manch anderen landestypisch zubereiteten Gerichten.

Eigene Vorlieben?


Das Foto von Stefan Schnebelt zeigt den Old Head of Kinsale. Mehr Infos zum Fotografen finden Sie hier.

Donnerstag, 11. November 2010

Ein Knast-Skandal der schlüpfrigen Art

Das Mountjoy-Gefängnis in Dublin
In Irlands Gefängnissen geht es schlimmer zu als in einem russischen Gulag – das zumindest behaupten Insider, die Orte wie Mountjoy, Arbour Hill oder St. Patricks Institution von innen kennen. Morde, Selbstmorde, Drogenexzesse, Revolten, Vergewaltigungen – die Geschichten, die aus dem irischen Knast nach außen dringen, sind haarsträubend – und mitunter sind es die Gefängnis-Direktoren selber, die aus lauter Verzweiflung die mittelalterlichen Verhältnisse im Knast anprangern oder deretwegen gar zurücktreten.

Am vergangenen Sonntag nun sorgte das Frauengefängnis von Mountjoy in Dublin, das Dóchas Centre, für gefälligere Schlagzeilen: Die Boulvardzeitung "Sunday World" bildete Insassinen des Knasts in Reizwäsche und sexuell provozierenden Posen ab. Irland lachte, und die Gefängnisleitung sah sich bis auf die Knochen blamiert. Wie konnte das passieren? Das will die Knast-Direktion von Mountjoy nun auch wissen und ließ gestern in einer beispiellosen Aktion das gesamte Frauengefängnis komplett auf den Kopf stellen und jeden Winkel ausleuchten. Gesucht wurde allerdings nicht nur nach Photo-Handys, auch Drogen und Waffen wurden eingesammelt. Die 150 Bewohnerinen von Dóchas mussten vorübergehend ausziehen und in einer Turnhalle untergebracht werden.

Der Gefängnis-Skandal der schlüpfrigen Art hatte auch erste Konsequenzen: Die beiden Knast-Evas, die ihre nackte Haut an vorderster Front in der Sunday Times präsentierten, wurden in das Gefängnis von Limerick verlegt. Und Irland diskutiert wieder einmal über seine unmenschlichen Gefängnisse: Im Dóchas in Dublin, dem einizgen Frauengefängnis des Landes, drängen sich 150 Frauen auf engstem Raum – der Frauentrakt wurde ursprünglich für maximal 85 Bewohnerinnen gebaut.

Mittwoch, 10. November 2010

Ein kleines Plädoyer für das Leben in Irland

"Sie schreiben immer so kritisch über Irland. Wie können Sie überhaupt noch dort leben, bei all den Problemen im Land?" Das fragte vor ein paar Tagen - halb interessiert, halb besorgt – ein deutscher Leser des Irland-Blogs. Und der Wanderer fragte sich: Warum nicht?

Der Irland Blog berichtet und kommentiert aus Irland. Wir wollen unseren Leserinnen und Lesern ein Land nahebringen, das wir mögen und in dem wir gerne leben. Der Irland Blog ist kein Kuschel Blog und auch keine Projektionsfläche für Träume, die nur die schönen Seiten Irlands spiegelt. Auch jetzt, da das Land in einer anhaltenden und tiefen wirtschaftlichen und kulturellen Krise steckt, halten wir es für wichtig, ein realistisches Bild von Irland und den Iren zu zeichnen.  Dazu gehört es, neben den schönen und guten Themen auch weniger erquickliche anzuschneiden. Und trotzdem gilt: Irland ist ein herrliches Land, in dem es sich auch heute gut leben lässt – wenn, ja:

Wenn man nicht gerade in der Bauindustrie (un)tätig ist.
Wenn man sich nicht gerade mit einem fetten Hauskredit in die Enge manövriert hat.
Wenn einem finanziell nicht gerade die Felle davon schwimmen.
Wenn man nicht alt und krank ist.

Es ließen sich noch einige Wenns hinzufügen. Allerdings gilt auch: Wer in Deutschland finanziell in der Tinte sitzt, kommt wahrscheinlich nicht auf die Idee, den Ort, Deutschland, dafür verantwortlich zu machen, wie es umgekehrt scheiternde Auswanderer gerne tun. Vielleicht lässt es sich im vertrauten heimatlichen Umfeld auch leichter arbeitslos sein?

Wir leben in Irland, und wir leben seit zehn Jahren gerne hier. Warum? Ich habe es vor einiger Zeit einmal so formuliert:


Wahl-Insulaner, die an den westlichen Rand Europas ziehen, um dort einen Lebensentwurf zu verwirklichen, schätzen oft die grandiose Natur Irlands, den Raum, den das Land aufgrund seiner geringen Besiedelung bietet – und natürlich den politisch-gesellschaftlich-kulturellen Freiraum.

Dieser oft zitierte Freiraum, schlicht und ergreifend als "Freiheit" bezeichnet, ist einerseits dem Luxus von räumlicher Weite auf dem irischen Land geschuldet: Links kein Nachbar, rechts keiner, vorne das Meer und hinten die Berge. Das hebt sich wohltuend von den klaustrophobischen Erfahrungen in einer Mietskaserne, in einer Reihenhaussiedung, ja selbst in einem "gehobenen" Wohngebiet ab, wo der Hund den entfernten Nachbarn zum Wahnsinn treibt und der Choleriker in der übernächsten Straße gerne die Kinder vergiften würde.

Erlebter Freiraum hat jedoch auch viel mit der Kultur des Zusammenlebens zu tun: Das irische "Leben und leben lassen" kommt zugewanderten Individualisten entgegegen – und solange sie nicht zum sozial streng kontrollierten inneren Zirkel der Community gehören, geht die Freiraum-Rechung umso besser auf.

Wer von der großen Freiheit auf der Grünen Insel redet, meint jedoch vor allem die Staatsferne des Lebens: Der irische Staat ist groß, der Apparat der öffentlich Bediensteten unanständig aufgebläht, doch er ist gleichzeitig schwach. "Der Staat", der das Zusammenleben regeln und für sozialen Ausgleich sorgen soll, wird gerne mit Raffinesse ausgenommen und auch dort in die Pflicht genommen, wo eigentlich Eigenverantwortung angebracht wäre. Ansonsten aber, auf der Seite der Rechte, soll sich der Staat aus dem Leben gefälligst heraushalten. Was er auch zumeist tut.

Das Bedürfnis der Iren nach "Privacy" ist ausgeprägt, und dem schließt sich der Kontinentaleuropäer, den es auf die Insel zog, meist gerne an. Die Rede ist nicht von den Legionen von Wirtschaftsflüchtlingen, die in den vergangenen Jahrzehnten auf der Insel sesshaft wurden, um sich "Jottwede" dem Zugriff des eigenen Staates zu entziehen. Die Rede ist davon, dass der Staat nicht das gesamte Leben durchreguliert und die Bürger nicht auf Schritt und Tritt verfolgt – und dass er sich im Übermaß zurückhält. Sei es aus Prinzip oder aus Unfähigkeit.

Kein Zweifel, die Gesetzesmaschinerie produziert auch im Irland eines vereinigten Europas einen gewaltigen Ausstoß. Doch im Zweifelsfall ist das Papier und sind die Gesetze auf der Insel um Klassen geduldiger als anderswo. Wer glaubt, dass die Verabschiedung eines Gesetzes in Irland automatisch auch dessen strikte Einhaltung verlangt, ist dem grundlegenden Missverständnis bereits erlegen: Irische Gesetze sind oft Absichtserklärungen, um deren Einhaltung sich im Zweifelsfall niemand kümmert – ein Umstand, der gesetzestreu denkende Deutsche, die die große Freiheit rühmen, an genau derselben Freiheit verzweifeln lässt. Gesetze, Richtlinien, Staatsbudgets in Irland sind eher so etwas wie tendenziell unerfüllbare Pläne . . ."

Die Aussagen haben auch eineinhalb Jahre nach Niederschrift ihre Gültigkeit. Noch deutlicher hinzuzufügen ist: DIe einzigartige und weitgehend intakte Natur macht das Leben im Südwesten Irlands äußerst lebenswert. Direkt am Meer, direkt an den Bergen und ganz in der Nähe von alten Wäldern zu leben, das ist ein großes Privileg, für das wir dankbar sind. (Noch mehr gute Gründe für das Hier-Sein gibt es hier in den kommenden Tagen.)

Dienstag, 9. November 2010

Morgan Kelly: "Irland ist pleite und am Ende "

Wie steht es um Irland? Geht es wirtschaftlich bald bergauf? Dürfen die Hausbesitzer, die Arbeitslosen, die Menschen mit den großen Bank-Krediten wieder hoffen? Die Lage ist unübersichtlich, es ist die Zeit der Nebelwerfer, der Verschleierer und der Täuscher. Die politische Führung des Landes macht in Optimismus und hält das Wahlvolk im Ungewissen. Wie sagte der Busfahrer auf dem Weg nach Cork kürzlich zu einer Kundin: "Die da in Dublin behandeln uns wie Pilze. Sie halten uns im Dunkeln". Gestern nun erlebte die irische Öffentlichkeit einen der seltenen lichten Momente, in dem sich klare und scharfe Trennungslinien zwischen Wahrheit, Hoffnung, Illusion, Lüge und Unwissen auftaten: Der Dubliner Ökonomieprofessor Morgan Kelly hatte wieder einmal seinen Nebelscheinwerfer ausgepackt und warf ein grelles Licht auf die Gegenwart und die Zukunft des Landes.

Kelly hat schon in Zeiten des Keltischen Tigers Klartext geredet und beschrieb schnörkellos und direkt, wo die irische Sause einmal enden würde. Damals wurde er als "Nestbeschmutzer" verunglimpft. Jetzt zeichnet er in der Irish Times das große Gemälde von der harten Wirklichkeit Irlands und schenkt allen, die nicht so viel von Wirtschaft und Finanzwirtschaft verstehen, reinen Whiskey ein. Kellys Analyse der Lage ist niederschmetternd. Hier seine wichtigsten Befunde zum Stand der Dinge:

* Entgegen aller Beteuerungen: Irland ist bereits heute pleite.
* Irland hat im September 2010 seine Unabhängigkeit abgegeben.
* Die Republik Irland als unabhängige finanzielle Institution gibt es nicht mehr.
* Irland befindet sich in der Hand der Europäischen Zentralbank, die das Land bereits finanziert.
* Verursacht wurde die Pleite durch eine fatale Entscheidung: Die Garantie der Regierung für die Banken und die Verpflichtung, die irischen Banken zu retten.
* Neben der Anglo Irish Bank liegen auch die Banken AIB und BOI am Boden: Die Summe zur Rettung der Banken beträgt 70 Milliarden Euro – und nicht 34 Milliarden, wie die Regierung behauptet.
* Das Banken-Loch verschluckt die gesamten Einkommenssteuern der kommenden fünf Jahre.
*  Der massive Druck der europäischen Partner auf Rückzahlung der Bankschulden von 55 Milliarden Euro im September 2010 hatte einen einfachen Grund: Die Banken in Großbritannien, Frankreich und Deutschland wollten ihr Geld wiedersehen – und haben es bekommen. Zwischenfinanziert von der Europäischen Zentralbank.

Und wie sieht die Zukunft laut Morgan Kelly aus? Noch schlimmer:

*  Irland ist faktisch pleite. Doch früh im Jahr 2011 wird Irland auch das geliehene Geld endgültig ausgehen.
* "Beobachter" aus Europa sind im Finanzministerium in Dublin eingezogen und bereiten die nächsten Entscheidungen vor. Man nennt sie "The Germans."
* Die zweite Eskalations-Stufe der irischen Krise steht bevor: 100.000 bis 200.000 Hausbesitzer werden ihre Hypothekenkredite nicht mehr bedienen können und müssen Privat-Bankrott anmelden.
* Die Hauspreise gehen noch weiter in den Keller.
* Große soziale Konflikte ziehen auf.
* Es wird eine streng rechte Tea-Party-ähhnliche politische Bewegung entstehen.
* Die beiden großen Parteien Fianna Fail und Fine Gael werden nahezu bedeutungslos.
* Eine rechte, nationalisitsche, anti-europäische Partei wird starken Zulauf haben.

Das Schlimmste offenbart Morgan Kelly am Ende seines Aufsehen erregenden Beitrags:
Keiner hat derzeit eine Lösung für Irland, auch er selber nicht. Er weiß aber: Von jetzt an hat Irland nur noch eine Hoffnung: die Freundlichkeit von Fremden. Es wird an Europa und an den starken Nachbarn Deutschland und Frankreich liegen, ob dem Land faire Konditionen zur Entschuldung und Erholung gewährt werden. Aus eigener Kraft kann Irland nicht mehr gesunden.

Schöne Aussichten! Der Letzte macht das Licht aus. Hier der Originaltext von Morgan Kelly in der Irish Times.

Montag, 8. November 2010

Alles ist gut. Die große Flut bleibt erst mal aus

Es muss die Angst vor dem erneuten Versagen gewesen sein, die Irlands Behörden und Metereologen  geradezu hysterische Unwetter-Warnungen herausgeben ließ: Der für Sonntagabend angekündigte Sturm und die befürchtete Flutwelle blieben aus – zumindest bislang. Der "Sturm" glich - gemessen an den in Irland üblichen Winterstürmen – eher einem lauen Lüftchen.  Der starke Regen setzte am Sonntagabend zwar ein, die prognostizierte Flut an den Küsten der Insel trat aber nicht ein. Toi, toi, toi, dass es so bleibt. Im November vergangenen Jahres hatte eine "Jahrhundertflut" Irland wochenlang unter Wasser gesetzt. Die Behörden waren damals bereits in tiefen Winterschlaf versunken und haten keinerlei Vorbereitungen getroffen. Das sollte offensichtlich nicht noch einmal passieren.

PS: Nur politisch steigt das Wasser in Irland – und zwar am Hals von Ministerpräsident Brian Cowern und seiner Fianna Fail-Regierung. Die Kräfte innerhalb der Koalition, die Cowen zum Rücktritt zwingen wollen und die Neuwahlen fordern, werden lauter. Es gilt als möglich, dass die im Parlament nur noch mit einer hauchdünnen Mehrheit agierende Regierung bereits im Dezember mit der Durchsetzung des beispiellos drastischen Sparhaushalts für 2011 scheitern könnte. Toi,toi,toi, dass dies eintrifft, denn Irland braucht dringend Führung.

100.000 Besuche auf dem Irland Blog. Danke!

Gestern nachmittag zeigte der Besucherzähler die Zahl 100.000 an: Der 100.000. Besuch und über 200.000 Seitenaufrufe auf dem Irland Blog, das ist ein Grund zur Freude  – und Anlass genug, unseren treuen Leserinnen und Lesern der "Berichte von der Insel" wieder einmal danke zu sagen. Wir haben im November 2008 ganz klein begonnen und waren monatelang über 5 oder zehn Besuche am Tag glücklich. Nun, nach fast zwei Jahren, ist der Irland Blog gut in Fahrt, wächst kontinuierlich und zählt gut 7500 Besuche im Monat.  Also: Danke. Das spornt uns an. Wir werden uns weiterhin bemühen, Sie / Euch über das Leben und Reisen in Irland zu informieren und dabei auch gut zu unterhalten. Der Wanderer.

PS: Wir sind hier auch über die einfache Webadresse www.irlandnews.com zu erreichen. Für alle, die sich die komplizierte Blogspot-Adresse nicht merken wollen

Sonntag, 7. November 2010

Die "Calvinists" auf dem kurzen Weg zum Ruhm

Irland ist ein kleines Land. Man kennt sich. Fast jeder kennt jeden - oder zumindest einen, der die kennt, die man noch nicht kennt. Die Wege sind kurz. Auch die Wege in die Medien. Der Wind muss nur sanft das Gerstenfeld streicheln  -– das Pendant zum Sack Reis in China – und schon berichten der "Herald" oder das "Echo" darüber. Dass die Nachbarin mal eben in der TV-Show "Winning Streak" 20.000 Euro und einen Neuwagen abräumt, dass die eigenen Kinder auf RTE zur besten Sendezeit die Einweihung einer Eisdiele im Nachbarort gestalten dürfen: Alles fast Normalität.

Gestern abend nun schaffte die derzeit angesagteste Pub-Band von Glengarriff und Bantry, West Cork, den Sprung ins Rampenlicht. Die "Calvinists" spielten live in der großen Samstagabendsendung "Saturday Night Show" auf RTE One.  Gestern noch im "Blue Loo" und heute in der Prime Time auf RTE: Das nennt man Karriere auf Irisch. Keine Frage: Die vier jungen Musiker können was. Der Zufall, das Schicksal und die Fügung halfen dennoch  ganz entscheidend mit.

Vor einigen Wochen reiste der bekannte amerikanische Reise-Journalist Matt Gross durch Irland. In Bantry angekommen ging Gross auf ein paar Pints und ein paar Songs in den "Schooner"  – und hörte die Calvinists. Matt selber fand die Musik ziemlich gut, ein Einheimischer soufflierte ihm dann noch, dies seien "die nächsten U2", und nach vier Pints hielt es Matt für möglich, dass er gerade Zeuge eines großen Moments geworden sein könnte. Gross schrieb die Geschichte, wie man heute halt so schreibt, ganz authentisch zusammen und veröffentlichte sich am 22. Oktober in der New York Times:

"One night in Bantry, a lovely seaside town not far from the Cork-Kerry county line, I popped into the Schooner, a pub, solely because I’d spotted a poster advertising a local band called the Calvinists — a fantastic name, especially in Catholic Ireland. And indeed, the Calvinists (who chose the name because of John Calvin’s total opposition to music) were awesome: straight-up rock with a country accent, courtesy of the banjoist Taidhg Burke, and the range to cover both Johnny Cash and Gorillaz, thanks to Noel Maguire’s effortless voice.
“They’re the next U2!” shouted the older gent next to me, Cornelius “Corney with an ‘e’ ” Kelly (“like Ned Kelly!”). And I believed him; the whole room hummed with enthusiasm and pride. I was part of something. Maybe this was a moment that, years from now, I’d remember as a big one. Or maybe it was just the three (or four) pints of Murphy’s stout in my system."

Die große New York Times hat in Irland noch immer viel Gewicht, und da die Medien auf der Insel nicht großartig anders funktionieren als anderswo, war aus der Verkürzung schnell die Sensation entwickelt. Schrieb Matt Gross noch, dass seine Begeisterung für die Calvinists auch maßgeblich von vier Bier verursacht worden sein könnte, titelten Irlands Medien flink: "Calvinists - die neuen U2". Und schwupp, schon zweieinhalb Wochen später hatten die vier Jungs aus Bantry ihren ersten Auftritt auf RTE One. Chapeau, Calvinists!

Übrigens: Noel Maguire, Frank Wieler, Taidgh Burke und Daragh Coakley werden ihren Weg als "The Calvinists" wahrscheinlich machen. Die Calvinists, die als Cover-Band dröge Pubs leicht in eine Reisenparty verwandeln können, arbeiten gerade an eigenen Songs für ihre erste Platte. Auf ihrer Website bieten sie die erste selber geschriebene Single "Anchor" zum kostenlosen Download an. Die Single verrät noch nicht viel über die gesanglichen Qualitäten von Noel Maguire und den famosen Gitarrenstil von Frank Wieler. Der an den Kirchenreformer Jean Calvin angelehnte Bandname hat im katholischen Irland einen besonderen Klang. Die spaß-orientierte Gruppe hat ihn gewählt, weil der strenge Calvin Musik kategorisch ablehnte.

IMPRESSUM

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