Sonntag, 30. Januar 2011

Diese Woche in Irland: Der Volkszähler kommt

Das Wichtigste auf einen Blick: Was in der vergangenen Woche in Irland geschah, lesen Sie heute in unserem Wochenrückblick. Irland Blog-Autor Dirk Huck berichtet aus Dublin über die wichtigsten Ereignisse auf der Insel.


Letzte Arbeitstage für Cowen & Co. angebrochen

Die letzten Arbeitstage für Irlands Regierung um Premierminister Brian Cowen sind angebrochen. In Konsequenz aus dem Wirbel um Cowens gescheiterten Versuch, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Kabinett umzubilden, zogen die Grünen, Junior-Koalitionspartner der großen Fianna Fáil, von der Regierungsbank auf eine hintere Bank im Parlament um. Da die Regierung nun keine Mehrheit mehr hat, setzte Cowen für Ende Februar vorgezogene Neuwahlen an. Kommenden Dienstag soll das Parlament offiziell aufgelöst werden.

Die letzte Aufgabe des Parlaments ist die Verabschiedung des Haushaltsfinanzierungsgesetzes mit den Details zu den im Haushaltsplan beschlossenen Maßnahmen zur Reduzierung der Staatsschulden. Was normalerweise einige Wochen Debattierzeit beansprucht, muss nun in wenigen Tagen durchgepaukt werden.

Irland in den Schlagzeilen

Der Tumult im irischen Parlament hatte einen Nebeneffekt: Irland war wieder in den internationalen Schlagzeilen. Eine Auswertung ergab, dass die Ereignisse der letzten Woche weltweit in mehr als 4.500 Artikeln und in 72 Ländern behandelt wurden. Ob Zeitungen wie New York Times, Wall Street Journal, Washington Post, Financial Times oder Nachrichtensender wie CNN, BBC und Sky News, sie alle berichteten. Leider war der allgemeine Tenor eher negativ. Worte wie "meltdown", "implosion", "collaps" oder gar "circus" ließen Irland nicht gerade in einem guten Licht erscheinen.

Besonders hart wurde über Regierungschef Cowen und seine Partei Fianna Fáil geurteilt. Eine derbe Wahlniederlage geschähe Fianna Fáil recht, sagt die "Financial Times", denn Fianna Fáil sei "the party that through its cronyism and incompetence, artificially prolonged the boom of the 1990s into the credit and property bubble of the past decade, and then gave a blanket guarantee to its banker friends that has ended in the humiliation of Ireland becoming a ward of the European Central Bank and the International Monetary Fund." So klingt eine saftige Ohrfeige.

Die "New York Times" schrieb über Brian Cowen und seinen eigenwilligen Führungsstil: "[...] insisting last fall that Ireland needed no bailout, until the moment he began negotiations for one; trying to rebuild his government last week without consulting the Greens, only to have them reject his proposals; and finally, bowing to demands that he quit, but insisting on remaining prime minister until after the election." Noch eine Ohrfeige von höchster medialer Stelle.

Brian Cowen sagt Tschö
Micheál machts: Fianna Fáil mit neuem Vorsitzenden

Nur eine Woche, nachdem die Fianna Fáil-Abgeordneten ganz demokratisch Brian Cowen das Vertrauen ausgesprochen hatten (dieser dann aber trotzdem zurücktrat), wählten sie ganz demokratisch einen neuen Anführer. Ab sofort obliegt es dem erst vor kurzem zurückgetretenen Außenminister Micheál Martin, Ruhe und Ordnung in die Partei zu bringen und das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. Und das muss er auch, will Fianna Fáil kein Wahldebakel erleben. Bei seinem ersten Auftritt als Parteivorsitzender vernahm man ungewohnte Worte: "Sorry," sagte er doch tatsächlich, "for the mistakes we made as a party."

Bei Meinungsumfragen war Fianna Fáil zuletzt auf katastrophale acht Prozent abgerutscht. Die über die letzten Jahre dominierende Fianna Fáil muss damit rechnen, sich nach der bevorstehenden Parlamentswahl in der Rolle der kleinen Oppositionspartei wiederzufinden.



Jeder sechste Haushalt mit negativem Eigenkapital

Wie letzte Woche berichtet, fallen die Hauspreise weiterhin. Ein nun veröffentlichter Bericht offenbart die dramatische Folge des Preissturzes: Geschätzte 300.000 Haushalte - ungefähr jeder sechste - stecken in der Zwickmühle, dass ihre Immobilie inzwischen weniger wert ist, als die dafür aufgenommene Hypothek. Geschätzte 70.000 Haushalte straucheln bereits bei der Rückzahlung ihres Immobilienkredits. Weitere 30.000 Haushalte werden vermutlich in diesem Jahr hinzukommen, wenn die Banken wie angekündigt die Kreditzinsen erhöhen.

Wählen und zählen

In diesem Jahr wird in Irland nicht nur gewählt, sondern auch gezählt. Eine Volkszählung steht an. Bevor sich das Central Statistics Office (CSO) an die eigentliche Volkszählung machen kann, muss es eine Mammutaufgabe der besonderen Art bewältigen: Auf die Stellenausschreibung für die 5.000 Volksbefrager meldeten sich innerhalb von nur 48 Stunden fast 16.000 Bewerber, die nun durch den Bewerbungsprozess geschleust werden müssen. Offenbar sehen viele Irinnen und Iren in der Volkszählung eine willkommene Gelegenheit auf einen kleinen Nebenjob.

Irischer Kurzfilm für Oscar nominiert

Eine Meldung, die Anlass zur Freude gibt: Irland ist bei den diesjährigen Oscarverleihungen am 27. Februar vertreten. Der irische Kurzfilm "The Crush" von Drehbuchautor und Regisseur Michael Creagh erhielt eine Nominierung in der Kategorie "Bester Kurzfilm". Drücken wir die Daumen. Das Kurzdrama handelt von einem kleinen Jungen (gespielt von Creaghs Sohn Oran), der für seine Lehrerin schwärmt, und eifersüchtig reagiert, als er herausfindet, dass sie einen Freund hat.

Irland erwacht langsam aus dem Winterschlaf


So langsam erwacht Irland aus dem Winterschlaf. Die Zeit der Festivals ist gekommen. An diesem Wochenende findet im Dubliner Temple Bar Bezirk das "Trad Festival 2011" statt, Irlands größtes Festival rund um irische Musik und Kultur. Highlights sind die Auftritte der bekannten Musikgruppen Altan und Clannad.



Der Autor: Dirk Huck
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