Sonntag, 16. Januar 2011

Diese Woche in Irland: Dirty Old Town Portlaoise

Das Wichtigste auf einen Blick: Was in der vergangenen Woche in Irland geschah, lesen Sie heute in unserem Wochenrückblick. Irland Blog-Autor Dirk Huck berichtet aus Dublin über die wichtigsten Ereignisse auf der Insel.


Ein Golfspiel und seine Folgen
Das Thema der Woche: Was wusste Premier Brian Cowen von den Finanzproblemen der Skandalbank Anglo Irish? Wie bekannt wurde, hatten Cowen und Ex-Anglo-Vorstandschef Sean FitzPatrick im März und Juli 2008 bei zwei Gelegenheiten engen Kontakt, gingen sogar gemeinsam Golf spielen mit anschließendem Dinner.
Cowen beteuert, dass nicht über Geschäftliches gesprochen wurde. Wenn allerdings erst kurz zuvor die Aktien von Anglo Irish abstürzten, bei besagtem Golf-Dinner außer Cowen und FitzPatrick noch ein weiteres Vorstandsmitglied von Anglo Irish, ein Wirtschaftsberater und ein Direktor der irischen Zentralbank anwesend waren, und nur zwei Monate später im September 2008 Cowen die Blanko-Vollbürgschaft für Irlands Banken aussprach, darf man skeptisch sein.
Im Verlauf der Woche musste Cowen mehrfach Rede und Antwort zu seinem Golf-Treffen mit FitzPatrick stehen, mal den Journalisten, mal den Koalitionspartnern, dann Vertretern der Opposition und schließlich seinen eigenen Parteifreunden. Mit jeder Aussage verlor er weiter an Glaubwürdigkeit. Mittlerweile dämmert es bei Fianna Fáil, dass Cowen als Parteivorsitzender nicht länger tragbar ist, zumal man kurz vor den Parlamentswahlen steht. Noch sitzt Cowen im Sattel. Doch seine Tage als Parteivorsitzender von Fianna Fáil scheinen gezählt. Seine Tage als Premierminister sind es eh schon.


Tragisches Ende einer Hochzeitsreise
Das andere Thema der Woche, das die Schlagzeilen beherrschte: Eine junge Irin wurde während ihrer Flitterwochen auf Mauritius ermordet. Sie hatte vermutlich Einbrecher überrascht, als diese gerade in ihrem Hotelzimmer nach Wertsachen suchten. Die mauritianische Polizei arbeitet noch an der Aufklärung des Falls. In dringendem Tatverdacht stehen zwei Angestellte des Hotels.
Besonders tragisch an dem Fall: Das junge Paar, sie Tochter eines bekannten Sport-Funktionärs und Teilnehmerin am Rose-of-Tralee-Wettbewerb, er ein bekannter GAA-Sportler, hatte erst Ende Dezember geheiratet. An diesem Wochenende treffen sich die beiden Familien erneut, diesmal für eine Beerdigung, nur zwei Wochen nach der Hochzeit.


Irland erkennt gleichgeschlechtliche Partnerschaften an
Großer Andrang bei den Standesämtern: Seit dem 1. Januar 2011 an sind auch in Irland gleichgeschlechtliche Partnerschaften zugelassen und anerkannt. In den ersten beiden Wochen des Jahres gingen bereits mehr als achtzig Anträge ein. GLEN, der irische Verband der Schwulen und Lesben, rechnet für 2011 mit mehr als 1.000 Anträgen auf Eintragung von Partnerschaften oder zur Anerkennung von im Ausland geschlossenen Partnerschaften. Die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zeigt einmal mehr, wie weit der Einfluss der katholischen Kirche in Irland inzwischen zurückgegangen ist.


Die beliebtesten Namen
Welches sind heute die populärsten Vornamen in Irland? Sind es Patrick, Seamus oder Eoghan bei Jungs? Und Sinéad, Aiofe oder vielleicht Mairéad bei Mädchen? Weit gefehlt. Die Irish Times wertete 700 Geburtsanzeigen aus, die 2010 in der Samstagsausgabe der Zeitung geschaltet wurden. Das Ergebnis: Bei den Jungen führt James die Liste an, gefolgt von Max auf Platz 2 und Hugo und Patrick gemeinsam auf Platz 3. Danach folgen Oliver (auf 5) und Tom, Thomas, Daniel,  Harry, Peter und Benjamin gemeinsam auf Platz 6. Bei den Mädchen teilen sich Anna, Lucy, Grace und Lilly den ersten Platz, gefolgt von Alice auf 5, Emily und  Sarah auf 6, und Emma und Chloe auf 8. Die Zeit der Zungenbrecher in Form von Proinnsias (Francis) bei Jungs und Labhaoise (Louise) bei Mädchen scheint vorerst vorbei.


Dreckige Angelegenheit
Dirty Old Town: DIe kleine Stadt Portlaoise im County Laois bekam es nun offiziell: Sie ist die schmutzigste Stadt Irlands. Die jährlich durchgeführte Irish Business Against Litter-Studie bescheinigte der Stadt "a serious litter problem". Gleich hinter Portlaoise folgen in der Rangliste Dublin und Cork, die beiden größten Städte des Landes. Grund: Während die Stadtzentren meist sauber und gepflegt erscheinen, türmen sich am Stadtrand die Müllberge. Folge der langjährigen Vernachlässigung der Randbezirke.


Kleiner Anreiz für Touristen: Wenn Sie demnächst in Irland unterwegs sind, richten Sie Ihre Kamera doch auch einmal auf die Müllhalde am Straßenrand. Die IBAL ruft nämlich dazu auf, von besonders schmutzigen Plätzen Fotos zu machen und diese einzuschicken. Die IBAL leitet diese dann an die zuständigen Stellen weiter. Eine touristische Aktivität der anderen Art.


Der Autor: Dirk Huck. Wer mehr von Dirk lesen will:
Hier schreibt er seinen Blog.

Kommentare:

  1. Ich find's erstaunlich, dass in all dem politischen Durcheinander doch noch irgendwer im Parlament zu arbeiten scheint und mal was Positives beschließt - wie das Gesetz für die Civil Partnership. Die direkte Zielgruppe liegt zwar "nur" bei zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, trotzdem handelt es sich um ein allgemeines Zeichen der Liberalisierung in einer teilweise noch reichlich konservativen Gesellschaft. Von dieser Erweiterung des sozialen Horizonts werden indirekt alle profitieren. Dass die Zeit reif ist dafür, sieht man daran, dass das Gesetz breite Unterstützung im Dáil und im Seanad hatte.

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  2. Wo hast Du denn die 10 Prozent her, Nicola? Es gibt zwar Berufsgruppen, die kommen auf einen geschätzten Anteil von 25 % Schwulen, aber gesamtgesellschaftlich scheinen mit die 10 doch maßlos überzogen. Wobei ihnen gerne der staatlich geregelte Eintrag gegönnt sei, wenn es ihnen in ihrer Beziehung dann wohler ist ...

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  3. Die zehn Prozent werden in den Medien allgemein verwendet. "Echte" statistische Zahlen schwanken wohl zwischen fünf und fünfzehn Prozent, wobei es auch noch zusätzlich eine schwer einzuschätzende Dunkelziffer derjenigen gibt, die sich gar nicht trauen, eine korrekte Angabe zu machen. Und wo liegt die Grenze zur Bi-Sexualität, die ja von noch mehr Menschen gelebt wird? Schwieriges Thema.
    Und meiner Ansicht nach geht es bei eingetragenen Partnerschaften aller Art nicht nur darum, dass jemand "dann wohler ist", sondern um gleiche Menschenrechte.

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  4. @Nicola: Die "civil partnership" als "Menschenrecht"? Gehts nicht vielleicht eine Nummer kleiner? Das inflationäre Pathos, mit dem die Menschenrechte für fast schon jede Petitesse strapaziert werden, höhlt auf die Dauer die Substanz dieses Begriffs aus. Wenn man das will, bitteschön.

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  5. @ Galahad: Es gibt international ein Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, und es gibt ein Allgemeines Persönlichkeitsrecht auf Selbstbestimmung. Dazu sollte gehören, dass jede/r Erwachsene mit jeder/jedem Erwachsenen, mit der/dem er/sie will und die/der das auch will, eine rechtlich verbindliche Partnerschaft mit allen Möglichkeiten und Verpflichtungen eingehen kann. Ich finde es falsch, dass ein Staat/die Öffentlichkeit/eine Mehrheit - von der keiner genau weiß, wie groß sie überhaupt ist - oder eine Tradition zwingend vorschreiben, dass dies nur unter der Voraussetzung verschiedener Geschlechter möglich ist. Wenn man bedenkt, dass die voll gelebte Partnerschaft eines der wichtigsten Themen im individuellen Leben ist, handelt es sich in meinen Augen um alles andere als um "eine Petitesse".

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  6. @ Nicola: Gemessen an dem, was in Sachen Menschenrechten rund um diesen Globus im Argen liegt, ist die Frage, mit welchen Paragrafen und Ausführungsbestimmungen ich das fröhliche Treiben sexueller Minderheiten organisiere, in der Tat eine "petitesse" - ein Luxusproblem verwöhnter Gutmenschen im wohl behüteten Reservat einer (noch) heilen Welt. Meine Welt ist das nicht, und deshalb bewegen wir uns vermutlich in sehr unterschiedlichen Wirklichkeiten ...

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  7. Lieber Galahad, isst Du denn nur eine Schale Reise am Tag, weil viele arme Inder auch nicht mehr bekommen? Ein Staat, zumal ein aufgeklärter, hat meiner Meinung kein Recht, Minderheiten zu benachteiligen, wenn es um Persönlichkeitsrechte geht.

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