Samstag, 5. Februar 2011

Dicke Männer vor dem Koch-Simulator

Fernsehkoch Lafer nimmt für uns ab.
Leben wir nicht in verrückten Zeiten? Wir erklären die großen Fernseh-Köche zu Helden, schauen am Koch-Simulator eine Kochsendung nach der anderen und kochen selber immer weniger (Vom Zeitgeist angesagt sind Appartements ohne eigene Küche). Wir verehren die großen Sportler, schauen der Bewegungs-Elite dabei zu, wie sie Höchstleistungen vollbringt, und räkeln uns vor dem Bewegungs-Simulator behaglich im TV-Sessel.

Wir sind ein Volk von Simulanten geworden – wir, das sind die Menschen in der westlichen Welt: in Irland, in Deutschland, in Großbritannien, in den USA. Wir simulieren Bewegung, Ernährung, das gute Leben. Wir lassen unsere Vorturner ran –  und werden selber immer fetter, träger und ungesünder. Die moderne Medizin wird´s schon richten, dass wir trotzdem mindestens 88 werden.

In dieser Woche gab es wieder reichlich interessante Hinweise darauf, wie uns der ausschweifende spätrömische Lebensstil (Hallo, Guido!) zunehmend in die Breite und evolutionär in die Enge treibt. "Ein Fett-Tsunami rollt über den Globus", war jetzt in der Wissenschafts-Postille Lancet zu lesen: Während über eine Milliarde Menschen noch immer nicht genug zu Essen bekommen, hat sich die Zahl der Fettleibigen seit 1980 auf eine halbe Milliarde Erdenbürger verdoppelt.

Die männlichen Iren sind mittlerweile die dicksten Männer in Europa (durchschnittlich betrachtet). Bei den Frauen sieht es nicht viel besser aus. 15 Jahre Keltentiger und die Schnell-Bouletten-Imperien haben ganze Arbeit geleistet.  Jeder zweite Insulaner (m/w) gilt heute nach den Maßstäben der Ernährungswissenschaftler als zu dick, jeder vierte als fettleibig. Damit keine Schadenfreude aufkommt: Ganz ähnlich ist die Lage in Deutschland.


Wir essen wie die Bergarbeiter, bewegen beim Arbeiten aber allenfalls Computer-Maus und Papierberg – und was wir essen, hat die Nahrungsmittelindustrie oft derart manipuliert, portioniert, extrahiert, gepanscht, vermanscht und prozessiert, dass die Ernährung dem Tatbestand der schleichenden Köperverletzung ähnelt. Jamie Oliver, Sarah Wiener, Johann Lafer oder Nigella Lawson können es besser – nur wird man vom Zuschauen leider nicht (gesund) satt.

Dabei ist es theoretisch so einfach, der Völlerei-Falle und der Mobilitäts-Starre zu entgehen: Raus an die frische Luft, jeden Tag 30 bis 40 Minuten Spaziergang, Walking, Jogging oder Laufen, und schon öffnet sich die Tür zum besseren Leben. Was konnten wir in dieser vergangenen Woche nicht wieder alles über die Segnungen des täglichen Spaziergangs lesen: Er hält fit, er macht schlank, ausgeglichen und vital. Ja, er wirkt sogar gegen Vergesslichkeit und stemmt sich dem Leistungsabfall des alternden Gehirns vehement entgegen. Was wollen wir mehr? Also: Die Schuhe geschnürt und raus vor die Tür. Der Rest kommt wie von selbst.  

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