Freitag, 11. Februar 2011

Die Sause unter südlicher Sonne ist zu Ende

Zu Zeiten des Keltentigers, als Irland plötzlich zu den reichsten Ländern der Welt gehörte, waren irische Kunden die Schätzchen der Immobilienmakler weltweit. Außer Nordkorea oder Myanmar war kaum ein Land vor marodierenden Millionären von der Grünen Insel sicher. Zu Wohlstand oder zumindest zu einer großzügigen Kreditlinie gekommene Iren kauften sich Ferienhäuser in Spanien, Frankreich, in Bulgarien und Ungarn, in Kanada und Indien, in Dubai und in Südafrika. Nun hat die Sause auch auf dem Ferienhaus-Markt ein Ende. Paddy und Mary versuchen ihre Liquidität aufzubessern und  sich schweren Herzens von ihrem Kleinod unter südlicher Sonne zu trennen.

In Maklerkreisen wird geschätzt, dass jedes zweite irische Ferienhaus im Ausland – manche meinen sogar zwei von dreien sei realistischer – zum Verkauf steht. Besonders gerne kauften die Sonnensucher von der Insel Häuser und Villen im Süden Europas: Gemauerter Luxus in Spanien und Südfrankreich galt als der Renner im ökonomischen Kräftemessen der Neu-Kelten – und spanische Makler erinnern sich wehmütig an die frühen 2000-er Jahre, als die irische Scheckbuch-Elite  manchmal gleich drei oder vier Häuser auf einmal in Besitz nahm: eines für die eigenen Bedürfnisse, die anderen für Freunde und zum Weiterverkauf mit Gewinn.

Doch der Wind hat sich gedreht: Kommen im Süden Frankreichs überteuerte Luxus-Immobilien auf den Markt, raunen sich die Franzosen zu: "Wohl wieder ein Ire in Nöten"   – und in Spanien werden die Verkaufsabsichten mitleidig belächelt. Denn der spanische Immobilienmarkt liegt ebenso am Boden wie der irische Heimatmarkt: Die Preise fallen seit Jahren, hunderttausende Appartements und Häuser stehen leer.

Interessiert verfolgen Irlands Steuereintreiber, die Revenue Commissioners, das Treiben ihrer Landsleute auf den internationalen Immobilienmärkten. Offiziell haben 27.000 Iren Immobilien im Ausland gekauft, eine lächerlich geringe Zahl. Denn bis vor drei Jahren ging es bei Irlands Neureichen zu wie weiland bei deutschen Handwerkern in den goldenen Zeiten der Aufbaujahre: Sie verfrachteten das Bargeld kofferweise ins Ausland, um es dort vergnügungs- und gewinnbringend in Zweit- und Dritt-Residenzen anzulegen.  

1 Kommentar:

  1. Für die Iren natürlich ne schlimme Sache...aber für Andere eine Geschäftsidee? - Jetzt günstig Ferienhäuser von Iren kaufen, um sie anschliessend Iren zu vermieten, die ja dennoch mal nen Urlaub brauchen! ;-)
    Und damit sie sich den Urlaub überhaupt leisten können, das während des Urlaubs leer stehende Heim auf der Insel als Feriendomizil weiterreichen! Gern auch gleich im Auftrag und gegen Vermittlungsgebühr...
    Das ist kein Scherz - Die Litauer machens jedenfalls teilweise wirklich so, ich war schon vor Ort..!

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