Sonntag, 6. Februar 2011

Diese Woche in Irland: Frühstart in den Wahlkampf

Das Wichtigste auf einen Blick: Was in der vergangenen Woche in Irland geschah, lesen Sie heute in unserem Wochenrückblick. Irland Blog-Autor Dirk Huck berichtet aus Dublin über die wichtigsten Ereignisse auf der Insel.

Startschuss für den Wahlkampf


Am Dienstag wurde formal das Parlament aufgelöst und damit offiziell der Startschuss für den Wahlkampf gegeben. Bis zum 25. Februar haben die Politiker aller Parteien Zeit, sich in ihrem Wahlkreis genügend Stimmen zu sichern. Zu Erinnerung sei erwähnt, dass der Weg ins irische Parlament nur über Direktmandate erfolgt. Jeder Kandidat muss also selbst zusehen, dass er gewählt wird. Einige legten deshalb einen "Frühstart" hin, indem sie bereits am Montagabend ihre Wahlposter aufhängen ließen, um sich den besten Platz an den Laternenmasten zu sichern.







Der Autor: Dirk Huck
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Wurde vor dem Wahlkampf nur alle paar Wochen eine Meinungsumfrage durchgeführt, gibt es nun gleich zwei und mehr Umfragen pro Woche. Die Ergebnisse schwanken kräftig, doch lässt sich eine Tendenz erkennen: Fine Gael um Enda Kenny genießt 35 Prozent Zuspruch. Die Labour Party um Eamon Gilmore bringt es auf 22 Prozent. Fianna Fáil mit dem neuen Leitwolf Micheál Martin kommt auf 17 Prozent. Sinn Fein steht bei 13 Prozent, während die Green Party nur auf 2 Prozent kommt. Interessanterweise genießen die parteilosen Kandidaten großen Zuspruch: Die "Independents" kommen auf immerhin 11 Prozent.
Einschränkend muss gesagt werden, dass Meinungsumfragen, die den Zuspruch für die Parteien abfragen, nur bedingt Aussagekraft haben. Es gibt viele Iren, die mit ihrem lokalen Fianna Fáil-Abgeordneten zufrieden waren und ihn erneut wählen würden, Makel Fianna-Fáil-Zugehörigkeit hin oder her. Uns stehen also drei spannende Wochen bevor. The Race is on.


Immobilienkredite werden teurer
Schock für viele Hausbesitzer: Permanent TSB, eines der größten Kreditinstitute des Landes, erhöht die Zinsen für Immobilienkredite um einen vollen Prozentpunkt, von 4,19 auf 5,19 Prozent. Für diejenigen Hausbesitzer, die eine sogenannte "Tracker Mortgage" mit variablen Zinsen haben (das trifft für die Mehrheit der Immobilienbesitzer in Irland zu), bedeutet die Anhebung eine monatliche Mehrbelastung von 60 Euro je 100.000 Euro Kreditsumme. Bei einem durchschnittlichen Darlehen über 300.000 Euro also immerhin 180 Euro, die zusätzlich jeden Monat aufgebracht werden müssen. Es wird deshalb befürchtet, dass noch mehr Hausbesitzer in Rückstand geraten werden. Zudem kündigte Permanent TSB an, Kredite zu festen Zinsen künftig nicht mehr anzubieten.


Bausektor im freien Fall

Der Immobilien-Bausektor verzeichnete 2010 einen neuen Tiefststand. Lediglich 14.602 neue Häuser wurden gebaut, verglichen mit 93.419 Häusern in 2006, 78.027 in 2007, 51.527 in 2008 und 26.420 in 2009. Das ist die niedrigste Anzahl seit 1975, als immerhin noch 26.788 Häuser gebaut wurden. Nach wie vor befindet sich der Markt im freien Fall. Der Bedarf an neuen Häusern ist vorerst gedeckt. Derzeit stehen landesweit alleine 33.225 Häuser in 2.846 sogenannten "Gespenster-Siedlungen" leer.


Der Exodus des Geldes
Nicht nur Iren wandern aus, auch das Geld scheint nicht mehr in Irland bleiben zu wollen. Wie die irische Zentralbank meldete, wurden 2010 insgesamt 110 Milliarden. Euro aus den Gelddepots der fünfzehn irischen Banken abgezogen. Erschreckend ist dabei der Anteil ausländischer Kapitalanleger: Allein im Dezember zogen sie 35 Milliarden Euro der insgesamt 91 Milliarden Euro für 2010 ab. Zur Erinnerung: Ende November 2010 hatte die irische Regierung einräumen müssen, auf Kapitalhilfe angewiesen zu sein. Offensichtlich genießen irische Banken kein Vertrauen mehr, trotz Absicherung durch das Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds.


Irische Mütter werden immer älter
Das Central Statistics Office (CSO) hat mal wieder mit Zahlen gespielt und erlaubt einen Blick in die irische Gesellschaft. Das durchschnittliche Alter von Frauen bei der Geburt ihrer Kinder stieg zwischen 2001 und 2010 um ein Jahr auf 31,5. Im Durchschnitt sind Frauen 29,5 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind zur Welt bringen. Die meisten Geburten wurden für die Altersgruppe 30 bis 34 verzeichnet, gefolgt von der Altersgruppe 35 bis 39.
Bei einem Drittel (32,9 Prozent) aller Geburten waren die Eltern nicht verheiratet. Die jährliche Geburtenrate liegt bei 16,9 Kindern auf 1.000 Einwohner - ein Anstieg um 2 gegenüber 2001. Die Bevölkerung Irlands wird derzeit auf 4,47 Millionen geschätzt. Eine Volkszählung am 10. April soll aktuelle Zahlen liefern.


Arbeitskampf bei Aer Lingus beigelegt
Drei Wochen lang tobte der Arbeitskampf bei Irlands größter Fluggesellschaft Aer Lingus, nun scheint eine Einigung erreicht worden zu sein. Das Kabinenpersonal war in Streik getreten, nachdem das Management ohne Zustimmung der Gewerkschaften neue Dienstpläne verabschiedet hatte. Während des Streiks konnte Aer Lingus nur ein Notprogramm aufrecht halten. Bis zu zwanzig Flüge am Tag hatten gestrichen werden müssen. Ab Montag soll wieder der volle Flugplan gelten.


Enda Kennys beste Darbietung
Fine Gael befindet sich auf einem ausgeprägten Höhenflug - trotz Enda Kenny. Denn von allen Parteivorsitzenden genießt der Mann aus dem County Mayo die geringste Popularität. Er tut sich sichtlich schwer, mit dem Volk anzubandeln. Und wenn er etwas von sich gibt, dann meist nur belangloses und ausweichendes Geschwafel.
Neulich war Enda Kenny live der Nachrichtensendung Six One auf RTÉ zugeschaltet. Aufgrund eines technischen Defekts konnte er den Moderator nicht hören, war aber auf Sendung. Geduldig wartete er, bis das Problem behoben war und das Interview fortgesetzt werden konnte. Witzbolde bemerkten hinterher, in seiner Schweigezeit habe Kenny seine bislang beste Vorstellung abgegeben.



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