Montag, 31. Januar 2011

Flugplaner und neue Verbindung nach Irland

Alle Wege führen nach Rom, heißt es. Welche aber führen nach Dublin, Cork und Kerry? Klar, der Luft- und der Seeweg führen zur Grünen Insel. Die Tourismuswerber der Irland Information in Frankfurt, unterhalten im Internet diesen aktuellen Reiseplaner, der über die direkten Flugverbindungen von Deutschland (der Schweiz und Österreich) auf die Grüne Insel informiert. Auf der deutschsprachigen Website findet man übrigens auch alle Fährverbindungen.

Noch nicht aufgeführt ist eine neue Flugverbindung der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus: Sie fliegt ab dem 27. März 2011 viermal wöchentlich (Mo, Mi, Fr , So) von Stuttgart nach Dublin. Von dort hat man Anschluss mit Ryanair, Bus oder Bahn nach Cork. Das Aer-Lingus-Management hat sich dazu entschlossen, die Strategie der Billig-Airline aufzugeben, wieder verstärkt auf Qualität zu setzen und erneut einer Airline-Allianz beizutreten. Bis vor wenigen Jahren war Aer Lingus Mitglied von oneworld, suchte sein Heil dann aber vorübergehend in einem Geschäftsmodell, wie es Konkurrent und Anteilseigner (!) Ryanair erfolgreich praktiziert.

Im Januar bläst der irische Wind mit Stärke 2

Das ist Stefan. Manche Blog-Leser kennen ihn schon. Stefan setzte sich im Jahr 1986 in seinen Suzuki Allrad und ließ das Leben als  Zierpflanzengärtner in Frankfurt am Main hinter sich. Seit fast 25 Jahren wohnt Stefan nun schon in Derrycreigh, einem Townland von Glengarriff im Südwesten von Irland. Der Langener lebt mit seiner irischen Frau, mit Kind und Mutter direkt am Meer, er kultiviert einen großen Garten, hält Ziegen, lebt weitestgehend autark. Zu seinen Hobbies zählt er die Meteorologie. 

Als guter Nachbar versorgt uns Stefan Knüttel, immer wenn es wichtig wird, mit der aktuellen lokalen Wetterprognose – zum Beispiel, wenn es zum Wandern in die Berge oder in die herrlichen Gärten der Bantry Bay geht. In fast 25 Jahren hat der Hobby-Metereologe gelernt, das Wetter in der Bucht zu lesen wie kaum ein anderer. Tag für Tag beobachtet er Himmel, Wasser und Bäume, misst die Sonnenscheinstunden, die Regenmenge, die Windstärke und überträgt seine Daten minutiös auf Millimeterpapier.  Wir staunen immer wieder, wie sehr seine Prognose und das lokale Wetter von der offiziellen Wetterprognose für den Südwesten Irlands abweichen können.

Heute zieht Stefan Bilanz für das lokale Wetter im Januar 2011. Die ersten Erkenntnisse: Der Monat war für irische Küstenverhältnisse abermals bitterkalt. Viele Frostnächste drückten die Durschschnitts-Temperaturen, und doch war dieser Januar insgesamt etwas "wärmer" als der Januar 2010.  Den Hobby-Meteorologen erstaunt neben der Kälte vor allem dieses: Dem tradionellen stürmischen irischen Winter sind die Winde ausgegangen. Zumindest in den vergangenen zwei Jahren.

Im Januar 2011 blies der Wind durchschnittlich nur mit Stärke 2  – üblich sind mindestens Stärke 3. Was diese Windstärken zu bedeuten haben, erklärt übrigens die 13-stufige Beaufort-Skala. Windstärke 2 heißt: Es weht eine leichte Brise mit sechs bis elf Kilometern pro Stunde, die Blätter rascheln, man spürt den Wind im Gesicht, das Meer bewegt sich schwach. Stärke 3 bezeichnet die mäßige Brise (12-19 km/h), wenn sich die Zweige an den Bäumen bewegen und Wimpel gestreckt werden. Stürmische Winde (Gales) werden mit Stärke 8 angegeben, Stürme (Strong Gales) mit Stärke 9. Am oberen Ende der Skala rangieren der Orkan und der Hurricane mit Beaufort 12 und Geschwindigkeit ab 117 km/h. In den vergangenen Jahrzehnten wurden an der irischen Küste Spitzengeschwindigkeiten bis zu 160 km/h gemessen.

Die Beaufort-Skala der Windstärken. Zum Vergrößern bitte anklicken. Quelle: Met Eireann.
Übrigens: Die Januar-Kältewelle ist erst einmal überstanden: Das Wetter hat gedreht, in der Nacht kamen die wärmeren Temperaturen und mit ihnen der Regen. Der Luftdruck sinkt.

Foto-Preis 2011: Wer hat das schönste Irland-Foto?

Lust auf Wandern? Lust auf Wandern und Gewinnen?









Es ist wieder so weit. Wir suchen das schönste IRLAND-FOTO 2011. Das Foto soll Landschaft und Natur zeigen. Das Foto kann beim Wandern, beim Radeln oder faul-faul aus dem Auto heraus aufgenommen sein. Egal: Es soll die faszinierende Natur Irlands auf schönste Weise zeigen.  Ein Regenbogen, das Meer, ein Berg, eine Aussicht vom Berg herunter, eine Wiese, typisch irische Tiere, eine Flußlandschaft, oder . . .  Wer uns das beste Foto schickt, kann gewinnen:

Die Gewinnerin, der Gewinner, nimmt kostenlos an der Irland-Wanderwoche 
von "Wanderlust" vom 23. - 30. April 2011 in Glengarriff, West Cork teil 
(Nähere Informationen zu den Wanderferien gibt es weiter unten im Text). 

Und was machen Menschen, die noch nie in Irland waren, aber gerne teilnehmen möchten? Sie schicken uns einfach ein schönes Landschafts-Foto von ihrem Heimat- oder Wohnort.  

Die Teilnahme ist ganz einfach: Das digitale Foto in eine E-Mail packen, das Aufnahmedatum und den Ort aufschreiben, dazu den eigenen Namen und die Adresse, sowie eine kurze Beschreibung, warum dieses Foto ein besonderes Foto ist. Das ganze formlos und flink online per E-Mail senden an: info@wanderlust.ie

Das Kleingedruckte: Einsendeschluss ist der 25. Februar 2011. Der Gewinner wird so ermittelt: Aus allen Einsendungen wählt eine Jury die fünf besten Motive aus. Das Gewinnerfoto wird unter diesen fünf Aufnahmen ausgelost. Einen Rechtsweg gibt es nicht, genauso wenig wird der Preis in bar ausbezahlt. Der Preis hat einen Wert in Höhe von 350 Euro. Die GewinnerIn nimmt kostenlos an allen geführten Wanderungen der Wanderwoche teil. Es entstehen lediglich Übernachtungskosten zum Selbstkostenpreis im Doppelzimmer sowie für die eigene Verpflegung. Alle Teilnehmer am Foto-Wettbewerb sind mit der Veröffentlichung der eingesandten Fotos einverstanden. Jede TeilnehmerIn kann maximal drei Fotos einsenden. 

Viel Spaß und schöne Fotos wünschen wir Euch und uns!

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Sonntag, 30. Januar 2011

Diese Woche in Irland: Der Volkszähler kommt

Das Wichtigste auf einen Blick: Was in der vergangenen Woche in Irland geschah, lesen Sie heute in unserem Wochenrückblick. Irland Blog-Autor Dirk Huck berichtet aus Dublin über die wichtigsten Ereignisse auf der Insel.


Letzte Arbeitstage für Cowen & Co. angebrochen

Die letzten Arbeitstage für Irlands Regierung um Premierminister Brian Cowen sind angebrochen. In Konsequenz aus dem Wirbel um Cowens gescheiterten Versuch, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Kabinett umzubilden, zogen die Grünen, Junior-Koalitionspartner der großen Fianna Fáil, von der Regierungsbank auf eine hintere Bank im Parlament um. Da die Regierung nun keine Mehrheit mehr hat, setzte Cowen für Ende Februar vorgezogene Neuwahlen an. Kommenden Dienstag soll das Parlament offiziell aufgelöst werden.

Die letzte Aufgabe des Parlaments ist die Verabschiedung des Haushaltsfinanzierungsgesetzes mit den Details zu den im Haushaltsplan beschlossenen Maßnahmen zur Reduzierung der Staatsschulden. Was normalerweise einige Wochen Debattierzeit beansprucht, muss nun in wenigen Tagen durchgepaukt werden.

Irland in den Schlagzeilen

Der Tumult im irischen Parlament hatte einen Nebeneffekt: Irland war wieder in den internationalen Schlagzeilen. Eine Auswertung ergab, dass die Ereignisse der letzten Woche weltweit in mehr als 4.500 Artikeln und in 72 Ländern behandelt wurden. Ob Zeitungen wie New York Times, Wall Street Journal, Washington Post, Financial Times oder Nachrichtensender wie CNN, BBC und Sky News, sie alle berichteten. Leider war der allgemeine Tenor eher negativ. Worte wie "meltdown", "implosion", "collaps" oder gar "circus" ließen Irland nicht gerade in einem guten Licht erscheinen.

Besonders hart wurde über Regierungschef Cowen und seine Partei Fianna Fáil geurteilt. Eine derbe Wahlniederlage geschähe Fianna Fáil recht, sagt die "Financial Times", denn Fianna Fáil sei "the party that through its cronyism and incompetence, artificially prolonged the boom of the 1990s into the credit and property bubble of the past decade, and then gave a blanket guarantee to its banker friends that has ended in the humiliation of Ireland becoming a ward of the European Central Bank and the International Monetary Fund." So klingt eine saftige Ohrfeige.

Die "New York Times" schrieb über Brian Cowen und seinen eigenwilligen Führungsstil: "[...] insisting last fall that Ireland needed no bailout, until the moment he began negotiations for one; trying to rebuild his government last week without consulting the Greens, only to have them reject his proposals; and finally, bowing to demands that he quit, but insisting on remaining prime minister until after the election." Noch eine Ohrfeige von höchster medialer Stelle.

Brian Cowen sagt Tschö
Micheál machts: Fianna Fáil mit neuem Vorsitzenden

Nur eine Woche, nachdem die Fianna Fáil-Abgeordneten ganz demokratisch Brian Cowen das Vertrauen ausgesprochen hatten (dieser dann aber trotzdem zurücktrat), wählten sie ganz demokratisch einen neuen Anführer. Ab sofort obliegt es dem erst vor kurzem zurückgetretenen Außenminister Micheál Martin, Ruhe und Ordnung in die Partei zu bringen und das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. Und das muss er auch, will Fianna Fáil kein Wahldebakel erleben. Bei seinem ersten Auftritt als Parteivorsitzender vernahm man ungewohnte Worte: "Sorry," sagte er doch tatsächlich, "for the mistakes we made as a party."

Bei Meinungsumfragen war Fianna Fáil zuletzt auf katastrophale acht Prozent abgerutscht. Die über die letzten Jahre dominierende Fianna Fáil muss damit rechnen, sich nach der bevorstehenden Parlamentswahl in der Rolle der kleinen Oppositionspartei wiederzufinden.



Jeder sechste Haushalt mit negativem Eigenkapital

Wie letzte Woche berichtet, fallen die Hauspreise weiterhin. Ein nun veröffentlichter Bericht offenbart die dramatische Folge des Preissturzes: Geschätzte 300.000 Haushalte - ungefähr jeder sechste - stecken in der Zwickmühle, dass ihre Immobilie inzwischen weniger wert ist, als die dafür aufgenommene Hypothek. Geschätzte 70.000 Haushalte straucheln bereits bei der Rückzahlung ihres Immobilienkredits. Weitere 30.000 Haushalte werden vermutlich in diesem Jahr hinzukommen, wenn die Banken wie angekündigt die Kreditzinsen erhöhen.

Wählen und zählen

In diesem Jahr wird in Irland nicht nur gewählt, sondern auch gezählt. Eine Volkszählung steht an. Bevor sich das Central Statistics Office (CSO) an die eigentliche Volkszählung machen kann, muss es eine Mammutaufgabe der besonderen Art bewältigen: Auf die Stellenausschreibung für die 5.000 Volksbefrager meldeten sich innerhalb von nur 48 Stunden fast 16.000 Bewerber, die nun durch den Bewerbungsprozess geschleust werden müssen. Offenbar sehen viele Irinnen und Iren in der Volkszählung eine willkommene Gelegenheit auf einen kleinen Nebenjob.

Irischer Kurzfilm für Oscar nominiert

Eine Meldung, die Anlass zur Freude gibt: Irland ist bei den diesjährigen Oscarverleihungen am 27. Februar vertreten. Der irische Kurzfilm "The Crush" von Drehbuchautor und Regisseur Michael Creagh erhielt eine Nominierung in der Kategorie "Bester Kurzfilm". Drücken wir die Daumen. Das Kurzdrama handelt von einem kleinen Jungen (gespielt von Creaghs Sohn Oran), der für seine Lehrerin schwärmt, und eifersüchtig reagiert, als er herausfindet, dass sie einen Freund hat.

Irland erwacht langsam aus dem Winterschlaf


So langsam erwacht Irland aus dem Winterschlaf. Die Zeit der Festivals ist gekommen. An diesem Wochenende findet im Dubliner Temple Bar Bezirk das "Trad Festival 2011" statt, Irlands größtes Festival rund um irische Musik und Kultur. Highlights sind die Auftritte der bekannten Musikgruppen Altan und Clannad.



Der Autor: Dirk Huck
Hier geht es zu Dirks Blog

Samstag, 29. Januar 2011

Ich bin ein Ire, holt mich hier raus!

Rainer Leprechaun. Montage:Eliane Zimmermann
Heute abend sitzt Deutschland noch einmal vor dem Dschungelcamp und fiebert mit den drei verbliebenen Schaustellern in eigener Sache. Die Quote liegt bei acht Millionen Zuschauern, unser Sohn hat darauf hingewiesen, dass dies zweimal der gesamten Bevölkerung Irlands entspricht. Die Taktik des Senders RTL, den Links-Esoteriker Rainer Langhans vor den Sender-Karren zu spannen, ist also voll aufgegangen, denn damit hat RTL das lange verpöhnte Unterschichts-TV auch für all die Intellektuellen, die So-So-Linken, die Aufgeklärten und die Fernseh-Abstinenten elegant geöffnet. Anders rum: Die besseren Deutschen haben sich öffentlich für das "Schmuddelformat" geöffnet und können nun ohne schlechtes Gewissen darüber parlieren, wie sie Abend für Abend ihre soziologischen und psychoanalytischen Studien bei RTL im Dschungelcamp betreiben – aus rein analytischen Gründen, versteht sich.

Selbst die "taz", die linke Tageszeitung aus der Berliner Rudi-Dutschke-Straße, berichtete täglich tapfer aus dem australischen Busch und dem Münchener Harem – und trat damit eine wütende Diskussion zwischen Puristen und Mitläufern Mitglotzern los. Der boulevardeske Ausflug ins Dschungelcamp dürfte den Taz´lern eine der größten Abo-Abbestellwellen der Geschichte einbringen. Doch immerhin verteidigte sich die Redaktion gestern mit dem Leih-Argument, der große Bert Brecht hätte Dschungelcamp geschaut, wenn er denn noch lebte. Hätte er?

Auch der Wanderer bekennt sich: Ich war dabei – und habe mich köstlich amüsiert. Vielleicht war dies die Geburtsstunde der frei vegetierenden und sich selbst reflektierenden Fernseh-Show. Denn ab einem bestimmten Punkt, dem Kna(ppi)ck-Punkt, hatte der Sender seine Sendung nicht mehr im Griff. Das Dschungelcamp verselbständigte sich mit ungeheurer Eigendynamik, und erstmals sahen Millionen Zuschauer eine Operation am offenen Herzen: Sie sahen mikroskopisch genau, wie Fernsehshows arbeiten: natürlich mit der permanenten Inszenierung. Nun diskutiert die halbe Republik, ob die Auftritte der Schausteller im Camp echt oder inszeniert sind. Lieben sie sich oder spielen sie die Liebe nur?  Sind sie ehrlich oder machen sie uns allen ständig etwas vor?

Und was hat das mit Irland zu tun? Es geht um das Konzept des Authentischen. In einer Welt der permanenten Inszenierung, des unaufhörlichen Marketing-Gelabers, des nie abreißenden Stroms der manipulierten und der manipulierenden Bilder haben viele Menschen Sehnsucht nach dem Echten, dem Orginalen, dem Authentischen. Wir wünschen uns, dass unsere Mitmenschen das sind, was sie vorgeben zu sein – und ja: Wir verlangen diese Echtheit und Ehrlichkeit vor allem von unseren Vorbildern und unseren Stars. Wir hören die Lieder von Musikern, die in ihrer Musik echte Gefühle ausdrücken und die so leben wie die, von denen sie singen. Wir ziehen in Stadtteile oder Dörfer, wo noch echte Originale leben (und machen dem Stadtteil den Gentrifizierungs-Garaus). Wir reisen in Länder, wo wir noch "Echte-arme-aber-so-zufriedene-Eingeborene" treffen oder wo wir am Ende des Regenbogens die Goldtöpfe suchen.

Und was hat das mit Irland zu tun? Während die Deutschen vor dem Dschungelcamp sitzen und die Araber sich mühen, ihre Despoten zum Teufel zu jagen, packen in Irland jede Woche über 1000 Menschen ihre Koffer und machen sich auf in ein neues Leben: "Ich bin ein Ire, holt mich hier raus": Sie wollen nach Kanada, nach Australien, in die USA oder nach Neuseeland, um dort Arbeit und ein gutes Leben zu finden. Das Fehlen von Jobs in Irland, die Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftskrise, sie sind ein Stück authentisches Irland im Jahr 2011. Ein Stück irische Realität, die so gar nicht in den Kram der professionellen Irland-Inszenierer, der Irland-Werber und der Irland-Image-Kosmetiker passt. Genauso wenig wie die Finanzkrise und die anhaltend schlechten Meldungen vom wirtschaftlich-finanziellen-politischen Absturz der ROI.

Die hauptberuflichen Irland-Inszenierer zeigen dagegen nur das andere Extrem des Image-Spektrums: das romantische Irland, das grüne Land der Schafe, der Esel und der freundlichen Menschen mit den stets freundlichen Sprüchen auf den Lippen, das alte Irland, wie es wohl nie gewesen ist, die Originale, die es so nie gab. Generationen von Urlaubern haben das Heile-Welt-Irland gesucht – und da und dort sicher auch gefunden. Oft genug aber haben sie auch festgestellt, dass die Suche nach dem Authentischen leicht ins irische Wolkenkuckucksheim führt: An das Ende des Regenbogens, in den Souvenier-Shop von "Entdecke Irland", ins Visitor Center oder in das Leprechaun-Museum in Dublin.

Und was hat das mit dem Irland-Blog zu tun? Wir  werden immer wieder gefragt, warum der Irland-Blog auch all die negativen Themen aufgreift, warum wir "sooo kritisch" sind. Wanderer, wo bleibt das Positive? Andererseits wird uns vorgeworfen, wir betrachteten Irland, das Land, das wir schätzen und mögen, verklärt durch die "Grüne Brille". Diese Kritik kommt vor allem und gerne von vielwissenden Auslands-Deutschen. Beide Seiten mögen immer mal wieder recht haben. Unser Ansinnen ist und bleibt es jedoch, authentisch zu sein und Irland – sowohl hier auf dem Irland-Blog als auch bei unseren Wanderungen und Botanik-Exkursionen – so authentisch wie möglich zu beschreiben, das Land so zu zeigen, wie es ist: In all seinen Facetten. Als ein faszinierendes Land am Rande Europas mit ganz eigenen Problemen und ganz eigenen Qualitäten.

Freitag, 28. Januar 2011

Die Jagd nach Irlands schönsten Regenbogen

In Ermangelung eines wirklichen guten Fotos von einem irischen Regenbogen haben wir in den vergangenen Tagen auf diesem Blog ein wenig gebettelt: "Die Frage an Euch Leserinnen und Leser des Irland-Blogs: Wer schenkt uns ein gutes Foto von einem irischen Regenbogen zum Vorzeigen?"


Heute nun kam Freund Peter vorbei und beamte uns ein paar wunderbare Himmelsringe aus dem Land der Regenbogen auf unseren USB-Stick. Zum bevorstehenden Wochenende zeigen wir einen von "Peter´s Finest Rainbows": Er hat ihn im County Donegal, am Fanad Head Lighthouse, aufgenommen.


Der Neid sei mit uns gewöhnlichen Hobby-Knipsern, denn solch ein 180-Grad-Regenbogen ist uns auf unseren Fotos eigentlich nie beschert. Sei´s drum: Peter Zoeller, Profi-Fotograf und seit 30 Jahren in Irland hinter Himmelsverfärbungen und anderen flüchtigen Motiven her, hat auf seiner Pirsch auch etliche Hektoliter der Regenbogen-erzeugenden Flüssigkeiten auf seine Kutte niederbrausen sehen. So gesehen: Das Leben ist gerecht – aber die wirklich guten Fotos vom Irish Rainbow hat nur der und die Profi.


PS: Demnächst noch mehr irische Regenbogen auf diesem Blog. DIe Irland-Fotos von Peter Zoeller kann man hier betrachten: IRLAND-FOTOS

Irische Mode 2011:
Je tiefer der Ausschnitt, desto nackter der Hals

Wintermantel-Abteilung im irischen Kaufhaus
Zugegeben, der Wanderer ist, weitab von Mailand, Paris und Tokio, modisch nicht auf dem letzten Stand; und über die Modevorlieben und das Anzieh-Verhalten junger irischer Frauen sollte er vielleicht besser den Mund halten. Weil er sich denselben sonst wahrscheinlich ganz arg verbrennt.

Nur soviel: Auch mitten im Winter zeigen ausgehfreudige irische Mädels mehr nackte Haut als die durchschnittliche Kontinental-Europäerin im Hochsommer. Ausschnitte bis zum Bauchnabel kommen deshalb gerne im Doppelpack mit einer ausgewachsenen Bronchitis. Von Peinlichkeit meist keine Spur, da bleibt viel Platz fürs Fremdschämen. Und auch wo Arschgeweih, blank gezogener Hüftspeck und waghalsige Super-Minis den Ton angeben, muss noch lange keine Amüsiermeile in der Nähe sein.

Alles andere zu sagen überlässt der nun wieder in sich gehende Wanderer einer scharf beobachtenden Blogger-Kollegin aus Dublin: Das "kleine weiße Pony" hat seine eigenen Erfahrungen mit gelebter Damen-Mode in Irland gemacht und schreibt auf seinem (ihrem) Blog nun die nackte Wahrheit. Und das so leicht und lesenswert:

"Die irische Frau stellt mit ihrer abendlichen Kleiderwahl alles in den Schatten, was mir in meinen 34 Jahren je untergekommen ist. Am Wochenende glitzern die engen Kleider in Dublins Straßen farbenfroh um die Wette. Dabei gilt: je tiefer der Ausschnitt, je kürzer der Rock und je höher die Absätze, desto besser. Ob Frau in das Kleid ihrer Wahl hineinpasst, ist dabei völlig zweitrangig – was nicht passt wird eben passend gemacht. Nach Sonnenuntergang verwandelt sich die Stadt in ein Inferno freiliegender Busen und Bauchrollen auf 15 Zentimeter Stelzen. . ."

Die ganze wahre Geschichte gibt es hier bei Little White Pony – einer in Irland lebenden Deutschen mit Hang zum Langstreckenlauf.  Ehrenwort: Sie schreibt nichts als die Wahrheit.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Auswanderung: Irland verliert seine Zukunft

Junger Football-Spieler aus Cork
Die aktuelle Auswanderungswelle aus Irland hat skurrile Auswirkungen. Selbst Irlands Nationalsport leidet schon. Einem Artikel des britischen "Guardian" zufolge haben Irlands Gaelic-Football-Vereine mittlerweile massive Probleme, noch genug Spieler für ihre Mannschaften zu rekrutieren. Wenn in der GAA-Liga auch sportlich auf professioneller Ebene gespielt wird, so sind die Spieler doch alles Amateure - und die brauchen ganz normale Arbeitsstellen, um sich und ihre Familien zu ernähren.

Autorin Lisa O'Carroll zitiert Jimmy Bambury, der eines der fünf GAA-Teams auf der Dingle-Halbinsel betreut. "Die Möglichkeit, in Croke Park zu nationalen Football-Ehren zu kommen, finanziert einem leider nicht den Lebensunterhalt", sagt der Experte. Normalerweise hat er kein Problem damit, gute Spieler zu rekrutieren - aber dieses Jahr sieht alles anders aus. "Acht unserer besten Spieler sind ausgewandert, und Anfang des Jahres werden noch weitere entweder nach Großbritannien oder nach Australien gehen." Nur acht kleine Jungen würden dieses Mal in der Junior Infant-Stufe antreten, vor zehn Jahren seien es noch doppelt so viele gewesen. Der Grund für die Auswanderung liege unter anderem in Dingles Abhängigkeit vom Tourismus, und dessen Einbruch vertreibe gerade die jungen Familien. Das heißt wohl, dass in zehn Jahren auch der Nachwuchs für die Erwachsenen-Mannschaften fehlen wird.

Laut O'Carroll wird erwartet, dass die aktuelle Auswanderung selbst die letzte Welle in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts übertreffen wird. In 1989 belief sich der damalige Höhepunkt auf 44.000 Auswanderer, für 2011 und 2012 befürchtet das Economic and Social Research Institut (ESRI) jeweils 50.000 Hoffnungsvolle, die ihr Glück woanders finden wollen. Es ist die "Lost Generation" der jungen Leute zwischen 20 und 30, denen offenbar keine andere Chance bleibt, egal ob Handwerker oder Hochschulabsolventin.

Nähere Informationen gibt es aus Australien: Vor fünf Jahren gingen down under 12.500 der auf zwei Jahre verlängerbaren "working holiday visa" an Iren - in 2009 waren es schon 23.000. Speziell Einwanderer mit Berufen wie Schreiner, Elektriker, Krankenschwester (m/w) und mit anderen medizinischen Themen haben gute Chancen auf Dauervisa. Deren Anzahl stieg von 1.700 (in 2008) auf 3.000 (in 2010). Nur - ausgebildete Fachleute in diesen Berufen zu verlieren, das kann sich eigentlich kein Land leisten.

Viele der jungen Leute gehen trotzdem davon aus, dass sie nicht mehr nach Irland zurückkehren. Sie vermissen zwar ihre Familie und die Freunde, sehen ihre Zukunft aber definitiv nicht in der Heimat. Vielmehr zeichnet es sich ab, dass die Auswanderer - wie zur Zeit der Großen Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts - wieder Geld an die daheim Verbliebenen schicken. Darüber hinaus wollen sie lieber nicht zu viel davon mitbekommen, wie zu Hause das Land herunter gewirtschaftet wird, das sei einfach zu deprimierend.

Auf der Pferderennbahn von Melbourne soll man sich mittlerweile wie bei den Punchestown Races fühlen - überall hört man den irischen Tonfall. 



Diesen Beitrag hat Irland-Blog-Autorin Nicola für Euch geschrieben. Den Artikel im Guardian kann man/frau hier lesen.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Wilde Kuh läuft Amok in Ennis

Erst gestern erzählte der Freund unseres Sohnes, wie sich seine Familie vor einem verrückten Schaf in Sicherheit bringen musste: Das Wolltier lief Amok und versuchte umzurennen, was sich ihm in den Weg stellte. Nur mit Mühe gelang es den Bauern, das Aggro-Schaf in einen Schuppen zu verfrachten und dort zu isolieren.

Heute morgen nun berichten die Zeitungen von einer wild gewordenen Kuh, die gestern die Stadt Ennis in County Clare in Atem hielt. Die verrückte Kuh brach vom Markt in der Quin Road aus und tobte durch die Stadt. Auf ihrem Amoklauf stieß sie einen Polizisten und drei Passanten zu Boden und schleifte den Ordnungshüter sogar ein Stück mit sich. Die unfreiwilligen Kuh-Kämpfer erlitten nur leichte Blessuren, der herbeigerufene Tierarzt schaffte es jedoch nicht, das Tier erlegen. Am Ende gelang es, die wilde Kuh auf eine Wiese zu treiben und sie dort einzusperren. Ihr steht wohl ein unsicheres Schicksal bevor. Nach den gestrigen Eskapaden wurde sie offiziell zum aggressiven und gefährlichen Einzelgänger erklärt.

Die Leute von Ennis sind Einiges gewohnt – von verrückten Tieren bis hin zu schrägen Straßenmusikern. Eine derart randalierende Kuh wollen Viele aber noch nicht erlebt haben. Eine Frau seufzte: "Mich wundert nur, dass es heute keine Toten gab". Eine andere konnte nicht glauben, dass es sich bei dem Tier nicht um einen Bullen sondern um eine Kuh gehandelt hat. Kühe gelten nämlich im allgemeinen als sehr friedliche, wenn auch äußerst neugierige Tiere.

PS: Ein Link für Nenad: Das Neueste aus Ennis

Dienstag, 25. Januar 2011

Kaiser Wilhelms U-Boot im Hafen von Cork entdeckt

Sensationsfund im Hafen von Cork, Irland: Fünf ambitionierte Amateurtaucher haben am Roches Point ein deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg gefunden, die UC-42 der Kaiserlichen Marine. Der Minenleger war im September 1917 in irischen Gewässern unterwegs und legte Unerwasser-Minen gegen britische Schiffe. Die UC-42 explodierte am 10. September 1917 mutmaßlich aufgrund der Fehlzündung einer eigenen Mine. Bei dem Unglück kam die gesamte Crew ums Leben – 27 junge deutsche Marinesoldaten starben. Die irischen Amateurtaucher fanden das Wrac knach monatelanger Suche im vergangenen November. Sie brachten am Wrack eine Gedenkplakette für die Getöteten an, deren Überreste im U-Boot in 28 Metern Tiefe liegen, und gaben ihren Fund erst gestern bekannt – mit der Bitte um Respekt, denn immerhin sei das Wrack ein Grab. Das Zweihüllen-Tauchboot aus Kaiser Wilhelms U-Bootflotte dürfte nun zahlreiche Taucher zum Roche´s Point in den Hafen von Cork locken.

Quelle: RTE

PS: Das Foto zeigt ein Schwesterboot der UC-42, die UC-44. Sie war am 5. August 1917 bei Waterford von einer Mine des Schwersterboots versehentlich gesprengt worden. Von den 30 Mann Besatzung überlebte ein Matrose. Quelle: Die UC-Boote der Kaiserlichen Marine, von Harald Bendert.

Irland – Lieblingsland der Fotografen

Das intensive und oft wechselnde Licht macht Irland zum Lieblingsland vieler Fotografen. In diesen Wintertagen dominieren in der Natur die Braun-, Gelb- und Orange-Töne. Bald wird der Frühling, der für die Iren bereits am 1. Februar beginnt, seine mächtige Grün-Offensive starten. In den kommenden Wochen zeigen wir die Insel auf dem Irland Blog aus der Sicht verschiedener Berufs- und Hobby-Fotografen: "Mein Irland". Demnächst mehr.

Braun dominiert: Irlands Südwestliche Headlands in der Abendsonne
Fotos: Bodo Baginski (oben), Markus Bäuchle

Montag, 24. Januar 2011

Grüße aus Irland in die Neue Welt

Es war ein makelloses Wochenende im Antizyklon: Über Irland dreht ein stabiles Hoch seine Runden und beschert der Insel im zweiten Jahr in Folge einen kontinentalen Winter der feinsten Art. Das Wetter ist kalt und trocken, es bringt viele Sonnenstunden und kaum Wolken. Die Wettermacher von Met Eireann in Dublin kündigten gestern abend fast euphorisch an: "Ein Ende des trockenen Wetters ist nicht in Sicht". Tatsächlich soll sich das fabelhafte Wetter bis über das kommende Wochenende hinaus halten. Der einzige Nachteil: Die Frostnächste.

Die idealen Wetter-Bedingungen nutzt der Wanderer zur Erkundung neuer Touren für die bevorstehende Wandersaison 2011. Unterwegs auf Irlands südwestlichen Halbinseln fand er auf Rock Island einen historischen, heute verlassenen Pier. Über die alte Steintreppe (unten) wurde im 19. und 20. Jahrhundert die Post aus dem Südwesten hinunter zum Postschiff nach Amerika transportiert. Von dort machten sich handgeschriebene Grüße aus Irland auf den Weg in die Neue Welt. Dort landete so mancher Umschlag mit den ersehnten Dollars aus dem gelobten Land.

Der Anleger mit Helling liegt unweit der alten Küstenwache und des restaurierten Leuchtturms (oben), der den Schiffen viele Jahrzehnte lang den Weg in die geschützte Bucht von Crookhaven gewiesen hat. Rock Island ist nur von drei Seiten von Wasser umgeben und deshalb streng genommen keine Insel. Von Goleen her führt auf einem schmalen Landstreifen ein Sträßchen nach Rock Island.












PS: In den morgendlichen Spam-Mails heute eine perfide Deliktesse: "Wo waren Sie in letzter Zeit?", wird der Nutzer gefragt. "Ihr *genutztes Online-Produkt* fühlt sich etwas einsam". Und dann kommt´s unverblümt: "Find out what you´re missing". Sinngemäß: Find raus, was Du vermisst. Find raus, was Dir fehlt. Danke dafür, Selber hätte ich´s nicht bemerkt.

Sonntag, 23. Januar 2011

Sinkendes Schiff: Grüne verlassen die Regierung

Die Ereignisse im politischen irland überschlagen sich: Sechs Minister weg, Ministerpräsident Brian Cowen tritt als Parteivorsitzender zurück, nun reagieren die Koalitionspartner der dauerregierenden Fianna Fail: Heute nachmittag haben sich die Grünen aus der Regierung Irlands verabschiedet – gefühlte zwei Jahre zu spät aber doch noch einige Wochen vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums der Koaltionsregierung von Fianna Fail und Grünen.  Die Neuwahlen in Irland finden nun wahrscheinlich statt im März schon im Februar statt. Alle Parlamentsparteien mit Ausnahme von Sinn Fein halten jedoch an der Vorstellung fest, das neue Finanz-Gesetz (Finance Bill 2011), das vor allem die EU und der Internationale Währungsfonds von Irland fordern, noch vor den Neuwahlen zu verabschieden.

Quelle: Newswhip

Neue Brücke am Mizen Head öffnet an Patrick´s Day

So sieht sie von oben aus: Die neue Bogenbrücke am Mizen Head.

Die neue Bogenbrücke am Mizen Head, das Wahrzeichen Südwest-Irlands, wird am 17. März, dem Patrick´s Day in Irland, feierlich eingeweiht. Seit Herbst 2009 liefen die Arbeiten zum Bau einer neuen Fußbrücke zur alten Mizen-Signalstation. Im Frühjahr, zum 101. Geburtstag und rechtzeitig zur neuen Feriensaison, wird die neue Brücke fertig sein. Die Konstruktion wurde der alten Brücke gestalterisch nachempfunden, die neue ist aber um einiges breiter. Genau genommen wurden die neuen Träger außerhalb der bestehenden Brücke gebaut, bevor die altersschwache Konstruktion abgerissen wurde.

Die neue Bogenbrücje – fast ganz die alte.
Die 52 Meter lange erste Bogenbrücke, die über einen 45 Meter tiefen Abgrund hinwegführt und die für nicht schwindelfreie Besucher immer eine Herausforderung darstellte, war in den letzten Jahren zunehmend baufällig geworden und musste mit einem Gerüst gestützt werden. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts galt der Bau dieser Konstruktion als Sensation: Es war eine der ersten Stahlbetonbrücken in Irland und die längste auf den Britischen Inseln. Die gefährlichen Bauarbeiten dauerten von 1908 bis 1910.

Die alte Brücke – mit einem Gerüst gestützt
Der Mizen-Head-Kooperative, der 600 lokale Anteilseigner angehören, ist es mit einem großen Kraftakt nach mehren Anläufen gelungen, die Finanzierung für das Brückenprojekt zu sichern: Die Rede ist von knapp 2 Millionen Euro Baukosten – in Zeiten der Rezession eine beachtliche Summe. Angesichts der Höhe der Investition bangte das Besucherzentrum am Mizen Head einige Jahre lang um seine Zukunft. Denn ohne Brücke wären die Signalstation, das Leuchtturm-Museum und die herrliche Aussichtsplattform auf den offenen Atlantik und die bizarre Felsenküste, nicht erreichbar.

Ein Foto von den Bauarbeiten im Frühjahr 2010
Derzeit ist der Mizen Head geschlossen, das Besucherzentrum öffnet jedoch an den Wochenenden. Offizielle Informationen zur WIedereröffnung gibt es demnächst.





Das Mizen Head Besucherzentrum: Derzeit geschlossen und abgeriegelt. Cafe und Shop sind über den Winter an den Wochenenden geöffnet. 

Diese Woche in Irland: Hauspreise fallen weiter


Das Wichtigste auf einen Blick: Was in der vergangenen Woche in Irland geschah, lesen Sie heute in unserem Wochenrückblick. Irland Blog-Autor Dirk Huck berichtet aus Dublin über die wichtigsten Ereignisse auf der Insel.


Irlands Regierung bricht auseinander
Dramatische Woche im irischen Parlament. Premier Brian Cowen gewann zwar die parteiinterne Vertrauensabstimmung. Für Ruhe und Ordnung innerhalb der Partei und der Regierung sorgte das Ergebnis jedoch nicht. Cowens Rolle als Vorsitzender von Fianna Fáil wurde weiterhin heftig diskutiert. Am Donnerstag legten gleich sechs Fianna Fáil-Minister ihr Amt nieder. Gegen Cowens Versuch, noch vor der Parlamentswahl das Kabinett neu zu ordnen, stemmte sich der Koalitionspartner, die Grünen. Notgedrungen verteilte Cowen die führerlosen Ressorts auf die verbliebenen Minister und legte den Termin für die so heiß herbei gesehnten Neuwahlen fest: Am 11. März darf nun das Volk darüber abstimmen, wem es sein Vertrauen schenkt. Am Samstag verkündete Cowen seinen Rücktritt vom Posten des Vorsitzenden von Fianna Fáil, betonte jedoch, bis zur Neuwahl im Amt des Premierministers zu bleiben.
Irland selbst Schuld, sagt EU-Kommissar Barroso
Unruhe auch im europäischen Parlament: Der irische EU-Abgeordnete Joe Higgins hatte darüber geklagt, dass das von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds aufgedrückte Finanzpaket Irland ruinieren würde. Da platze EU-Finanzkommissar Jose Manuel Barroso der Kragen. "The problems of Ireland were created by irresponsible financial behaviour of financial institutions and a lack of supervision in the Irish market," tobte er vor dem europäischen Parlament. Europa sei Teil der Lösung für Irlands Finanzprobleme, fuhr er fort. Nicht Europa habe das Finanzproblem verursacht, sondern einzig und allein Irland.

Immobilienpreise wieder auf dem Niveau von 2002
Die Immobilienpreise fallen weiter und sind mittlerweile auf dem Niveau von 2002 angekommen. Dies entspricht einem Rückgang um 38 Prozent gegenüber dem Höchststand Anfang 2007. Doch es gibt leichte Entwarnung: Das Marktforschungsinstitut Economic and Social Research Insititute (ESRI) will erkannt haben, dass sich der Preissturz verlangsamt. Im letzten Jahr fielen die Preise "nur" um 10,8 Prozent, verglichen mit 18,5 Prozent im Jahr 2009.
Jede Woche eintausend Auswanderungen
Eine Studie ergab: Derzeit verlassen jede Woche mehr als eintaused Menschen das Land, um woanders Arbeit zu finden. Geschätzte 60.000 Menschen werden zwischen April 2010 und April 2011 das Land verlassen haben, und weitere geschätzte 40.000 in den zwölf Monaten danach. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze bleibt weiterhin das Hauptptoblem in Irlands Wirtschaft; und der Ausblick, den das Marktforschungsinstitut ESRI zeichnet, gibt nur wenig Anlass zur Hoffnung: In diesem Jahr soll sich die Arbeitslosenquote bei etwa 13,5 Prozent einpendeln, im nächsten Jahr aufgrund eines erwarteten leichten Hochs in der Wirtschaft könnte sie leicht sinken. Derzeit erlebt nur der Exportsektor einen leichten Aufschwung, doch werden in diesem Sektor nur wenige neue Stellen geschaffen.
Kanada vergibt mehr Visa
Wohin gehen irische Auswanderer? Ganz oben auf der Wunschliste steht Kanada. Das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Kanada gab bekannt, für dieses Jahr die Anzahl der Arbeitsvisa für Iren um 1.000 aufzustocken. Zudem dürfen Iren ein zweites Urlaubs-Visum beantragen. Damit können diejenigen, die ein Abwarte-Jahr in Kanada verbringen, ihren Aufenthalt verlängern.

Neue Schilder braucht das Land
Dem Tempo-Schilder-Wildwuchs an Irlands Straßen soll nun endlich zu Leibe gerückt werden. Bislang sind die Richtlinien, nach denen entschieden wird, welche Höchstgeschwindigkeit auf einer Straße gilt, wenig konsistent. Dies führte häufig genug dazu, dass auf einer gut befestigten, drei-spurigen Schnellstraße gerademal Tempo 60 zulässig ist, auf einem unbefestigten, schmalen Schotterweg hingegen locker Tempo 80 erlaubt ist. Das Ministerium für Transport unternimmt jetzt einen neuen Anlauf, die Richtlinien zu überarbeiten und zu vereinheitlichen. 


Der Autor: Dirk Huck






Fotos: Dirk Huck (2, unten), Markus Bäuchle (2, oben)

Samstag, 22. Januar 2011

Erste Fotos einer rund-erneuerten irischen Ikone

Ob sie gut wird? Ob sie schön wird? Ob sie so schön wird wie ihre Vorgängerin? Fest steht: Teuer wird sie: knapp 2 Millionen Euro; und eingeweiht wird sie: Am 17. März, am Patrick´s Day 2011. Die Rede ist von einer irischen Ikone, die das Landschaftsbild seit über 100 Jahren prägt und nun komplett erneuert wurde. Noch wird die Baustelle gehütet wie ein Hochsicherheitstrakt, noch wird gebaut und gewerkelt. Der Irland-Blog zeigt an diesem Wochenende die ersten Fotos von der verbindlichen Schlanken mit den eleganten Kurven. Wer kennt sie?

Mehr Fotos am Sonntag.

Freitag, 21. Januar 2011

Klavierkonzerte am Ende der Welt

Manche stilisieren die einsame Beara Peninsula im Südwesten Irlands zum Ende der (keltischen) Welt, andere halten Beara schlicht für den Ort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Das Landleben zwischen Glengarriff und der Insel Dursey ist schlicht, manchmal hart, ein bisschen wie damals und für viele, die den Freuden der Zivilsation, des Konsums und der Kultur zuneigen, auf Dauer nicht auszuhalten. Konsumtempel, Shopping Malls, Boutiquen, Matinees, Konzerte, Lesungen, Edel-Italiener: FEHLANZEIGE. Beara hat es nicht, und das macht den Reiz für viele Urlauber aus, der in den Atlantik herausragenden Halbinsel einen Besuch abzustatten – nur um dann bald wieder in die Zivilisatzion zurückzukehren.

Aber: Das Offensichtliche offenbart nicht die ganze Wahrheit über Beara. Die schönsten Blüten der Kultur treiben hier im Verborgenen, zum Beispiel in einem großen Wohnzimmer in Ahabeg, einem zu Rossmacowen gehörenden Weiler in der Nähe von Castletownbere. Man glaubt es nicht, doch im kulturellen Ödland Bearas gibt sich jedes Jahr ein Dutzend Mal ein Weltklassekünstler die Ehre: Jeden Winter und jeden Sommer lädt der Pianist David Syme lokales Publikum zum Sonntagskonzert in sein Wohnzimmer ein.

Der US-Amerikaner Syme (Jahrgang 1949), ein Meisterinterpret der Werke George Gershwins, kennt die großen Konzertsäle der Welt und er hat mit den großen Orchestern der Welt in diesen großen Konzertsälen der Welt gespielt und er hat über 20 CDs eingespielt. An diesen Sonntagen zuhause lässt er das Publikum zu sich kommen: Syme wohnt in Ahabeg und er musiziert in Ahabeg. Nachmittags um 15 Uhr geht´s los, David Syme nimmt gut vorbereitet am großen Flügel in der Mitte seines Wohnzimmers Platz und spielt zwei Stunden erlesene Klaviermusik für die Leute aus der Umgebung. Bis zu 50 Menschen haben Platz in Davids guter Stube, und Frau Syme kümmert sich nebenbei rührend um das leibliche Wohl der Gäste.

Am kommenden Sonntag geht der Winter-Zyklus in Ahabeg zu Ende. Für das abschließende Wohnzimmerkonzert der Saison hat sich die Hollywood Legende Maureen O'Hara angesagt. Und wer weiß, vielleicht schaut auch Irlands Groß-Barde Christy Moore wieder einmal vorbei. Danach wird David Syme allmählich seine Koffer packen und sich für die anstehenden Konzerte da draußen in der Welt vorbereiten.  Wir bleiben zurück in der Gewissheit: Auch am Ende der Welt gibt es feinste Hochkultur. Beara has it!

Wer David Symes Wohnzimmer-Konzert erleben will, kann sich auf seiner Website informieren. Der Künstler bittet darum, dass sich die Besucher vorher bei ihm anmelden und ihr Kommen ankündigen. (Die Fotos stammen von Davids Website).

Donnerstag, 20. Januar 2011

Die Goldtöpfe am Ende des Regenbogens


Dokument des Versagens: Am Ben Bulben hat der Wanderer sein bisher "bestes" und doch so bescheidenes Foto eines Regenbogens gemacht: Auch nach zehn Jahren Irland findet sich in seinem ansonsten gut bestückten Fotoarchiv keine wirklich gutes Ablichtung eines echt irischen Regenbogens. Ganz zu schweigen von den berühmten Goldtöpfen am Ende des Regenbogens, in denen die einheimischen Kobolde ihre Schätze für Menschen immer unerreichbar aufbewahren.

Deshalb die Frage an Euch Leserinnen und Leser des Irland-Blogs: Wer schenkt uns ein gutes Foto von einem irischen Regenbogen zum Vorzeigen? Und wer eines mit den Goldtöpfen – gerne samt Leprechauns? Danke im Voraus!


PS: Der Termin für die Neuwahlen in Irland steht. Am 11. März wird ein neues Parlament und damit eine neue Regierung gewählt. Bis dahin rutscht Taoiseach Brian Cowen nach dem Rücktritt von sechs Ministern mit den letzten Gertreuen auf der Regierungsbank herum.  

Under Ben Bulben - oder auch oben drauf

Diese Woche ist Sligo-Woche im Irland Blog: Lissadell, Drumcliff, Ben Bulben. Bleiben wir noch drei, vier Fotos lang in Yeats County im Nordwesten der Grünen Insel und schauen auf diesen schönen und markanten (wenn nicht den markantesten) Berg Irlands: Ben Bulben, auch als Ben Bulbin, oder irisch Binn Ghulbain ("klauenförmiger Berg") bekannt.

Ben Bulben II
Der 527 Meter hohe Tafelberg aus Kalkstein und Schiefer wurde vor über 300 Millionen Jahren geformt. Damals lag Irland auf der geografischen Breite, auf der heute Südafrika zu finden ist. Seitdem haben der Berg und seine Umgebung drastisch an Höhe verloren. Die heutige Form und den letzten Schliff durch Gletscher erhielt Ben Bulben während der letzten Eiszeit, die vor rund 10.000 Jahren zu Ende ging.

Ben Bulben ist in der irischen Mythologie tief verwurzelt. Der alte Felsrücken gilt als Heimstatt der kriegerischen Fianna, als der Ort, wo Fianna-Krieger Diarmuid, der Liebhaber von Prinzession Gráinne, durch eine List seines Widersachers Fionn Mac Cumhail ums Leben kommt – er wurde der Sage nach von einem Keiler getötet.
Ben Bulben III

Ben Bulben ist auch der Ort, wo im Irischen Bürgerkrieg im Jahr 1922 sechs IRA-Kämpfer, die "Noble Six",  von Soldaten des Freistaats hingerichtet wurden, nachdem sie sich ergeben hatten. Und Ben Bulben diente in den 70er-Jahren als politische Agitationsfläche. Der 60 Meter breite Slogan "Brits out" (Briten raus), mit dem der politische Arm der IRA, Sinn Féin, den Berg als Propaganda-Instrument missbrauchte, war von weithin zu sehen.


Vom Süden kann der magische Berg übrigens gut und einfach bestiegen werden. Wer das Abenteuer sucht, versucht es auf der schwierigen Nordseite. Oben angelangt hat man einen weiten Blick über das Yeats Country hinüber nach Mullaghmore, hinaus aufs Meer und hinunter nach Drumcliffe, wo Irlands Dichterfürst William Butler Yeats begraben liegt, der den geliebten Ben Bulben noch in seinem letzten Gedicht, "Under Ben Bulben", verewigte.

Ben Bulben V
Alle Fotos: © Markus Bäuchle 2010-2011

IMPRESSUM

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